Seit Wochen wird im Selzacher Passionsspielhaus gehämmert, gezimmert und gestrichen. Unter der Federführung des Ausstatters und Bühnenbildners Oskar Fluri arbeiten in vollster Konzentration sechs Personen. Es sind alles bewährte Bühnenmitarbeiter, auf die Fluri alle zwei Jahre, bei einer neuen Sommeroper, zählen kann. «Mitte September vergangenen Jahres begann ich mit der Arbeit am Bühnenbild», so Fluri. Zunächst noch in seinem Atelier in Derendingen, seit drei Monaten nun auf der Selzacher Passionshaus-Bühne. Es ist ein sehr aufwendiges Bühnenbild für den Dreiakter von Richard Wagner, doch schon zum zweiten Mal steht ein Schiff im Mittelpunkt, nach Lortzings «Zar und Zimmermann» vor 19 Jahren, berichtet Fluri.

Wagners Thema Erlösung

Die Oper «Der fliegende Holländer», 1843 in Dresden uraufgeführt, schuf Richard Wagner ganz unter dem Eindruck einer stürmischen Schiffsreise von Riga nach England und dem Lesen der alten Sage in Heinrich Heines Buch «Memoiren des Herren von Schnabelewopski». In einem Kapitel erzählt Heine die alte Sage des niederländischen Kapitäns Bernard Fokke, der die Sagengestalt des «fliegenden Holländers» verkörpert. Diesem gelang es – anders als vielen anderen Seefahrern – nicht, das Kap der Guten Hoffnung zu umfahren. Und so versuchte er, Gott und den Kräften der Natur zu trotzen, rang sie aber nicht nieder, weil er sie verfluchte. Seither ist er dazu verdammt, für immer mit seinem Geisterschiff auf den Weltmeeren zu kreuzen. Jedem, dem dieses Schiff mit schwarzem Mast und blutroten Segeln begegnet, ist Unglück vorbestimmt. Und nur eine treu liebende Frau kann den Holländer von seinem Fluch erlösen.

Wagners Kernthema war die Sehnsucht nach der ewigen Treue einer geliebten Frau; nach Erlösung durch die wahre Liebe. Er fügte der Geschichte die zusätzliche Figur des Erik ein, sodass seine weibliche Hauptfigur Senta zwischen diesem realen Geliebten und der erträumten mystischen Figur des Holländers hin- und hergerissen ist. Oft wird das Stück als Wagners Durchbruch zum eigenen Stil angesehen, doch ist es noch der romantischen Oper zuzurechnen. Im Jahr 1860 überarbeitete Wagner die Urfassung. Musikalisch wurden die Ouvertüre und der Schluss verändert. «Der Holländer» ist die einzige Wagneroper, die sich von der Besetzung und den Anforderungen her für das Passionsspielhaus eignet.

Zum ersten Mal führt in der Sommeroper der Intendant des Theaters und Orchesters Biel Solothurn, Tobs, Dieter Kaegi, Regie. Die musikalische Leitung hat Constantin Trinks inne, Thomas Dietrich besorgt die künstlerische Betriebsleitung. Neben Oskar Fluri sind Sigi Salke für das Licht sowie René Gehri und Pia Bürki für die Produktion zuständig. Den Chor studiert Valentin Vassilev ein. Das Stück wurde in den 1940er-Jahren angesiedelt, doch ist man dem erzählerischen Aspekt treu geblieben. Oskar Fluri sagt, dass er sich beim Bühnenbild auf keine andere Produktion abstütze.

Am Sonntag, 1. Juli, kann für einmal hinter die Kulissen der Sommerspiele geschaut werden. Bei der «offenen Bühne für alle» werden von 11 bis 14 Uhr Rundgänge durch das Innenleben der Inszenierung angeboten. Oskar Fluri und sein Team geben Interessantes über das Bühnenbild bekannt.

Premiere: 2. August. Vorverkauf: www.sommeroper.ch