Noch wird am neuen Berufsbildungszentrum in der Solothurner Vorstadt fleissig gebaut. Doch bald werden hier auch Grundsteine für die wirtschaftliche Zukunft des Kantons gelegt: Ab August 2016 kommen wöchentlich 2800 Berufsschüler und -schülerinnen zum Unterricht, davon 1200 im neuen Gebäude mit 27 Schul- und Verwaltungsräumen. Die heutigen Schulgebäude Rosengarten, westlich neben dem Campus gelegen, und das Schulhaus II an der Heidenhubelstrasse werden aufgehoben und die Gebäude anders genutzt.

Zwei Drittel der Bauzeit beim neuen Berufsbildungszentrum (BBZ) in der Vorstadt von Solothurn sind bereits vorbei. Bei einer Begehung der Baustelle erklären Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli, Projektleiter Thomas Schwaller und Rolf Schütz, Direktor des BBZ Solothurn-Grenchen, weshalb dem Kanton hier ein grosser Wurf gelingt.

Zum Hintergrund: Die Berufsschulen brauchten in der Stadt Solothurn mehr Platz. Gleichzeitig war der einstöckige Werkhallenbau der Automechaniker, Sanitärinstallateure und Spengler sowie der Polymechaniker aus dem Jahr 1957 nicht nur veraltet, sondern auch baufällig. Die Lösung lag auf der Hand: den Anbau abreissen und durch ein modernes Schulgebäude ersetzen, das den Platz optimal ausnützt. So fing die Geschichte an.

«Anfassen» heisst «begreifen»

«Für das Projekt, das nun realisiert wird, brauchte es einen anderen Geist. Entscheidend war, dass wir uns von der konventionellen Idee gelöst haben, die besagt, dass mehr Platz besseren Unterricht bedeutet», erklärt Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli.

BBZ-Direktor Rolf Schütz erläutert die Auswirkungen des Umdenkens am Beispiel der Automechanikerlehre: «Früher haben die Lernenden hier in der Werkstatt Radwechsel geübt. Heute wird das in überbetrieblichen Kursen gemacht. Bei uns geht es darum, dass die Berufsschüler den theoretischen Lernstoff veranschaulicht bekommen. Besonders bei den zweijährigen Attestlehrgängen ist ‹begreifen› im Sinn von ‹anfassen› nach wie vor wichtig. Somit braucht es in der Berufsschule nicht mehr eine Werkstatt mit Übungsfläche, sondern einen bedeutend kleineren Demoraum. Dieser wird auf dem aktuellen Stand der Technik gehalten.»

Schütz ist überzeugt: «Das selbstfahrende Auto kann kommen, wir sind gerüstet dafür.»

Alter Estrich neu genutzt

Der technische Fortschritt geschieht nicht nur bei den Mechanikern immer schneller, sondern in praktisch allen Berufen. «Wir haben keine Ahnung, welche Anforderungen die Arbeitswelt in zehn Jahren an die Berufsbildung stellt», bringt Projektleiter Thomas Schwaller das Phänomen auf den Punkt. Der Neubau trägt dem Rechnung: Die Aussenhülle ist als Skelettbau konzipiert mit Fassadenmodulen, die einige typische Elemente des benachbarten GIBS-Gebäudes aufnehmen. Als Orientierungshilfe dient den Bauleuten bis zum nächsten Frühling ein so genanntes Modellzimmer, das neben dem Rohbau steht und mit allen relevanten Bauelementen ausgestattet ist.

Im Innern des Neubaus ist ausser dem Kern mit Treppenhaus und Liftschacht – konzipiert als Lichthof mit Sichtbetonhülle – nichts fest betoniert. So können die Trennwände zwischen den Schulzimmern mit wenig Aufwand verlegt werden. Für die Schalldämmung sollen Holzelemente sorgen.

Mit dem Neubau werden die GIBS (Gewerblich-industrielle Berufsfachschule, das EBZ (Erwachsenenbildungszentrum) und die KBS (Kaufmännische Berufsfachschule) auf einem Campus vereint. Die optimale bauliche Ausnützung des Platzes an der Kreuzackerstrasse stiess bei den Nachbarn anfänglich auf wenig Gegenliebe. Die Bereinigung der Einsprachen sorgte für einen zweijährigen Marschhalt. Diese Zeit nutzten der Kanton und das BBZ Solothurn-Grenchen, um das Beste aus dem Projekt herauszuholen.

Kühlung mit Grundwasser

Das Resultat: Anstelle einer konventionellen Werkstatt haben die Automechaniker schon heute einen modernen Demonstrationsraum, der weniger Platz beansprucht. Statt in ein Provisorium konnten sie nämlich direkt in ihr neues Domizil im Untergeschoss des GIBS-Gebäudes umziehen, in einen ehemaligen Abstellraum. Und: Der ungenutzte Estrich des GIBS-Gebäudes wurde ausgebaut und beinhaltet nun zusätzliche Unterrichtsräume.

Damit wird die gewonnene Fläche im geplanten Neubau neben Sekretariat, Empfang und vier Unterrichtsräumen nun auch Platz bieten für einen Seminarraum im Erdgeschoss, der auch vermietet werden kann. Im Untergeschoss ist neu Platz für das Rechnungszentrum des Kantons, das bisher im Rathaus angesiedelt ist. Die Serverräume können hier mit Grundwasser gekühlt werden, das ebenso für die Kühlung exponiert liegender Unterrichtszimmer verwendet werden kann sowie am Ende für WC-Spülungen. Schliesslich soll die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Neubaus leistungsfähiger werden als ursprünglich geplant.

Rechenzentrum zieht erst ein, wenn sich der Staub gelegt hat

Das Gebäude sei nach Minergie-P eco-Standard konzipiert, erklärt Projektleiter Thomas Schwaller. Damit können Schulzimmer in der Pause weiterhin gelüftet werden. Besonders stolz ist er auf die Nutzung des Grundwassers. «Ohne das Rechenzentrum hätte die Kühlung nicht im Budget Platz gefunden. Nun sind wir in der glücklichen Lage, dass wir auch Räume, die dem Sonnenlicht besonders ausgesetzt sind, kühlen können.»

Denn heute gelte die Regelung, dass Schulzimmer nicht wärmer als 26 Grad werden sollten. Den gestaffelten Einzug vom BBZ im August und dem Rechenzentrum im Oktober 2016 erklärt Schwaller damit, dass der Staub aus der Bauzeit vor dem Einzug der Server verschwinden müsse.