Bielersee
Das erste Dampfschiff verkehrte vor 125 Jahren

Die Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Mit acht Schiffen ist sie heute auf den Juragewässern zwischen Solothurn und Murten unterwegs. Am Sonntag gibts Jubiläumsfahrten.

Andreas Toggweiler
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Bielersee-Schiffahrt feiert 125-Jahre-Jubiläum
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Die MS Seeland wurde verkauft und abtransportiert
J.J. Rousseau 3 (1952) ist das Vorgängerschiff der heutigen MS Rousseau
Die MS Siesta, das bisherige Flaggschiff auf der Aare
MS Petersinsel bei Revision 2009 Das grösste Schiff der BSG wird Ende Jahr wieder auf neutrale weisse Farbe umlackiert.
Die BSG ehrte kürzlich den 125 000 Passagier
Der Schraubendampfer Union gilt als erstes BSG-Schiff

Bielersee-Schiffahrt feiert 125-Jahre-Jubiläum

Zum Jubiläum verkehrt am Sonntag, 22. Juli die MS Jolimont, das älteste noch existierende (ehemalige) BSG-Schiff zwischen Erlach und La Neuveville. das Schiff wurde 1910 erbaut. Dieses war die erste Linienmässig befahrene Strecke der heutigen BSG.

Schon ab 1826 wurde der See mit Dampfschiffen befahren, die allerdings Gesellschaften aus dem Kanton Neuenburg gehörten. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auf der Strecke Nidau-Yverdon einen florierenden fahrplanmässigen Schiffsbetrieb für Passagiere und Güter. Doch 1860 versetzte die Eröffnung der Bahnlinie Biel-La Neuveville diesem Geschäft den jähen Todesstoss. Touristische Schifffahrt war damals noch kaum gefragt.

Schraubendampfer Union
Weil Erlach abseits der Bahnlinie lag, wurde 1887 zwischen Erlach, Neuenstadt und der Petersinsel der Schffsbetrieb mit dem Schraubendampfer Union aufgenommen, den die gleichnamige Gesellschaft dank Subventionen des Kantons Bern erwerben konnte. Dies wird als Geburtsstunde der späteren BSG bezeichnet. Die neu bei Escher Wyss in Zürich bestellte «Union» war ein Erfolg, und bereits 1889 liess man ein zweites, grösseres Dampfboot bauen, die «J.J. Rousseau». Die Gesellschaft florierte und transportierte um 1900 40 000 Passagiere. Der Reingewinn betrug 7400 Fr.
Die beiden Weltkriege brachten für die Schifffahrt schwierige Zeiten. 1931 musste die Gesellschaft durch den Kanton Bern und die Stadt Biel neu kapitalisiert werden. Der Sitz wurde 1930 nach Biel verlegt. Erst in der Nachkriegszeit standen die Zeichen wieder auf kontinuierliches Wachstum. Es konnten neue Schiffe bestellt werden: die MS Stadt Biel (1953) , die «JJ. Rousseau 3» (1952) , die «Chasseral»(1960) und die «Berna» (1964). 1976 folgte das mit einer Kapazität von bis 800 Personen grösste Schiff, die «St. Petersinsel».

Abenteuerliche Schifffahrt
Die Schiffahrt auf der Aare bis Meienried und von dort auf der Zihl bis Biel war vor der Juragewässerkorrektion ein Abenteuer. Dennoch wurde bereits 1854 die «Solothurnische Dampfschiffahrtsgesellschaft für die Juragewässer gegründet». Der in Heilbronn stehende Neckardampfer «Ludwig» wurde in Solothurn neu zusammengebaut und stach 1855 unter dem Namen «Stadt Solothurn» in die Aare. Das erste neue Schiff, die moderne «Wengi» (1856) war aber ausschliesslich für den Personenverkehr auf den Seen konzipiert und konkurrenzierte die Neuenburger Gesellschaften.

Harte Konkurrenz
Doch auch die Solothurner erhielten Konkurrenz von der Firmengruppe «Glutz, Blotzheim und Scherer», die 1857 den Dampfer «Neptun» in Betrieb nahm. Aber bald kam auch hier das Ende. Denn im gleichen Jahr zog die Centralbahn mit ihrer neuen Linie Solothurn-Biel den Schiffern den Stöpsel.
Der Verkehr des kleinen Dampfbootes St. Urs um 1890 auf der Aare, ist nur eine Episode. Das Schiff wurde bald in die Innerschweiz verkauft, blieb aber dort zum Glück erhalten und verkehrt heute frisch restauriert wieder (privat) auf der Aare.

Auf der Aare erst ab 1952
Die moderne Aareschifffahrt wurde erst ab 1952 durch den Neuenburger W. Koelliker wiederbelebt, der die «Romandie» bauen liess. Nach einem zähen Streit mit den Berner Behörden um die angebliche Schädlichkeit der Heckwelle fürs Aareufer, konnten 1954 gewerbsmässige Fahrten aufgenommen werden. 1966 entschloss sich Koelliker, den Betrieb in die Hände der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft zu übergeben die seither auch unter diesem Namen (BSG) firmiert. Diese betrieb die Aareschifffahrt engagiert weiter. 1973 wurde die «Stadt Solothurn» in Dienst gestellt, 1991 der Katamaran MS Siesta und im heurigen Jubiläumsjahr die MS Rousseau, Es ist soweit bekannt das vierte Schiff dieses Namens auf den Juragewässern.

350 000 Passagiere
Heute ist die Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft SG (BSG) das grösste touristische Unternehmen im Drei-Seen-Land und erschliesst nach eigenen Angaben den längsten schiffbaren Wasserweg der Schweiz. Pro Jahr werden fahrplanmässig 350 000 Passagiere befördert. Bei der BSG arbeiten 26 Personen als Festangestellte. Im Sommer kommen 19 Leichtmatrosen (auch Frauen) dazu. Hauptaktionäre der BSG sind die Stadt Biel, die Stadt Solothurn und Gemeinden an der Aare und im Seeland. Das Management der BSG (Direktion) erfolgt über die Aare Seeland Mobil (asm).

Quelle: Josef Gwerder, Erich Liechti, Jürg Meister: «Die Geschichte der Schiffahrt auf den Juragewässern», Schaffhausen 1982