Plage für die Bauern
Das Erdmandelgras verdrängt Kartoffeln, Rüben und Gemüse

Das Erdmandelgras stellt Bauern im Kanton Solothurn vor ein scheinbar unlösbares Problem. Da sich das robuste Unkraut über Knöllchen unter der Erde verbreitet, sind chemische Mittel wirkungslos. Nun wird versucht, das Problem in den Griff zu bekommen.

Manuela von Arx
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Es sieht harmlos aus, bereitet den Bauern aber viel Ärger: Das Erdmandelgras ist extrem hartnäckig.

Es sieht harmlos aus, bereitet den Bauern aber viel Ärger: Das Erdmandelgras ist extrem hartnäckig.

zvg

Eigentlich ist es ja noch ganz nett anzuschauen, mit seinen langen Blättern und den auffallenden gelben Blüten. Doch der Schein trügt. Mit dem Erdmandelgras ist nicht zu spassen. Es belegt nämlich Platz elf auf der schwarzen Liste der gefährlichen invasiven Pflanzenarten. Damit ist es zwar noch nicht in die «Top Ten» vorgestossen, allerdings ist das Unkraut auf bestem Weg dazu. Die harmlos aussehende Pflanze ist zu einer echten Plage für die Bauern geworden.

Auch auf Feldern im Kanton Solothurn macht sich das Erdmandelgras breit, wie der Solothurner Bauernverband in einer Mitteilung schreibt. «Das Unkraut wird leicht verschleppt und breitet sich rasch aus. Die Bekämpfung ist schwierig, die Sanierung einer verseuchten Fläche kann Jahre dauern.»

«Betroffen im Kanton Solothurn sind vor allem das Wasseramt und das Limpachtal», so Martina Jenzer, Expertin für Pflanzenschutz vom Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz. Diesen Sommer wurde das Unkraut aber auch im Leberberg und im Gäu festgestellt. Das Hauptproblem: Das Erdmandelgras ist extrem robust und kann auch einen kalten Winter problemlos überstehen. Hat es sich erst einmal auf dem Acker angesiedelt, konkurrenziert es den Nutzpflanzen sehr stark – in schlimmen Fällen können auf betroffenen Feldern keine Kartoffeln, Rüben oder Gemüse mehr angebaut werden.

Ausbreitung erfolgt unter der Erde

Doch warum bereitet das Erdmandelgras gerade jetzt Schwierigkeiten? «Immer mehr Betriebe nutzen Maschinen überbetrieblich, um Kosten zu sparen. Andere Landwirte lagern bestimmte Arbeiten aus, da sie einem Nebenerwerb nachgehen müssen», erklärt Jenzer. So hat das Erdmandelgras seit ein paar Jahren leichtes Spiel. Je mehr Maschinen in einem grösseren Umkreis im Einsatz seien, desto schneller kann es sich ausbreiten.

Seinen Namen hat das Erdmandelgras von den kleinen mandelartigen Knöllchen, die es unter der Erde bildet und über die es sich ausbreitet. Die Mandeln können chemisch nicht bekämpft werden, was es praktisch unmöglich macht, gegen das Unkraut vorzugehen. «Lediglich gegen den oberirdischen Teil der Pflanze können Herbizide eingesetzt werden, so wird das Unkraut geschwächt», erklärt Martina Jenzer. Dazu müsse aber der richtige Moment erwischt werden. Zudem sei dieses Verfahren langwierig und aufwendig. Bekämpfen müsse man das Erdmandelgras aber auf jeden Fall, hält sie fest: «Ansonsten wird es sich immer mehr ausbreiten und unsere Nahrungsmittelproduktion massiv verteuern.»

Für die Bauern bedeutet das vor allem eines: viel Aufwand. Maschinen, Geräte und die Räder der Traktoren müssen nach jeder Bearbeitung einer betroffenen Fläche gründlich gereinigt werden. Befallene Stellen sollten zudem grosszügig ausgegraben werden – sofern das überhaupt noch möglich ist.

Bund arbeitet an einer Lösung

Bei Martin Flury, Landwirt aus Deitingen, nützt all das nichts mehr. «Das Erdmandelgras hat sich bei mir auf einer Fläche von etwa 3000 bis 4000 Quadratmetern ausgebreitet», sagt er. Um das Unkraut loszuwerden, müsste er auf der befallenen Fläche 40 Zentimeter des Bodens abtragen – ein immenser Aufwand ohne Erfolgsgarantie. Flury arbeitet nun mit Agroscope zusammen, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung. Gemeinsam probieren sie verschiedene Methoden aus, um dem Problem Herr zu werden. «Vermutlich wird es aber Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis eine Lösung gefunden ist», so der Landwirt.

Schuld an Flurys misslicher Lage ist Humus aus Herzogenbuchsee, den er vor Jahren auf seinem Feld verteilt hat. «In diesem Humus hatte es Erdmandeln, so hat alles angefangen», erzählt er. Nach und nach habe sich das Unkraut vermehrt. «Damals wusste ich noch nicht, was das genau ist.» Inzwischen ist sein Feld fast unbrauchbar, was ihm finanzielle Ausfälle beschert. Kartoffeln oder Zuckerrüben kann er auf dem befallenen Feld nicht mehr anbauen.

Flury steht mit seinem Problem nicht alleine da. «Im Dorf gibt es noch einen zweiten Bauern, der mit dem Unkraut zu kämpfen hat», weiss er. Es gebe aber viele Bauern, die gar noch nicht festgestellt haben, dass sich das Unkraut ebenfalls auf ihren Feldern breitmacht. «Bis man es merkt, kann es schon zu spät sein», so der Landwirt.