Sie müssen um halb fünf in den ‹Sternen›, dort bekommen sie etwas zu hören!», sagt die Servicefachfrau des Morgens im «Bistro». Und tatsächlich braucht es anlässlich des Fürobebiers im «Sternen»-Fumoir nicht viele Worte, geschweige denn schlaue Fragen, um die ausschliesslich männlichen Gäste reiferen Alters zum Reden zu bringen. Die Meinungen sind glasklar, die Worte scharf. Die Männer sind verärgert und üben sich bestenfalls in Sarkasmus. «Nein, die Stimmung ist nicht gut in Egerkingen», schüttelt Peter von Arx den Kopf. Der 64-Jährige kann nicht verstehen, dass der Kanton die «Fridau» nicht einer kaufinteressierten Institution zugesprochen hat. Jetzt habe man dort oben doch «Millionen in die Anlage gebuttert und jetzt das! So ein schönes Gebäude wird einfach verschandelt.»

Egerkinger haben nichts zu sagen

Rolf Kühni, 56, der nebenan sitzt, drückt sich diplomatischer aus. Solange nicht straffällige Ausländer einquartiert würden, könne es funktionieren. Aber: «Die Sorgen der Egerkinger sind berechtigt.» Kühni bemängelt das Schweizer Asylsystem grundsätzlich. «Warum», fragt er, «hütet man jemanden während eines eineinhalb Jahre langen Verfahrens, wenn man von Anfang an weiss, dass er hier nichts zu suchen hat?»

Was die «Sternen»-Gäste vor allem in Rage bringt: Sie haben nichts zu sagen zu dem Fall. Weil der Kanton Eigentümer sowohl der «Fridau» als auch der Strasse ist, die auf den Berg führt, kann er über die Köpfe der Egerkinger hinweg entscheiden und tun, was er für richtig hält. «Dass sich Fremdenhass entwickelt, verwundert nicht, wenn nur befohlen wird und man nichts dazu sagen kann», knurrt Peter von Arx. Nun erwartet er von den Kantonsbehörden, dass sie die versprochenen Kontrollen einhalten. Dass Asylsuchende auch Menschen sind, weiss er. «Natürlich gibt es Gute unter ihnen. Tatsache ist, dass es überall dort, wo es Asylzentren hat, ‹Lämpe› gibt.»

«Kanton sagt, wie der Töff läuft»

Max Friedli, 67, Oltner und jetzt in Hägendorf wohnhaft, findet es «schade für die Anlage und für Egerkingen, aber der Kanton sagt halt, wie der Töff läuft». Friedli hat grosse Bedenken: «Wo halten sich diese Leute auf während ihrer unendlichen Freizeit?», fragt er und vermutet, zumindest einen Teil der Antwort schon zu kennen. «Schauen sie mal, was in Olten hinter dem Bahnhof geht; ich habe lange dort gelebt.» Dort gehe es zu und her wie in den Favelas, den berüchtigten Armenvierteln Brasiliens. Grosse Zweifel hegt Friedli gegenüber dem Kanton: «Ich traue ihm nicht zu, dass er im Nachgang die Gemeinde unterstützt.»

Harte und diplomatische Worte gibt es am Tisch der Familie Zihler zu hören. Vater Walter, 75, findet, «wir haben sonst schon zu viele Ausländer». Er sei kein Fremdenhasser, im Gegenteil, denn er habe früher oft mit Ausländern zusammengearbeitet, aber heute kämen viel zu viele Wirtschaftsflüchtlinge. Adrian Zihler, 47, hingegen findet, man solle rasche Verfahren durchführen und danach die Integration vorantreiben. Ihn stören die grossen Zahlen, die jeweils herumgeboten würden: «Eigentlich beträgt der Ausländeranteil nicht 20 Prozent, sondern nur zwei, drei Prozent, denn die meisten sind ja integriert.»

Der Zorn ist gross

Zwei Tische weiter wählt Josef von Däniken, 62, scharfe Worte: «Ich bin knallhart SVP und ‹verruckt›, dass sie kommen.» Wegen der Kriminalität. «Die anderen müssen sie nicht nehmen, aber wir schon, weil die ‹Fridau› ein Staatsgebäude ist – und wir dürfen nichts sagen! Zuletzt bekommen sie noch einen Shuttlebus, um in die Waro fahren zu können.»