Gesundheit

Das Corona-Virus bringt die Kalender durcheinander

Der Solothurner Kantonsarzt Lukas Fenner zum Corona-Virus: «Bei Anlässen im engen Raum ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung viel grösser»

Der Solothurner Kantonsarzt Lukas Fenner zum Corona-Virus: «Bei Anlässen im engen Raum ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung viel grösser»

Am Freitag sind im Kanton Solothurn 30 Verdachtsfälle bekannt, eine Person ist in Quarantäne. Kantonsarzt Lukas Fenner erklärt, welche Veranstaltungen abgesagt werden sollten und wie man sich im Alltag und bei Corona-Verdacht verhalten soll.

Der Kanton Solothurn ist im Kampf gegen Corona strenger als der Bund. Schon Veranstaltungen mit mehr als 100 teilnehmenden Personen könnten abgesagt werden.

Die Fasnacht in Solothurn hatte es gerade noch geschafft. Die Maskenbälle, die Umzüge und die Chesslete konnten ungestört gefeiert werden. Weniger Glück haben die Veranstalter, die in den nächsten Tagen im Kanton ein Konzert, ein Theater oder eine grössere Party geplant haben: Ob ihr Event wie geplant durchgeführt werden kann, ist unsicher - zumindest dann, wenn mehr als 100 Besucher erwartet werde.

Grund für den möglichen Ausfall ist das Corona-Virus. Die Zahl der Corona-Patienten ist in der Schweiz in den letzten Tagen angestiegen, gestern Abend zählte der Bund 14 Infizierte und über 100 Personen befanden sich in Quarantäne. Grund genug für den Bundesrat, die Situation in der Schweiz als «besondere Lage gemäss Epidemiegesetz» einzustufen. Das bedeutet, dass alle Grossveranstaltungen in der Schweiz bis am 15. März abgesagt werden müssen. Also Veranstaltungen, zu denen mehr als 1000 Personen erwartet werden.

Noch strenger als der Bund ist der Kanton Solothurn. Zwar ist im Kanton kein Corona-Fall bekannt – bei Redaktionsschluss waren 30 Verdachtsfällebekannt –, trotzdem will der Kanton schon Veranstaltungen ab 100 Personen vermeiden, wenn das Risiko für die Teilnehmenden zu gross ist. Das gab der Kanton gestern am späten Nachmittag an einer kurz zuvor angesetzten Medienkonferenz bekannt.

Kanton will strengere Regeln als der Bundesrat

An der Medienkonferenz waren die Gesundheitsdirektoren Susanne Schaffner, der Kantonsarzt Lukas Fenner und der Stabchef Kantonaler Führungsstab Urs Schmid zugegen. Während Veranstaltungen ab 1000 teilnehmenden Personen strikt abzusagen sind, empfiehlt der Kanton in einer Medienmitteilung für Veranstaltungen mit 100 bis 999 teilnehmenden Personen eine «restriktive Risikoabwägung».

Oder anders: Der Kanton rät grundsätzlich dazu, auf Anlässe ab 100 teilnehmenden Personen zu verzichten. Vor allem Veranstaltungen in geschlossenen Räumen sind laut Kantonsarzt Lukas Fenner problematisch, weil sich Viren dort besonders gut verbreiten können. Weniger gefährlich sind Anlässe an der frischen Luft.

Der Kanton appelliert grundsätzlich an die Eigenverantwortung von Veranstaltern. Bei der Entscheidung, ob ein Anlass durchgeführt werden soll oder nicht, kann der Kanton aber mitreden. Veranstalter von Events ab 100 Besuchern sind dazu verpflichtet, mit dem Kanton per Telefon Rücksprache zu nehmen.

Der Kanton hat dafür eine Hotline eingerichtet. Kommt der Kanton zum Schluss, dass eine Veranstaltung ein zu grosses Risiko bedeutet für die Besucher, kann er die Veranstaltung per Verfügung kippen. «Wir hoffen aber, dass das nicht nötig sein wird», so Stabchef Urs Schmid.

Veranstalter und Wirtschaft müssen Einbussen hinnehmen


Der Kanton Solothurn im Vergleich mit dem Bund also strenger. Das sei ihr bewusst, erklärte Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner. «Aber wir schauen mehr auf die Vorsicht als auf die Einzelinteressen.» Mit strengen Regeln, so gab sich der Kanton optimistisch, können Ansteckungen im Kanton Solothurn verhindert werden.

So sehen das auch andere Kantone: Im Kanton Aargau brauchen Veranstalter für Anlässe mit mehr als 150 Personen eine Bewilligung, im Kanton Basel-Stadt Anlässe mit mehr als 200 Personen. Vorerst zieht der Kanton Solothurn laut Kantonsarzt Lukas Fenner keine strengeren Massnahmen in Betracht. «Wir warten aber ab, was auf nationaler Ebene passiert. Die Lage verändert sich laufend».

Wegen der Vorgaben des Bundesrats haben die Veranstalter von Grossevents ihre Anlässe bereits am Freitagnachmittag abgesagt. Unter anderem kann die Berufsmesse Grenchen-Bettlach vom 7. März nicht stattfinden. Auch die Solothurner Eigenheim-Messe musste abgesagt werden. In Olten muss der FUKO-Abend daran glauben, und der EHC Olten muss vorerst vor leeren Zuschauerrängen spielen.

Nach der Bekanntgabe des Kantons folgten die Absagen weiterer, kleineren Veranstaltungen folgen. Die Gemeinde Lüterkofen hat bereits kurz nach der Medienkonferenz den Kindermaskenball und die Chesslete abgesagt. Andere kulturelle Veranstalter treffen weitere Abklärungen. Die Kosten, die durch die Ausfälle entstehen, tragen die Veranstalter. Der Kanton und der Bund sind laut Epidemiegesetz nicht dazu verpflichtet, die Kosten zu tragen.

Das Corona-Virus bremst auch die Wirtschaft aus. Die Titoni AG in Grenchen schickt ihre Mitarbeitenden im März für zwei Wochen in die Ferien. Eine Woche Ferien müssen die Angestellten beziehen, eine Woche wird ihnen geschenkt. Das Unternehmen ist stark abhängig vom asiatischen Markt, und in China, Hongkong, Singapur und weiteren Staaten bleiben viele Geschäfte geschlossen oder verkürzen die Öffnungszeiten.

Ab April rechnet das Unternehmen zwar mit einer Besserung, aber CEO Daniel Schluep geht nicht davon aus, dass sich das Geschäft schnell wieder erholt. Den Mitarbeitenden der Titoni AG droht deshalb neben den verordneten Ferien auch Kurzarbeit.

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