Deitingen/Flumenthal

Das Bundesasylzentrum ist da – die Wogen sind für den Moment geglättet

Bis zu 250 Asylsuchende finden Platz im neuen Bundesasylzentrum in Flumenthal. Am Samstag wurde die Anlage offiziell eingeweiht. Im Vorfeld sorgte der Bau für Unmut, besonders in der Gemeinde Deitingen. Nun geben sich alle Beteiligten Mühe, die Wogen zu glätten.

Zwischen Maisfeldern und einem Wäldchen geht die geteerte Strasse hindurch. Darüber knistert eine Hochspannungsleitung, direkt nebenan rauscht monoton die Autobahn. Die Strasse nimmt eine Kurve, geht nun an der Justizvollzugsanstalt im Deitinger Schachen vorbei. Gewaltige Zäune, Stacheldraht. Nach einer weiteren Kurve kommt ein anderes Gebäude in Sicht. Kleiner als das Gefängnis. Dreistöckig, graue Fassade, nüchtern, zweckmässig. Ebenfalls umgeben von einem Zaun, dieser wirkt jedoch deutlich weniger abschreckend. Er hat keinen Stacheldraht. Das Gebäude ist das neue Bundesasylzentrum in Flumenthal, das diese Woche in Betrieb genommen wird.

Hunderte wollen das neue Zentrum besichtigen

Am Samstag wurde die Anlage mit einem Tag der offenen Tür offiziell eingeweiht. Der Andrang war gewaltig. Alleine an der ersten Führung durchs Zentrum kurz nach Mittag wollten gegen 100 Personen teilnehmen. Die Erklärversuche der Führerin gingen schnell einmal im Stimmengewirr unter, und so streiften die Menschen kurzerhand auf eigene Faust durch die Anlage. Sie begutachteten die Empfangsräume, die Zimmer für die medizinische Betreuung, für die Seelsorge. Weiter hinten befinden sich Schlaf- und Aufenthaltsräume. Grüne und gelbe Böden, weisse Wände. Eingerichtet ist noch wenig, einzelne Betten stehen rum, ein Sofa, ein Bücherregal, ein Töggelikasten. Auch die weiteren Räume – Schulzimmer, Fitnessraum, Ruheraum – sind alle noch unfertig. Man wolle die Räume dann zusammen mit den Asylsuchenden einrichten, heisst es bei der Führung. Als Beschäftigungsmöglichkeit.

Weitere Aktivitäten sind angedacht, die den Asylsuchenden Tagesstrukturen geben sollen – wie Deutschstunden oder Fussballspiele. Und auch ehrenamtliche Einsätze, die den Gemeinden zu gute kommen sollen, sind angedacht. Daneben profitieren Deitingen und Flumenthal noch auf einer anderen Ebene vom neuen Zentrum: Beide Gemeinden müssen keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen. Trotz dieser beiden «Zückerlis»: Gerade in Deitingen wollten die wenigsten dieses Zentrum. Den Bau bekämpften sie bis vor Bundesgericht – erfolglos.

Wogen glätten und Betrieb abwarten

Bei der Eröffnung gaben sich dann auch alle Parteien Mühe, die Wogen zu glätten. So dankte Mario Gattiker, Direktor des Staatssekretariats für Migration, in seiner Ansprache den Beteiligten für die konstruktive Zusammenarbeit: «Es ist wichtig, dass solche Fragen im Vorfeld geklärt werden. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Nun ist es an uns, unser Versprechen einzuhalten und für einen geordneten Betrieb zu sorgen.» Auch Bruno Eberhard, Deitingens Gemeindepräsident, hielt den Ball betont flach: «Ich habe ein gutes Gefühl, dass man vom Bund aus alles daransetzen wird, für einen geordneten Betrieb zu sorgen. Das muss sich jetzt in der Praxis zeigen.» Und weiter: «Deitingen wollte das Zentrum nicht, das ist bekannt. Doch jetzt ist es da, und jetzt machen wir das Beste draus.»

Durch das Zentrum muss der Kanton Solothurn weniger Asylsuchende aufnehmen. Wie viele genau, hängt von verschiedensten Faktoren ab und wird laufend berechnet. «Es sind bedeutend weniger», sagt Claudia Hänzi, Chefin im Amt für soziale Sicherheit. «Sodass wir deswegen unsere Strukturen anpassen werden.» Diese Woche nimmt das neue Zentrum seinen Betrieb mit 20 Asylsuchenden auf. Später werden es mehr werden.

Der Beitrag von «Tele M1» zur Eröffnung des Zentrums:

Neues Bundesasylzentrum in Flumenthal

Neues Bundesasylzentrum in Flumenthal

In Flumenthal bei Solothurn wird ein neues Bundesasylzentrum eröffnet, welches bis zu 250 Asylsuchende aufnehmen kann. Gleichzeitig werden in den Kantonen Bern und Baselland je ein Aufnahmezentrum geschlossen.

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