Wer ab Mitte Dezember den richtigen Zug erwischen will, kommt nicht um einen Blick in den Fahrplan herum. Verglichen mit den vergangenen Jahren ist es ein grosser Umbruch, mit dem die Solothurner Bahnkunden konfrontiert werden. Die SBB sprechen von der «anspruchsvollsten Fahrplanänderung seit 2004». Damals ging die Neubaustrecke zwischen Mattstetten und Rothrist in Betrieb.

Nun werden die Verbindungen auf der West-Ost-Achse aufgemischt. Auch dafür sind Ausbauprojekte verantwortlich: Die Durchmesserlinie Zürich wird künftig von Fernverkehrszügen genutzt, und in der Romandie beginnen die Bauarbeiten am drei Milliarden Franken teuren Projekt «Léman 2030». Zwischen Genf und Lausanne sollen künftig mehr Züge mit doppelt so vielen Sitzplätzen verkehren.

Doch bevor die Reisenden davon profitieren, bekommen sie zuerst einmal einige Einschränkungen zu spüren. Ein zwischenzeitlicher Abbau ist für die SBB unumgänglich: Während der Bauzeit stehen in Lausanne weniger Geleise zur Verfügung. Die Intercity-Neigezüge (ICN) mit stündlichem Halt in Solothurn und Olten verkehren heute abwechslungsweise zwischen Genf oder Lausanne und St. Gallen. Neu fahren diese Züge nur noch von Genf nach Zürich. Für Pendler aus Solothurn heisst das: Wer mit dem ICN zur vollen Stunde in die Ostschweiz, nach Winterthur oder an den Flughafen Zürich fahren will, muss am Zürcher Hauptbahnhof umsteigen.

«Aus Sicht der Reisenden ist das sicherlich die negativste Änderung», sagt Ludwig Dünbier vom Solothurner Amt für Verkehr und Tiefbau. Die Verkürzung der ICN-Linie werde voraussichtlich bis 2019 bestehen. Dann sollen die Neigezüge wieder direkt in die Ostschweiz fahren.

Speisewagen statt Velos

Unter dem Strich betrachtet können die Solothurner trotzdem aufatmen: Denn auf eine nahtlose Reise in die Ostschweiz müssen sie weiterhin nicht verzichten. Die zweite stündliche Verbindung am Jurasüdfuss mit Halt in Olten, Oensingen, Solothurn und Grenchen Süd bleibt bestehen. Allerdings verkehren die Züge ab 2016 nicht mehr bis nach Konstanz, sondern bis nach St. Gallen. Die bisherigen InterregioZüge werden auf den Abschnitt Zürich–Konstanz beschränkt. Dafür wird die Linie im Westen von Biel bis nach Lausanne verlängert. Weil sich die Abfahrtszeiten um wenige Minuten verschieben, müssen die Pendler ihre Gewohnheiten ändern. Und folglich werden auch die Anschluss-Fahrpläne von Bussen angepasst.

Was viele umso mehr freuen dürfte: Auf der Jurasüdfuss-Strecke via Oensingen wird «besseres Rollmaterial eingesetzt», wie es im Bahnjargon heisst. Künftig sind hier ausschliesslich Neigezüge unterwegs. Das war schon bis ins Jahr 2008 so: Dann wurden die ICN jedoch durch ältere Züge ersetzt. Die SBB benötigten die Kompositionen auf der Gotthard-Strecke. Ludwig Dünbier betrachtet den Wechsel zweischneidig: «In jedem ICN hat es einen Speisewagen. Dafür gibt es weniger Platz für Velos.» Die spärlichen Veloplätze sind gar reservationspflichtig.

Umsteigen in die Romandie

Die Ausbauarbeiten in der Westschweiz führen zu Verschlechterungen zwischen Basel und der Westschweiz. Im neuen Fahrplan fehlen die direkten Linien, die auch den Grenchner Nord-Bahnhof mit Lausanne und Genf verbinden. Die ICN-Züge aus Basel fahren ab dem 13. Dezember 2015 nur noch bis nach Biel. Wer in die Romandie will, muss umsteigen. Die Anschlüsse nach Genf sind nahtlos, doch die schnellste Verbindung aus Grenchen nach Lausanne führt fortan über den Süd-Bahnhof. Immerhin verkehrt der Regioexpress Delle–Grenchen Nord–Biel genau um eine halbe Stunde versetzt zum ICN und bietet damit weitere Anschlüsse nach Lausanne.

Neue S-Bahn nach Bern

Auf einen dichteren Takt dürfen die Bahnkunden im Wasseramt zählen. Mit dem neuen Fahrplan wird die S-Bahn-Linie 44 aus Bern bis nach Solothurn verlängert. Heute fahren die BLS-Züge via Burgdorf nur bis ins bernische Wiler, künftig sollen sie auch Solothurn, Biberist und Gerlafingen bedienen. Der zuständige Abteilungsleiter Ludwig Dünbier erklärt: «Mit den Anpassungen gibt es zwischen Solothurn und Burgdorf einen durchgehenden 30-Minuten-Takt.» Heute verkehrt bereits ein Regioexpress auf der Strecke.

Freuen dürfen sich besonders die Gerlafinger Pendler: Die Industriegemeinde hat neu zwei Verbindungen pro Stunde nach Bern. Einmal direkt mit der S44, einmal wie bisher mit Umsteigen in Burgdorf. Dünbier verweist zudem auf die erstmalige Anbindung an den Bahnhof Bern-Wankdorf. Dieser sei das Ziel vieler Pendler aus der Region Solothurn. Die Schattenseite des neuen Halbstundentakts: In Solothurn bestehen die Anschlüsse an die Schnellzüge nur noch frühmorgens.

Kaum Spielraum für Wünsche

Die Solothurner Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) zeigt sich zufrieden mit dem Fahrplanwechsel. «Nach unserer ersten Einschätzung haben die Angebotsplaner gute Arbeit geleistet», sagt Geschäftsleiterin Anita Wüthrich. Bedauerlich sei, dass Angebote in Einzelfällen nicht aufrechterhalten werden können. Man wolle die Fahrpläne nun noch im Detail prüfen.

Bis zum 14. Juni läuft die Vernehmlassung. Bürger, Gemeinden und Organisationen können ihre Stellungnahme abgeben. «Es geht vor allem darum», sagt Dünbier, «allfällige Unstimmigkeiten zu verbessern.» Allerdings dürften die veröffentlichten Fahrpläne gesetzt sein. Für weitreichende Änderungen sind diese schlicht zu eng getaktet.

Alle Fahrplan-Anpassungen unter www.fahrplanentwurf.ch