Besprayte Betonwände, kaputte Fenster, lückenhafte Schriftzüge und reichlich Abfall. Ein Besuch im Bad Lostorf erinnert an postapokalyptische Szenen aus einem Science-Fiction-Streifen. Dass hier seit Jahren keine Badegäste mehr verweilen, ist nicht übersehbar.

Auch dass das Bad nicht mehr unterhalten wird, erkennt man schon von Weitem. Ein Streifzug durch das früher so beliebte Ausflugsziel zeigt das ganze Ausmass der Verwahrlosung rund um das einstige Thermalbad.

Kein Ort für Ausflüge

Es sind nur wenige Schritte vom Parkplatz zur Bushaltestelle «Bad». Die Glasscheibe an der Seite des Wartehäuschens ist eingeschlagen, auf der überwucherten Sitzbank lässt es sich nicht mehr hinsetzen. Moos, Dornen und Strauchwerk haben sich die Plätze genommen, die früher wartenden Badegästen gehörten, und besetzen sie hartnäckig.

Drohnenflug über Bad Lostorf

Drohnenflug über Bad Lostorf

Während sich die Natur die Haltestelle im Verlauf der Jahre immer mehr zurückerobert hat, wurde der Fahrplan immer leerer. Heute hält der Bus hier nur noch zwischen Mai und November, zweimal jeden Sonntag. Mehr Bedarf besteht auch gar nicht. Denn abgesehen von den wenigen Menschen, noch im Gebäude wohnen, verirrt sich kaum eine Menschenseele hierher.

Kindheitserinnerungen

Stille und klirrende Kälte lassen das vertrocknete Laub noch lauter als gewöhnlich unter den Füssen knirschen – wie lange es wohl schon hier liegt? Ein Souvenir vergangener Zeiten findet sich beim Blick durch die Fensterfront des ehemaligen Restaurants. «Self Service» steht in grossen, verblassten Buchstaben auf einer Tafel.

Kindheitserinnerungen kommen auf: an das Glas Rivella, das die Mutter früher nach dem Schwimmen noch erlaubte. An den für Hallenbäder so typischen Chlorgeruch, an den Glockenton, der beim Eintritt durch die Schiebetür erklang. Erinnerungen an Zeiten, in denen das Bad Lostorf noch ein Ort der Freude war.

Spuren früherer Bewohner

Ein gewagter Versuch, durch eines der Fenster noch einen Blick auf das Becken zu werfen. Dafür muss zuerst der Weg durch dorniges Gestrüpp geschafft werden. Durch das trübe Glas lässt sich nur wenig erkennen: Wo sich einst Badende im Wasser tummelten, sammelt sich heute Schmutz, Laub und Schimmel am Boden des Pools.

Durch ein weiteres Fenster ist ein Sofa zu sehen, darauf ein gelblich verfärbtes Duvet und dutzende leere Flaschen. Das verlassene Bad diente wohl anderen als vorübergehender Unterschlupf, als es noch zugänglich war. Später wurden die Fenster mit Backsteinen zugemauert, um den Zutritt zu versperren.

Einsam und alleine

Im nahen Wald liegt eine Holzlatte zum Ausstecken eines Bauprojekts umgeknickt am Boden. Sie erinnert an das Waldbad, das vor Jahren geplant wurde. An das, was hätte sein können. Zurück beim Haupteingang startet ein letzter Versuch, das ausgestorbene Bad von innen zu betrachten.

Die Glocke erklingt noch immer, sie zerreisst die gespenstische Stille. Die Schiebetür jedoch bewegt sich keinen Millimeter. Es scheint, als wolle das Bad alleine gelassen werden, alleine in der Stille und im Zustand des Verfalls.

(3.3.2018)