Um das neu erbaute Bienenhaus am Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz summt es. Die fleissigen Bienen schwärmen aus, um Blütenstaub und Nektar zu sammeln.
Im Bienenhaus sind der ehemalige kantonale Bieneninspektor Josef Brägger und sein Nachfolger Marcel Strub daran, den Honig aus den Waben zu schleudern und die Bienenkästen zu reinigen.

Josef Brägger: Wenn einer im Kanton Erfahrung mit Bienen hat, dann er. Seit 52 Jahren ist er Imker, 35 Jahre lang war er beim Wallierhof Spezialist für Obstbäume und Bienen. Ebenso lange war er als Bieneninspektor des Kantons Solothurn tätig, davor fünf Jahre im Kanton St. Gallen.

«Ich bin im Thurgau aufgewachsen – und wo es Äpfel hat, sind auch die Bienen nicht weit», scherzt Brägger. Sein Onkel habe ihm das Imkern und den Umgang mit den Tieren gelehrt. Fasziniert hatte ihn am Anfang vor allen, dass man mit Bienen umgehen konnte, ohne von ihnen gestochen zu werden. Später beeindruckte ihn ihr Sozialverhalten: «Ist es nicht faszinierend? Ein Volk besteht aus einer Königin und 30'000 Arbeitern und das funktioniert reibungslos».

Bieneninspektor Solothurn Josef Brägger.

Josef Brägger, ehemaliger Bieneninspektor des Kantons.

«Wir sind Bienentierärzte»

Seit 2008 ist Josef Brägger nun pensioniert, das Amt als Kreisinspektor des Mittelleberberges wolle er aber ausführen, solange er gesund und kein Nachfolger in Sicht sei. Aber was genau tut ein Bieneninspektor? «Eigentlich sind wir Bienentierärzte?», sagt er.

Wenn ein Imker den Verdacht hat, dass seine Bienen krank sind, müsse der zuständige Kreisinspektor das Volk untersuchen und die nötigen Massnahmen ergreifen. Also entweder «verarzten» oder – bei einer bakteriellen Erkrankung – das Bienenvolk auslöschen und die Kästen reinigen. Er stehe den Imkern aber auch als Berater zur Seite oder müsse kontrollieren, ob die fliegenden Honigproduzenten artgerecht gehalten werden.

«More than Honey»’s Folgen

Lange sei die Imkerei von der Gesellschaft nur als Hobby wahrgenommen worden. «Erst seit 2011 gelten Bienen als Nutztiere», erklärt Marcel Strub. Dies sei bedenklich, schliesslich hänge ein Drittel unserer Nahrung von Bienen ab. Als Leiter der Fachstelle Bienen des Wallierhofs ist Strub für die Kantone Solothurn, Baselland und -stadt zuständig. Der Bienenkenner aus Lupsingen erklärt: «Von 2000 bis etwa 2010 hatten die Bienen zu kämpfen.» Nach Filmen wie «More than Honey» sei die Thematik aber zum Glück auch in der Politik behandelt worden.

Nur seien inzwischen neue Probleme entstanden. Bienen haben schon seit Jahren mit den sogenannten Varroamilben zu kämpfen, welche die Völker schwächen. Zwar sei noch nie in der Geschichte eine Milbe ausgerottet worden, aber sie in Schach zu halten werde von Jahr zu Jahr schwieriger. «Die Parasiten bekämpft man mit organischen Säuren. Das Problem: Sie werden immer robuster.» Verwende man zu viel Säure, sterben auch die Bienen daran.

Durch den neuen Stellenwert der Bienen versuchen sich laut Strub viele Laien im Imkern. «Die Leute wissen oft nicht, dass man Bienen zusätzlich füttern muss, erkennen Krankheiten nicht und vergessen, sie beim Kanton anzumelden. «Oft werden die Bienen solcher Laienimker krank und niemand bemerkt es.»

Das Hauptproblem: Wenn ein Volk stirbt, holen andere Bienenvölker aus der Umgebung die Honigvorräte. Die Milben können laut Strub so bequem ihre nächsten Opfer befallen und vermehren sich unglaublich schnell. «Bienen sind meldepflichtig. Wer sie nicht anmeldet, macht uns Inspektoren und den Bienen das Leben schwer», so Brägger. Anders sei das mit den sogenannten «Bienen-Hotels». Dort handelt es sich um Wildbienen, diese seien nicht von diesen Milben befallen.

Imker wird es immer geben

Angst um die Zukunft der Bienen hat aber weder Marcel Strub noch Josef Brägger. Imker werde es immer geben, sind sich beide einig. Was aber, wenn es keine Bienen mehr gibt? «Ich glaube, wir werden immer wieder neue Methoden finden, um Parasiten und Krankheiten zu bekämpfen», glaubt Strub.

Es sei aufwendiger geworden, aber solange die Bienen weiter erforscht werden, mache er sich keine Sorgen. Die Gesellschaft müsse sich aber weiterhin ihrer Wichtigkeit bewusst sein. «Beschönigen darf man die Situation nicht. Früher war es viel einfacher, zu imkern». Josef Brägger lässt seine Bienen aber trotz der Schwierigkeiten bestimmt nicht im Stich.