Wahlanalyse

Das alte Ständerats-Duo ist auch das neue

Roberto Zanetti (links) gewinnt den zweiten Städeratswahlgang und bleibt weiterhin mit Pirmin Bischof im Ständerat.

Roberto Zanetti (links) gewinnt den zweiten Städeratswahlgang und bleibt weiterhin mit Pirmin Bischof im Ständerat.

Die Ausgangslage nach dem 20. Oktober war klar: Nach der ungefährdeten Wahl von Pirmin Bischof (CVP) standen sich im zweiten Umgang im Kampf um die beiden Solothurner Ständeratssitze der Bisherige Roberto Zanetti (SP) und Herausforderer Christian Imark (SVP) gegenüber. Dies, nachdem FDP und Grüne nach dem ersten Wahlgang ihre Kandidaten Stefan Nünlist und Felix Wettstein zurückgezogen hatten.

Zur Erinnerung: Im ersten Wahlgang gingen gut 26 Prozent Prozent der Stimmen an den bisherigen SP-Ständerat Zanetti, der bereit vor vier Jahren seinen Ständeratssitz erst im zweiten Wahlgang ins Trockene hatte bringen können. Der Gerlafinger blieb aber klar unter dem absoluten Mehr. Immerhin: Sein Vorsprung auf den direkten Verfolger Imark war schon vor vier Wochen komfortabel; er betrug gut 13000 Stimmen. Imark holte damals einen Simmenanteil von rund 17 Prozent.

Zanetti galt denn auch als klarer Favorit für die Ausmarchung am 17. November. Und er wurde dieser Rolle mehr als gerecht. Im bürgerlich dominierten Kanton Solothurn brachte Zanetti den Sitz der SP wie vor vier Jahren gegen SVP-Herausforderer Walter Wobmann mühelos unter Dach und Fach. Auf Zanetti entfielen 42'666 oder 61 Prozent der Stimmen, auf Imark 27'243 oder 39 Prozent der Stimmen. Und dies bei einer Wahlbeteiligung von rund 39 Prozent. Noch einmal 5 Prozent weniger als vor Monatsfrist.

So unspektakulär das Fazit: Alles Andere als das, was gestern kurz nach der Mittagsstunde offiziell verkündet wurde, wäre eine faustdicke Überraschung gewesen. Entsprechend gross war die Erleichterung beim wiedergewählten Zanetti. Der ehemalige Regierungsrat hat Abwahlerfahrung – eine Reprise derselben wäre zum Abschluss seiner politischen Karriere eine mittlere Katastrophe gewesen. Auch wenn ihn dieses Schicksal vor vier Jahren härter getroffen hätte: Kurz vor seinem 65. Geburtstag wäre ein solches Szenario ebenso aus der Abteilung Albtraum gewesen.

Doch dieser war weit, weit weg. Zanetti ist und bleibt ein Liebling der Solothurnerinnen und Solothurner, weil er ist, wie er ist. Auch wenn er prononciert links politisiert, mögen ihn die Menschen, weil er sie auch mag. Nicht nur in der Wolle gefärbte Linke, sondern auch viele Bürgerliche funktionieren so. Wie anders ist das Resultat, das Zanetti gestern einfuhr, ohne massiven Sukkurs aus der bürgerlichen Mitte sowie von parteiungebundenen Wählerinnen und Wählern zu erklären?

Umgekehrt ist festzuhalten: Herausforderer Christian Imark hat zwar seine Wählerbasis zuverlässig abgeholt, aber auch nicht viel mehr. Offensichtlich bräuchte es, in Majorzwahlen zumal, den grossen bürgerlichen Schulterschluss bei der Unterstützung von SVP-Kandidaten gegen die Linke, um tatsächlich eine Wahlchance zu haben. Doch diese Allianz gibt es nicht, weil sie weder CVP noch FDP wollen. Und so lange dies so ist, muss sich auch niemand allzu sehr enervieren, wenn linke Charakterköpfe wie Zanetti das Rennen gegen erfahrene, wenn auch zuweilen etwas überdrehte bürgerliche Heisssporne wie Imark machen. 15000 Stimmen Differenz sprechen eine deutliche Sprache.

Die Diskussion hat eine Dimension über den gestrigen Wahltag hinaus. In weniger als einem Jahr nominieren die Parteien ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die Regierungsratswahlen. Die Gretchenfrage nach der grossen bürgerlichen Mitte-Rechs-Allianz stellt sich dann abermals gebieterisch. So einfach wie bei den Ständeratswahlen, wo man mit gutem Gewissen sagen konnte, ob ein CVPler und ein SPler oder ein CVPler und ein SVPler -bei alle sonstigen politischen Differenzen - gemeinsam für die Solothurner Interessen einstehen, spiele nicht so eine entscheidende Rolle, wird es bei den Regierungsratswahlen im Frühling 2021 nicht abgehen.

Ob der Kandidat Imark dann abermals eine Rolle spielen wird? Oder in vier Jahren? On verra. Er hat sich mit seinem Resultat jedenfalls nicht als unwählbar erwiesen, auch wenn er deutlich in die Warteschlaufe verwiesen wurde. Und für das alte neue Duo Bischof/Zanetti gilt wie seit 2011, da die Beiden gemeinsam in der Kleinen Kammer politisieren: Schön, sich auf das Alter nicht von lieben Gewohnheiten verabschieden zu müssen. 

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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