Steuern
Das Abarbeiten der Steuerschuld dauert fast nirgends so lange wie in Solothurn

Noch bis nach den Wahlen nur für die Steuerschulden «bügeln». Das muss ein Single in Solothurn, der 90 000 Franken verdient. Der «Tax Freedom Day», eine neue Statistik, bringt es an den Tag.

Andreas Toggweiler
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Das Abarbeiten der Steuerschuld dauert fast nirgends so lange wie in Solothurn

Das Abarbeiten der Steuerschuld dauert fast nirgends so lange wie in Solothurn

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Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat erstmals einen Kalender veröffentlicht, der für alle Schweizer Gemeinden aufzeigt, wie lange die Steuerpflichtigen dort arbeiten müssen, bis sie (bei gleichmässig übers Jahr verteiltem Einkommen) so viel verdient haben, dass sie damit ihre Steuerschulden für das ganze Jahr zahlen könnten. Das Konzept, das ursprünglich aus den USA stammt (vgl. Kasten) , zeigt anhand der Anzahl Tage sehr anschaulich auf, wo die Steuerparadiese sind und wo die Steuerhöllen. In der Version der Steuerverwaltung werden alle direkten Steuern berücksichtigt, also Bundes-, Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern. Als Grundlage diente die Steuerbelastungsstatistik des Bundes für das Jahr 2011. Auf das Einkommen dieses Jahres stützen sich auch die Vorbezugsrechnungen, die in diesen Tagen an die Steuerpflichtigen versandt werden.

Erwartungsgemäss sieht es für solothurnische Steuerpflichtige im Schweizer Vergleich gar nicht vorteilhaft aus: Eine ledige Steuerpflichtige, die in der Stadt Solothurn wohnt, angestellt, ohne Kinder und einem Einkommen von 90 000 Fr. (brutto) hat ihre Steuerpflicht am 4. März «erfüllt», also nach 62 Tagen. Länger «bügeln» müsste ein Steuerpflichtiger lediglich in Delsberg (64 Tage) und Neuenburg (69 Tage). Immerhin gleich lang wie in Solothurn arbeitet ein Single in Basel. Der Berner hat seine Steuern hingegen am 26. Februar abbezahlt (56 Tage), der Aarauer noch eine ganze Woche früher (19. Januar/49 Tage). Mit Abstand am frühesten, mehr als ein Monat vor dem Solothurner, kann der Yuppie in Zug die Korken knallen lassen. Er hat seine Steuern bereits am 24. Januar bezahlt. Im Gros der anderen Kantonshauptstädte hat sich ein Steuerpflichtiger dieser Kategorie zwischen dem 5. und dem 25. Februar seiner Steuerschuld entledigt.

Im Vergleich nicht viel besser sieht es in Solothurn für Verheiratete mit 2 Kindern aus. Bei gleichem Einkommen (90 000 Fr. brutto, nur ein Partner arbeitet) sind die Steuern nach genau 30 Tagen bezahlt (vgl. Grafik). Nur drei Tage mehr arbeitet man auf dem teuersten Steuerpflaster Neuenburg. Eine Berner Familie ist nach 28 Tagen quitt - die Zuger aber bereits nach sieben.
Geht man von einem Bruttoeinkommen von 40 000 Fr. aus, überflügelt Solothurn sogar noch das teure Neuenburg. Der ledige Solothurner Angestellte arbeitet bis 7. Februar für den Steuervogt, so lange wie in keiner anderen Kantonshauptstadt. Viel besser siehts für die Familie (2 Kinder, 40 000 Fr. brutto) aus: In Solothurn ist die Steuerpflicht nach drei Tagen erfüllt - aber auch in Glarus, Neuenburg, Herisau und Zürich. In 17 Kantonshauptstädten zahlt eine solche Familie gar keine Steuern mehr.

Und bei den Reichen? «Tax Freedom Day» der Kantonshauptorte für Ledige mit einem Bruttoeinkommen von 300 000 Fr. ist in Bern und Solothurn derselbe Tag, nämlich der 17. April oder nach 106 Tagen. Fünf Kantonshauptstädte sind teurer, darunter Liestal (110 Tage). Gut verdienende Familien in Solothurn, Bern und Liestal arbeiten ein Quartal für die Steuern (88 Tage).

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