Scheinkäufe
Dank verdeckter Ermittlung: Gericht verurteilt zwei Drogendealer

Seit 2013 sind verdeckte Ermittlungen in der Schweiz klar geregelt und erlaubt. So konnte das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt nun zwei Drogendealer zu Freiheitsstrafen verurteilen.

Hans Peter Schläfli
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Ein verdeckter Ermittler kaufte Kokain im Wert von Tausenden Franken. (Symbolbild)

Ein verdeckter Ermittler kaufte Kokain im Wert von Tausenden Franken. (Symbolbild)

Keystone

Bei einem Drogenkonsumenten entdeckte die Polizei eine verdächtige Nummer. Um an die Drogendealer im Wasseramt heranzukommen, setzte die Staatsanwaltschaft einen verdeckten Ermittler ein, der einen Drogendeal einfädeln sollte. Aber die Dealer machten es «dem Bauarbeiter Rolf» nicht einfach. Der Mann am Handy hielt sich sehr knapp. Dann rief er mit einem zweiten Handy seinen Läufer an.

Der rief mit wieder einer anderen Nummer Rolf zurück und arrangierte den ersten Verkauf von fünf Gramm Heroin. Als es später zur Verhaftung der beiden Dealer kam, beschlagnahmte die Polizei ein Dutzend Handys. Aufgrund der immer wechselnden Rufnummern wäre es also kaum möglich gewesen, das «Geschäftsmodell» anklagereif zu beweisen.

Die Falle schnappte zu

Auch die Aussagen eines Drogenkonsumenten alleine waren der Staatsanwaltschaft nicht genug. «Ich schrieb jeweils meinem Dealer Rigi eine SMS und er schickte jemanden mit dem Heroin zu mir. Manchmal lieferte er mir das Heroin auch selber», sagte der Konsument. Er identifizierte zwar Bledar H.* als seinen Dealer mit dem Spitznamen Rigi.

Der Kosovare sagte aber aus, er sei nur bei einem Deal als Übersetzer dabei gewesen und da sei es nur um 2 Gramm Kokain gegangen. «Dieser Zeuge unterschreibt jede Aussage, damit er aus einer Befragung rauskommt und sich seinen Stoff besorgen kann», zog die Verteidigung die Glaubwürdigkeit in Zweifel.

«Nach dem ersten, kleinen Deal mussten wir mehr kaufen, damit das Geschäft zur Chefsache wird. Sonst hätten die Beweise nur für eine Verurteilung von Läufer Samir U.* gereicht», erklärte Staatsanwalt Raphael Stüdi vor Gericht, wie er an den Hintermann herankommen wollte.

So bestellte der verdeckte Ermittler Rolf nochmals 50 und dann 250 Gramm Heroin im Wert von 6750 Franken. Per SMS schrieb er, dass er am Treffpunkt mit einem Audi eintreffen werde. Während Samir U. per Velo mit den Drogen an den Treffpunkt fuhr, beobachtete Bledar H. den Deal aus sicherer Distanz. Er sah die Verhaftung und raste nach Hause, um die gebunkerten Drogen loszuwerden. Als er sah, das die Polizei schon dort war, flüchtete er und versteckte sich im Wald.

Trotzdem behauptete Bledar H. auch noch vor Gericht, nichts von dem Drogenhandel gewusst zu haben. Ein unbekannter Jimmy habe ihm 400 Franken angeboten, damit er das Kokain und das Heroin für kurze Zeit bei sich in der Garage aufbewahre. Dem widersprach der Staatsanwalt: «Der entscheidende Beweis für die Mittäterschaft ist die DNA von Samir U., die wir auf den Plastikbeuteln mit dem Heroin in der Garage von Bledar H. nachweisen konnten. Diese DNA stammt nicht von irgendeinem unbekannten Jimmy. Sie führt die beiden Angeklagten zusammen und beweist die Mittäterschaft.»

«Es gibt nur Indizien, keinen einzigen Beweis», sagte Bledar U’s. Verteidiger Manuel Rohrer. «Der Ehrgeiz hat die Solothurner Ermittler gepackt und sie haben gesehen, was sie sehen wollten. So wird im dichten Nebel aus einem kleinen Hasen ein blutrünstiges Monster.» Der Verteidiger verlangte für Bledar H. Freisprüche in fast allen Punkten.

Fürs Gericht ein klarer Fall

Das Gericht folgte den Argumenten der Staatsanwaltschaft. «Die Observation hat zweifelsfrei ergeben, dass sich Samir U. und Blerim H. sowie dessen minderjähriger Neffe kurz vor dem letzten Scheinkauf in Samirs Wohnung getroffen hatten», begründete Gerichtspräsident Stefan Altermatt. «Die DNA-Spuren auf den beschlagnahmten Drogenbeuteln seien der Beweis, dass die beiden Angeklagten als Mittäter gemeinsam für den Drogenhandel verantwortlich zeichneten.

Der geständige Läufer Samir U. wurde für den Drogenhandel und den rechtswidrigen Aufenthalt zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt, 16 davon auf Bewährung ausgesetzt. Da er schon 498 Tage in Haft verbracht hat, wird er entlassen und dem Migrationsamt übergeben, das ihn in den Kosovo zurückführen wird.

Bledar H., der im gleichen Dorf aufgewachsen und in der Schweiz verheiratet ist, wurde wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie der Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts – er hatte nebenbei mit seinem B-Ausweis einen Unbekannten unter seinem Namen in einer Baufirma arbeiten lassen – zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt. Davon muss er 14 Monate ins Gefängnis, 22 Monate wurden auf Bewährung ausgesetzt.

Namen von der Redaktion geändert