TOBS

Dank nachgebauten, historischen Instrumenten: Konzert mit Posaunenklängen wie vor 150 Jahren

Von links: Ian Bousfield, Gabriele Marchetti, Kaspar Zehnder (Chefdirigent), Joaquin Andreu Vicente und Beat Ryser Firmin.

Von links: Ian Bousfield, Gabriele Marchetti, Kaspar Zehnder (Chefdirigent), Joaquin Andreu Vicente und Beat Ryser Firmin.

Im kommenden, dritten Sinfoniekonzert des Orchesters Biel-Solothurn Tobs steht die Posaune im Mittelpunkt.

Bei seinem dritten Sinfoniekonzert dieser Saison wird das Sinfonieorchester Biel Solothurn unter der Leitung von Chefdirigent Kaspar Zehnder die Posaune in den Mittelpunkt stellen, und zwar im «Originalklang». Das bedeutet, dass historische Posaunen (respektive Nachbauten) zum Einsatz kommen, so wie im 19. Jahrhundert, als jene Werke geschrieben wurden, die zur Aufführung gelangen: Ouverture Ruy Blas von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847), Concertino für Posaune und Orchester op. 4 von Ferdinand David (1810–1873) sowie die Sinfonie Nr. 3 Es-Dur «Die Rheinische» von Robert Schumann (1810–1856). «Um das Publikum für den klanglichen Unterschied zu sensibilisieren», erklärt Kaspar Zehnder, «wird das Orchester zu Beginn des Konzertes ein Kammermusikstück von Anton Bruckner auf modernen und dann das gleiche Stück auf historischen Instrumenten spielen.»

Aus einem Forschungsprojekt

Das Konzert des Sinfonieorchesters Biel Solothurn (SBS) mit dem Titel «Sonnez Trombones!» ist Bestandteil des 5. International Romantic Brass Symposiums. Dahinter steht die Hochschule der Künste Bern (HKB), die sich seit Jahren der Erforschung historischer Blechblasinstrumente widmet. Das aktuelle Forschungsprojekt ist der deutsch-romantischen Posaune gewidmet. Das Resultat wird nun mit Nachbauten im Konzert präsentiert. Gebaut worden sind die Instrumente von der Firma Egger in Münchenstein. Sie ist spezialisiert auf den Nachbau von historischen Blechblasinstrumenten und gilt weltweit als führend. Die Firma ihrerseits arbeitet mit den Forschungsanstalten Empa und Paul-Scherrer-Institut zusammen, um Metalllegierungen und die Bauweise herauszufinden, die früher beim Blasinstrumentenbau üblich waren.

«Um den Klang von damals zu erreichen, ist aber das Instrument an sich nur das eine», sagt Chefdirigent Zehnder. «Es braucht dazu noch den Musiker, der dem Instrument den entsprechenden Klang entlocken kann, denn das Spielen auf einer historischen Posaune stellt besondere Anforderungen.» Mit diesen Anforderungen haben sich die Posaunisten des SBS intensiv auseinandergesetzt zusammen mit einem Solisten der internationalen Spitzenklasse: Ian Bousfield. Der 54-Jährige Engländer wurde bereits mit 24 Jahren Soloposaunist im London Symphony Orchestra, von 2000 bis 2012 dann Soloposaunist der Wiener Philharmoniker. Aktuell ist er Professor für Posaune an der Hochschule der Künste Bern (HKB). Er spielt im Concertino für Posaune und Orchester den Solopart.

Den Unterschied zwischen dem Spielen auf einer modernen und einer historischen Posaune erklärt Bousfield so: «Angenommen, Formel 1-Pilot Sebastian Vettel dürfte einen 1954er-Ferrari-Rennwagen fahren, so einen, den Juan Manuel Fangio damals fuhr. Vettel müsste sich darauf einstellen, dass die Bremsen schlecht sind und der Wagen keine Servolenkung hat. Der Wagen gibt also vor, was möglich ist. Bei der historischen Posaune ist es ebenso, der Musiker muss sich dem Instrument anpassen, um den Originalklang zu erreichen. Die moderne Posaune dagegen ist so gebaut, dass der Musiker seinen Sound herausholen kann.» Dass das Sinfonieorchester Biel Solothurn ein ganzes Konzert dem Originalklang der Posaune widme, erachte er für sich und seine Kollegen als ein Privileg.

3. Sinfoniekonzert des Sinfonieorchesters Biel Solothurn: Mi, 21. Nov. 19.30 Uhr, Kongresshaus Biel. Late Night Lounge mit Brass Band und Studierenden der HKB.

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