Sicherheit
Damit im Brandfall kein Grund zur Panik besteht: Gibelin-Tunnel wird getestet

Einmal im Jahr werden die Tunnel überprüft, damit im Notfall alles rund läuft. Im Gibelin-Tunnel findet der Test in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember statt. Nebenbei wird die Wasserrinne des Tunnels gereinigt.

Simon Binz
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Alle Systeme sind miteinander verbunden
12 Bilder
Einblick in das Sicherheitssystem im Gibelin-Tunnel
André Aebi und Thomas Hawelka in der Tunnelzentrale
Batterien, die bei Stromausfall zum Einsatz kommen
Batterien, die bei Stromausfall zum Einsatz kommen
Die Tunnelzentrale ist mit modernster Technologie ausgestattet
Die Tunnelzentrale ist mit modernster Technologie ausgestattet
Die Tunnelzentrale ist mit modernster Technologie ausgestattet
Notfallkasten beim Tunneleingang
Pumpwerk für das Tunnelabwasser
Rundgang durch den Gibelintunnel
Rundgang durch den Gibelintunnel

Alle Systeme sind miteinander verbunden

Hanspeter Bärtschi

Keine Panik! Der Knopf auf dem Bild musste nicht gedrückt werden; der Gibelintunnel der Solothurner Westtangente wurde nicht gesperrt und die Herren in Blau-Gelb mussten keinen Notfalleinsatz leisten.

Trotzdem – hätte ein Auto Feuer gefangen oder ein Lastwagen eine heikle Ladung bei einem Unfall verschüttet, Thomas Havelka, André Aebi und «der Tunnel» wären parat gewesen. Dafür sorgt ein jährlicher Funktionstest, durchgeführt von Mitarbeitern der Nationalstrassen Nordwestschweiz AG (NSNW).

Der Tunnel reagiert beim Brand

Was passiert, wenn ein Auto in einem Tunnel Feuer fängt? Nehmen wir das Beispiel Gibelin. Bricht dort ein Feuer aus, steigt die Temperatur im Brandmeldekabel in einer Zone stark an, während alle anderen Zonen die normale Umgebungstemperatur messen. «Dann wird der Brandalarm ausgelöst», sagt Thomas Havelka von der NSNW. Wenn dies geschehen ist, schalten die Signale automatisch auf Rot.

Die Polizei wird informiert. Die Beleuchtung geht auf Volllicht. «Sodass die Autofahrer möglichst schnell den Ausgang finden», sagt Havelka. Zusätzlich schaltet die Brandnotbeleuchtung ein. Die Randbeleuchtung wird auf 100 Prozent hochgefahren (Normalbetrieb 50 Prozent). «Die Kameras in der Brandzone werden automatisch eingeschaltet», so Havelka. Zudem sperren die Lichtsignalanlagen an der Kreuzung vor dem Tunnel die Spuren zum Gibelin, bis der Brandalarm zurückgesetzt ist.

Was geschieht beim Funktionstest?

So die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Damit bei einem Notfall wirklich alles einwandfrei funktioniert, wird der Gibelintunnel vom 9. auf den 10. Dezember auf seine Funktionstüchtigkeit hin geprüft und zu diesem Zweck in der Nacht gesperrt sein. Im Auftrag des Kantons Solothurn wird das fünfköpfige Team von Thomas Havelka den Job übernehmen.

«Der Erste führt Protokoll, der Zweite löst den Alarm aus. Der Dritte sitzt bei der Polizei und kontrolliert, ob die Meldungen auf dem Bildschirm korrekt erscheinen und die Überwachungskameras richtig auf der Medienwand der Polizei erscheinen. Der Vierte fährt mit einem Lastwagen, an dem eine Hebebühne montiert ist, durch den Tunnel, und der Fünfte steht auf der Hebebühne, putzt von dort aus die Beleuchtungen und die Helligkeitssensoren und erhitzt das Brandmeldekabel und simuliert so einen Brand», fasst Havelka zusammen.

Zudem werden Arbeiter des Kantons, unter der Führung von André Aebi vom Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT), die Wasserrinnen (Fassungsvermögen 1500 Liter/Meter) des Tunnels reinigen. Dort haben sich über das letzte Jahr Tausende von Zigaretten-Stummeln und anderer Dreck angesammelt. Der Tunnel werde aber nicht komplett gereinigt, hält Aebi fest. Das werde nur alle zwei Jahre gemacht.

Das Herz des Tunnels

Damit die erwähnten Funktionen des Tunnels automatisch ausgeführt werden, braucht es eine Zentrale. Diese ist zwischen den dicken Betonmauern des Tunnels versteckt. Das Herz des Gibelin sieht dabei keineswegs aus, wie man sich es vielleicht vorstellt. In keinem Raum steht ein klassisches Bedienerpult mit Knöpfen. Das Hirn besteht aus 28 blauen Schränken. Hier werden am Montagabend zwei von Havelkas Mannen verweilen; einer fürs Protokoll und der andere, um den Alarm auszulösen.

Im Raum nebenan findet sich das «Notstromaggregat»: 50 Batterien mit je zwölf Volt (vergleichbar mit einer grösseren Autobatterie). «Selbst wenn das komplette Stromnetz zusammenbrechen sollte, haben wir mit diesen Batterien mindestens noch für eine Stunde Energie», erklärt André Aebi. Einen Stock tiefer finden sich die drei grossen Entwässerungspumpen und das Becken, das rund 2 Mio. Liter Fassungsvermögen aufweist.

Die Pumpen säubern das Wasser, das vom Tunnel, durch die Rinnen in den Untergrund läuft. Das Becken, falls es denn nur mit Regenwasser gefüllt ist, entleert sich bei einem Wasserstand von etwa 70 Prozent automatisch von selbst in die Aare. Die ganze Zentrale ist übrigens zwangsbelüftet. Der Gibelintunnel selbst hat keine Belüftung, da dies erst ab 400 Meter nötig wäre. «Der Gibelin ist eigentlich eine Unterführung», erklärt Aebi.