Kinderbetreuung
Damit die Kinder nicht alleine dastehen, wenn Unvorhersehbares eintritt

Das Kind ist krank, die Arbeit ruft – doch niemand kann die Betreuung übernehmen. Was nun? Die «Kinderbetreuung zu Hause» vom Schweizerischen Roten Kreuz bietet Lösung.

Fabiana Seitz
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Die Rotkreuz-Kinderbetreuung springt ein, wenn Kinder krank sind oder Eltern eine schwierige Zeit durchmachen.

Die Rotkreuz-Kinderbetreuung springt ein, wenn Kinder krank sind oder Eltern eine schwierige Zeit durchmachen.

REMO NAEGELI

Welchen berufstätigen Eltern kommt das nicht bekannt vor: Die wichtige Sitzung, auf die man seit Wochen hinarbeitet, steht endlich bevor – und ausgerechnet heute bekommt das Kind Fieber. Die Kinderkrippe kann das Kind nicht aufnehmen, der Partner ist ebenfalls ausgelastet und das Grosi ist in den Ferien.

Lösung bietet die «Kinderbetreuung zu Hause» vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK), genannt Roki. Ein Anruf bei der Roki-Hotline genügt und innert Stunden wird eine Betreuerin organisiert, die sich der Betreuung der Kinder bei der Familie zu Hause annimmt. Kurzfristig, unkompliziert und zu einem bezahlbaren Preis: Die Tarife sind sozial abgestuft und richten sich nach dem monatlichen Nettoeinkommen des Haushalts und der Grösse der Familie.

So zahlt man zwischen 10 und 41 Franken pro Stunde, hinzukommen Wochenend- und Nachtzuschlag sowie eine pauschale Wegvergütung von 10 Franken. Ausserdem übernehmen einige Krankenkassen-Zusatzversicherungen die anfallenden Kosten. Da mit diesen Tarifen jedoch die Kosten nicht gedeckt werden können, ist das Schweizerische Rote Kreuz auf Spenden angewiesen.

Bemerkbarer Röstigraben

Gegründet wurde die «Kinderbetreuung zu Hause» vor bald dreissig Jahren in der Romandie, als Selbsthilfeprojekt einiger Mütter. Seit mehr als zehn Jahren besteht das Angebot nun auch im Kanton Solothurn. Doch zwischen Deutsch- und Westschweiz besteht ein Mentalitätsunterschied. «Während die Romands wenig Probleme haben, ihr krankes Kind einer fremden Person zu überlassen, tun sich die Deutschschweizer damit schon schwerer», sagt Christa Moeri Gächter, Bereichsleiterin von Roki Kanton Solothurn.

Wenn jedoch diese Hemmschwelle einmal überwunden sei, würden die Eltern die Unterstützung immer wieder gerne in Anspruch nehmen. So wurden laut Moeri Gächter im letzten Jahr im Kanton Solothurn bei rund 80 Familien gut 1250 Einsätze mit total 5700 Stunden geleistet.

Die Hilfe der Betreuerinnen von Roki kann nicht nur im Krankheitsfall der Kinder angefordert werden, sondern auch bei anderen unvorhersehbaren Situationen: Die Eltern sind selbst krank, verunfallt, erschöpft oder die gewohnte Betreuung ist vorübergehend nicht verfügbar. Das Roki-Angebot kann aber auch, wenn genügend freie Kapazität besteht, in anderen Fällen in Anspruch genommen werden. Allerdings sei Roki für den Notfall gedacht und keine Dauerlösung, so Moeri Gächter.

Trotzdem falle es nach wie vor vielen Eltern schwer, sich einzugestehen, dass sie Hilfe benötigen. Doppelbelastung von Familie und Beruf, finanzielle Schwierigkeiten, Schicksalsschläge oder andere ungeahnte Umstände können das Fass leicht zum überlaufen bringen. «Man ist nicht gleich eine schlechte Mutter, wenn man externe Hilfe in Anspruch nimmt. Jedem kann es mal zu viel werden.»

Moeri Gächter berichtet von einem Fall, als eine junge Mutter nach der Geburt ihres dritten Kindes gesundheitliche Komplikationen erlitt und sich nicht um ihre Kinder kümmern konnte. Als «Powerfrau» sei es für jene Frau zu Beginn nicht leicht gewesen, die Dienste von Roki anzufordern. Als sie sich aber dann dank der Unterstützung schneller erholte als gedacht, sei sie im Nachhinein extrem dankbar gewesen.

«Wenn chunsch wieder?»

Die rund zwanzig Betreuerinnen von Roki werden vom SRK fünf Tage lang ausgebildet und besuchen während des Jahres immer wieder verschiedene Weiterbildungskurse. Doch was bewegt eine Frau, sich bei Roki als Betreuerin zu melden?

«Die meisten sind um die fünfzig Jahre alt, die eigenen Kinder sind aus dem Haus und doch will man irgendwie flexibel bleiben. Nebst Lebenserfahrung haben diese Frauen aber vor allem eines: ein grosses Herz», sagt Moeri Gächter. Die Dienste von Roki umfassen Betreuung und Verpflegung der Kinder, dazu gehören unter anderem das Zubereiten der Mahlzeiten, altersgerechte Freizeitbeschäftigung und Unterstützung bei Hausaufgaben.

«Aber wir sind keine Haushaltshilfe, die den Haushalt schmeisst», betont Moeri Gächter. Klar putze man nach dem Kochen die Küche oder es könne auch mal vorkommen, dass man die Wäsche zusammenlege, wenn das Kind schlafe. Aber im Zentrum stehe einzig und allein das Kind. Und auch die Kleinen wissen zu schätzen, dass eine Person sich ausschliesslich Zeit für sie nimmt und nicht noch anderen Verpflichtungen nachgehen muss.

So ist es für die Betreuerinnen immer wieder ein schönes Gefühl, wenn die Kinder nach dem Roki-Einsatz fragen: «Und wenn chunsch wieder?»

Roki-Hotline Unter Telefon 079 702 99 82 (Mo–Fr 8–12 Uhr, So–Do 18–19 Uhr).

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