Der Befall der Kirschessigfliegen «Drosophila Suzukii» an den Kirschbäumen in Kanton Solothurn sei in diesem Sommer sehr unterschiedlich ausgefallen. Das sagt Philipp Gut, Leiter Fachstelle Spezialkulturen am Ausbildungszentrum Wallierhof in Riedholz. Die aus Asien stammende 2 bis 3,5 mm grosse Fliege, die 2011 in die Schweiz eingeschleppt wurde, befällt gesundes Obst und Beeren unmittelbar vor ihrer Ernte. Das Perfide: Zu diesem Zeitpunkt kann kein Insektizid mehr eingesetzt werden, und so ist der Fliegenbefall für die Produzenten problematisch. Es bleibt die Vernichtung der befallenen Ernte. «Befallene Früchte werden «pflüderig» und bekommen später einen unangenehmen Essiggeschmack, sind aber nicht giftig», betont Gut.

«Extrem befallen werden die Hochstammkulturen mit alten Sorten, mit den schwarzen, eher kleineren Kirschen. Wenn die Bäume in der Nähe von Wäldern und in hohem Gras stehen, sind sie noch beliebter bei der Fliege», weiss Gut. Die begatteten Weibchen des Insektes suchen sich die weichen, reifen Früchte aus, um dort ihre Eier abzulegen.

«Doch diejenigen Kirschen, die heute in den Läden zum Verzehr angeboten werden, sind sicher frei vom Fliegenbefall. Sie stammen nämlich in der Regel von Niederstammplantagen und werden beim Reifwerden sofort gepflückt. So hat die Fliege keine Chance, sich einzunisten,» erklärt der Fachmann weiter. Reifgewordene Früchte so rasch als möglich zu pflücken, empfiehlt Gut auch dem Hausgärtner, denn: «Eine Ernte nach befallenen Früchten zu durchsuchen ist eine immense Arbeit». Wirkungsvoll sei es auch, seine Bäume noch kurz vor dem Reifwerden der Früchte mit Netzen abzudecken.

Gravierend für Brennkirschen

Bei den Kirschen, die für die Brennerei bestimmt sind, und die aus diesem Grund auch länger an den Bäumen hängen, damit sie das volle Aroma bekommen, ist der Befall aber gravierend. «Da sind sicher um die 50 Prozent und mehr der Ernte betroffen,» so Gut. In diesem Jahr fällt dem Laien zudem auf, dass viele Kirschbäume schon seit einiger Zeit braunes unansehnliches Laub tragen. «Das hat nichts mit der Essigfliege zu tun, sondern ist ein Pilzbefall, der durch das nasse Wetter im Mai und Juni entstanden ist», erklärt der Experte.

Müssen die Obstbauern jetzt mit diesem Schädling, der aus dem asiatischen Raum stammt, leben lernen? Philipp Gut sagt: «Wir wissen noch zu wenig über die Fliege. Im Jahr 2014 und in diesem Jahr waren die Obst- und Beerenproduzenten stärker betroffen als im heissen Jahr 2015.» Das habe sicher mit der lange anhaltenden Feuchtigkeit zu tun. Wichtig sei, dass auch die Besitzer der Hausgärten wissen, dass dieser Schädling sich gerne in die reifen Früchte – es können Zwetschgen, Aroniabeeren, Brombeeren, Himbeeren, Weintrauben sein – einnistet. «Alle Früchte, die jetzt erst reif werden, sind gefährdet», so Gut, denn momentan sei die Hauptvermehrungszeit der Fliege. «Aus Asien aber wissen wir, dass diese Fliege – wie bei uns die Mäuse – zyklusartig vermehrt auftritt, danach geht ihre Verbreitung wieder zurück.