Er brachte einen König zum Weinen, Regierungsräte zum Reden, hielt Chefbeamte auf Trab und die Journalisten auch mal hin: Dagobert Cahannes, seit 1997 Medienbeauftragter der Solothurner Regierung. Heute Montag hat er seinen «Letzten». Sein «Abschiedsbrief» ist übertitelt mit: «Ich habe fertig!».

«Fertig» haben wird er in Wahrheit auch im «Ruhestand» nicht: Zu vielseitig interessiert ist der Neu-Rentner, der am 11. November seinen 65. Geburtstag feiern konnte. Sein Tatendurst wird nur schon augenfällig, wenn man bei «Wikipedia» den Namen Dagobert Cahannes eingibt. Dort stehen aber nicht etwa dessen hauptberufliche Meriten im Vordergrund, sondern primär jene als Sportreporter und Talkmaster bei Radio und Fernsehen sowie als Speaker an nationalen und internationalen Sportveranstaltungen.

Und genau bei einem derartigen Sportanlass war es auch passiert, dass der Grenchner einen König zum Weinen brachte: Beim letzten «Eidgenössischen» der Schwinger in Burgdorf hatte Cahannes den Schwingerkönig Matthias Sempach mit der Frage nach den königlichen Gefühlen buchstäblich zu Tränen gerührt.

Ein begeisterter Kommunikator

Es ist nicht öffentlich überliefert, dass ihm ähnliches auch im Hauptberuf als Medienbeauftragter der Solothurner Regierung je bei einem politischen Regenten passiert wäre. Tatsache ist, dass der erfahrene Kommunikationsfachmann 1997 – er arbeitete zuvor unter anderen für Swiss Timing, Puma, Sandoz, Novartis – diese damals neu geschaffene Stelle antrat. Vorher war die Medienarbeit von Regierung und kantonaler Verwaltung – so nebenbei – noch Sache des jeweiligen Staatsschreibers gewesen. In der Aufgabe, die neue Stabstelle quasi von null aus aufzubauen und zeitgemässe Strukturen in die kantonale Informationstätigkeit zu bringen, blühte der begeisterte Kommunikator förmlich auf.

Cahannes brachte in der Folge nicht nur Regierungsrätinnen und Regierungsräten das Reden (vor Kameras und Mikrofonen) bei – oder tat zumindest sein Bestes dafür –, sondern schulte in Kursen über Jahre hinweg auch die kantonalen Chefbeamten in Sachen Medienarbeit. Eine seiner zentralen Botschaften war dabei, für einen professionellen Umgang mit den Herausforderungen aus den nicht immer konfliktfreien Interessenlagen und Befindlichkeiten von Regierung/Verwaltung einerseits und Medien/Öffentlichkeit andererseits zu werben. Dies soll dem Vernehmen nach – Cahannes selber würde dies nie bestätigen – dann und wann sogar gegenüber von Regierungsmitgliedern nötig gewesen sein.

Er sah viele kommen und gehen

Sich selber und seinen Job betrachtete der Medienprofi stets als Brückenbauer zwischen Verwaltung und Öffentlichkeit. Sein Umgang mit den Medienschaffenden war dabei stets unvoreingenommen, korrekt und fair. Und wie kaum ein anderer beherrschte er eine hohe Kunst: Nämlich die, Journalisten, die in einer Sache etwas erfahren wollten, am Ende das Gefühl zu geben, dass er ihnen mehr verraten habe, als er eigentlich hätte sagen dürfen.

Das muss ihm erst mal einer nachmachen: Insgesamt 800 Regierungssitzungen hat Dagobert Cahannes in den vergangenen knapp 19 Amtsjahren absolviert. Er hatte Einblick in die kleinsten und grössten Geschäfte der Regierung. Er hat die (finanziellen) Auf und Ab des Kantons erlebt; hat Regierungsräte, Amtschefs und Journalisten kommen und gehen sehen. Und er kennt den «Kanton der Regionen» samt dessen Licht- und Schattenseiten mittlerweile wohl wie nur wenige Zeitgenossen.

Seinen Abschied gibt Dagobert Cahannes heute Montag stilvoll im Steinernen Saal des Rathauses. Da, wo sonst kantonale Wahlresultate verkündet und Neugewählte gefeiert werden oder wo Staatsempfänge über die Bühne gehen. Wenigstens einmal, am letzten Arbeitstag, darf er ja zeigen, dass er nicht umsonst als «heimlicher siebter Regierungsrat» gegolten hat.