So mancher Fischer in den kantonsweit sieben Fischervereinen frönt nicht einfach nur seinem Hobby, sondern leistet viele Stunden Freiwilligenarbeit im Dienst der ganzen Zunft. Besonders zeitaufwendig seien die «Hegemassnahmen», betont Marco Vescovi, Präsident des Fischereiverbands Kanton Solothurn.

Dabei handelt es sich in erster Linie um alle möglichen Vorkehrungen, damit sich in den Solothurner Flüssen und Bächen genügend Fische tummeln. Vor allem Bachforellen, aber auch Äschen oder Hechte. Am Anfang steht die Fischzucht, die «Brütlinge» müssen dann aber auch in dafür geeigneten Gewässern «ausgesetzt» und aufgezogen werden.

Und schliesslich, sobald sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, werden sie «abgefischt» und dorthin «zurückgesetzt», wo ihre erwachsenen Artgenossen ihre Kreise ziehen.

Auch Fischer ohne Verein sollen zahlen müssen

Auch Fischer ohne Verein sollen zahlen müssen

Sie sind sich nicht einig: Das sagen der Präsident des Solothurner Fischerei-Verbands und der Leiter des Amts für Wald, Jagd und Fischerei.

Von solchen Dienstleistungen profitieren alle Fischer, auch alle jene, die keinem Fischereiverein angehören – und damit auch keine Mitgliederbeiträge zahlen. Das findet der Fischereiverband ungerecht. Mit einem Volksauftrag verlangt er deshalb, dass der Kanton bei diesen Fischern zusätzlich zur jährlichen Patentgebühr einen «Hegebeitrag» einzieht.

Bei der Regierung findet das Anliegen kein Gehör, wie ihre am Montag publizierte Stellungnahme deutlich macht. «Wir haben mit dieser Reaktion gerechnet», sagt Marco Vescovi. Vor eineinhalb Jahren sei der Verband bei der Regierung schon einmal abgeblitzt.

Deshalb versuche man es jetzt mit einem Volksauftrag, der abschliessend vom Kantonsrat behandelt wird. Und der Verbandspräsident ist durchaus zuversichtlich, dass es auf diesem Weg klappen könnte. «Von vielen Kantonsräten haben wir positive Signale.»

Vereinszwang durch die Hintertür?

Seit vor rund acht Jahren das Patentsystem eingeführt worden ist, müssen Fischer nicht mehr zwingend einem Verein angehören. Rund 500 der insgesamt 1400 Patentinhaber im Kanton sind denn auch nicht Mitglied in einem Verein. Will der Fischereiverband mit seinem Volksauftrag also nichts anderes, als den Vereinszwang durch die Hintertür wieder einzuführen?

«Ich verstehe sehr wohl, dass sich nicht alle Fischer in einem Verein wohlfühlen», hält Marco Vescovi entgegen. Diese sollen sich aber mit einem Solidaritätsbeitrag an den Leistungen der Vereine, von denen auch sie profitieren, beteiligen. Neben der Patentgebühr von 140 Franken könnte sich der Verband einen Beitrag in der Höhe von 20 bis 30 Franken vorstellen.

Die Jahresgebühr für eine Vereinsmitgliedschaft liegt bei 30 bis 40 Franken. Der Fischereiverein Olten verlangt 80 Franken. Der Solothurner Fischereiverband weiss sich in Übereinstimmung mit den Verbänden in anderen Kantonen. «In Bern laufen momentan genau die gleichen Bemühungen.»

Obwohl es nicht um einen Vereinszwang gehen soll, macht Vescovi kein Geheimnis daraus, dass er sich mehr, und vor allem mehr aktive Mitglieder in den Vereinen wünscht.

Kanton zeigt sich knausrig

Neben den Hegemassnahmen haben die Vereine eine Reihe weiterer Aufgaben: Sie sind verantwortlich für die Ausbildung der Jungfischer und für den Sachkundeausweis. Sie übernehmen zudem die freiwillige Fischereiaufsicht und die Digitalisierung der Fangstatistik. Für diese Leistungen werden sie im Rahmen eines Leistungsauftrags vom Kanton entschädigt.

Diese Beiträge entsprechen «einer zeitgemässen Entschädigung für die geleisteten Arbeiten», schreibt die Regierung in ihrer Antwort zum Volksauftrag. Deshalb brauchten die Vereine auch nicht mehr Geld. Marco Vescovi sieht das anders: «Würde man die Leistungen der Vereine durch andere erbringen lassen, hätte der Kanton viel höhere Kosten zu tragen.»

Hinzu komme, dass der Kanton die Abgeltungen im jährlich kündbaren Leistungsvertrag gekürzt habe. Während den Vereinen in den vergangenen Jahren 100 000 Franken zugesprochen worden sind, sind es neu nur noch 70 000 Franken. Die Gelder fliessen in die Vereinskassen und dienen in erster Linie der Finanzierung von Infrastruktur und Ausrüstung. Die Vereinsmitglieder indes arbeiten ehrenamtlich, wie Marco Vescovi unterstreicht.

Nicht gelten lässt der Verbandspräsident die Kritik an der Arbeit der Vereine. So hält der Regierungsrat fest, dass die Bemühungen um ausreichend viele Forellen und Äschen vor allem in Aare und Emme kaum zum gewünschten Erfolg führen. Dies deshalb, weil die Flüsse wärmer werden und so den beiden Fischarten keine idealen Lebensbedingungen bieten.

Die Vereine seien sich dieser Probleme durchaus bewusst, so Vescovi. Sie betreffen aber vor allem den oberen Verlauf der Aare im Raum Solothurn. In Schönenwerd indes sehe es wieder anders aus. Zudem sei man derzeit daran Studien zu erarbeiten, wie sich der Fischbestand in den verschiedenen Gewässern entwickelt. Und zwar nicht nur in den grossen Flüssen, sondern auch in den Seitenbächen.