Steht auf der Verliererseite, wer mit über 50 arbeitslos wird? Das befürchtete Doris Häfliger. Und wirklich beruhigt schien die Zuchwiler Grüne auch nicht, nachdem der Kantonsrat gestern ihre Interpellation zum Thema diskutiert hatte. Die Antworten der Regierung – insgesamt seien die Chancen für Über-50-Jährige trotz einiger Schwierigkeiten intakt – fand Häfliger etwas gar «harmlos». – «Wir sprechen vom Fachkräftemangel. Aber da sind Fachkräfte und man will sie nicht.»

Häfligers Bedenken: Insbesondere die Sozialabgaben auf den Löhnen machen das Anstellen älterer Arbeitnehmer wenig attraktiv. Bis zum Alter von 34 würden die Sozialabgaben 7 Prozent betragen, ab 55 18 Prozent. «Gleiche Chancen, das ist einfach nicht wahr», so Häfliger. «Viele ab 45 getrauen sich nicht, die Stelle zu wechseln. Die brutale Konsequenz für über 50-jährige Arbeitslose: Sie brauchen ihre Vermögen auf, inklusive der Altersvorsorge und landen am Ende bei der Sozialhilfe.

BDP-Kantonalpräsident Markus Dietschi, der selbst auch als Stellenvermittler tätig ist, bestätigte Häfligers Vermutung, dass es ältere Arbeitnehmer schwierig hätten. «In der Antwort der Regierung wurde das Problem ‹ein Bitz weit› negiert», sagte auch Georg Nussbaumer (CVP, Hauenstein-Ifenthal). Und SP-Fraktionssprecherin Luzia Stocker (Olten) fand: So wie die Regierung das Problem darstelle, könnte man meinen, es handle sich nur um Einzelfälle, aber kein generelles Problem. Dabei gehe die Verschiebung gerade auch älterer Arbeitsloser in die Sozialhilfe weiter.

Nur die Stärksten überleben

Ganz anders argumentierte FDP-Sprecher Heiner Studer (Nunningen). «Hohe Löhne und Sozialabgaben sind nicht das Hauptkriterium bei Anstellungen.» Ebenso wichtig seien Qualität, Erfahrung und Zuverlässigkeit. Die FDP sah deshalb keinen Handlungsbedarf. Ihre Argumentation deckte sich somit mit der regierungsrätlichen Antwort, die aus dem Departement von FDP-Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler stammt. Die Antwort stützte sich auf Aussagen der Solothurner Wirtschaftsverbände, dass bei Anstellungsentscheiden die höheren Sozialabgaben keine Bedeutung hätten.

Gleichzeitig legte die Regierung aber auch Zahlen vor: Zwischen 2004 und 2014 sank die Arbeitslosenquote unter den Über-50-Jährigen von 3,1 auf 2,3 Prozent. Und der Anteil der Über-50-Jährigen an den Arbeitslosen änderte sich in den vergangenen Jahren nicht massiv, obwohl es aufgrund der Demografie inzwischen mehr über 50-jährige Arbeitnehmer gibt.

Hugo Schumacher (SVP, Luterbach) orientierte sich an Darwins «Survival of the Fittest»: «Von der Partnerwahl bis zur Stellensuche: Überall gibt es Konkurrenzsituationen. Das Leben ist nun mal grundsätzlich ungerecht.» Zwar gestand Schumacher ein, dass die «BVG-Sätze nicht hilfreich sind», demgegenüber stünden bei jungen Arbeitnehmern aber die Diensttage. Schumacher versuchte, seinen Ratskollegen deshalb ein wirksames Rezept aus der SVP-Küche schmackhaft zu machen, nämlich schlicht die Zuwanderung zu begrenzen. Massnahmen zum Schutz der Generation Ü50 lehnte er ab.

«In jedem Fall ein Schock»

Einen «Herdenschutz für Über-50-Jährige» habe sie nicht gefordert, konterte Doris Häfliger. Sie fordere nur, dass mit gleichen Ellen gekämpft werde. Franziska Roth (SP, Solothurn) forderte die Wirtschaft auf, Verantwortung zu übernehmen, indem sie Bewerbungen anonymisiere, sodass keine Rückschlüsse auf Alter oder Nationalität möglich seien.

«In jedem Fall ist Arbeitslosigkeit ein Schock, eine Existenzbedrohung, die Ängste auslöst», zeigte sich Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler verständnisvoll. Sie sah ihr Departement dabei gut aufgestellt. Die Arbeitslosenkasse nehme eine wichtige Aufgabe wahr und stelle die Existenz sicher. Zudem verwies Gassler auf funktionierende arbeitsmarktliche Massnahmen und auf Einarbeitungszuschläge für Über-50-Jährige.