Offener Brief
«Da lohnt sich ein Betrieb nicht mehr»: Das sagt einer der Wirte zur drohenden Massnahme

Solothurner Wirte wenden sich wegen Covid-19-Massnahmen mit einem offenem Brief an Bundes- und Regierungsrat. Einer der Mitinitianten ist Thomas Rhiner vom «Aarhof» in Olten. «Mir fehlt im Wesentlichen das Verständnis für die drohenden Regelungen», sagt er.

Urs Huber
Drucken
Teilen
Thomas Rhiner von Oltner «Aarhof», ein Mitinitiant des offenen Briefes.

Thomas Rhiner von Oltner «Aarhof», ein Mitinitiant des offenen Briefes.

Bruno Kissling

Starker Tobak: «Wir werden den Verdacht nicht los, dass die nun publizierten Vorgaben so angelegt sind, dass man uns nach wie vor eine gewisse Geschäftstätigkeit erlaubt, um nicht wie bei einer kompletten Schliessung entsprechende Entschädigungsleistungen zu erbringen.»

So wenden sich rund 50 Gastrounternehmer aus dem Kanton Solothurn und zum Teil aus dem Aargau mit einem offenen Brief an Bundesrat und Solothurner Regierung. Denn mit den bevorstehenden Covid-19-Massnahmen, welche Sperrstunden um 19 Uhr (Bund) beziehungsweise 21 Uhr (Kanton Solothurn) vorsehen, sei ein Punkt erreicht, «an dem es an unsere Existenz geht».

Jene Wirte, die ihren Betrieb bereits hätten schliessen müssen, seien nicht nur Opfer der Pandemie, sondern «letztlich Leidtragende einer verfehlten Politik». Der Mitinitiant des offenen Briefes, Thomas Rhiner vom Oltner «Aarhof», meint: «Ich habe bislang die Massnahmen im Kampf gegen Covid-19 mitgetragen. Wie dies übrigens der ganze Berufsstand praktizierte. Nun aber fehlt mir im Wesentlichen doch das Verständnis für die drohenden Regelungen.»

Ansteckungsrisiko als gering beurteilt

Die Unterzeichnenden neigen hin zur Annahme, dass in Restaurants bei konsequent eingehaltenen Sicherheitsmassnahmen ein nur geringes Ansteckungsrisiken besteht – auch wenn ausländische Studien Restaurantbesuche als Risiko einstufen würden. «Ich hatte in den vergangenen Monaten nicht einen Fall, bei dem unsere Gästeliste für das Contact-Tracing hätte beigezogen werden müssen», weiss Rhiner.

Bestürzt hat die Gastrobranche deshalb auf die verschärften Massnahmen reagiert. Bezeichnet sie als «inakzeptabel» und die eigene Branche als ohnehin schon «gebeutelt». Es könne auch nicht sein, dass «das politische ‹Gstürm› auf dem Rücken des Gastgewerbes ausgetragen wird», wie der offene Brief weiter ausführt. Dabei gibt sich die Branche durchaus flexibel. «Wir hätten die Sperrstunde um 21 Uhr umgesetzt», sagt Rhiner, «die Gäste um diese Zeit höflich gebeten, das Haus zu verlassen.»

Dies hätte betriebliche Umstellungen bedingt, wäre aber möglich gewesen. «Doch so wie der Bund jetzt in Aussicht stellt, die Sperrstunde auf 19 Uhr zu fixieren: Nein, da lohnt sich ein Betrieb nicht mehr.» Zudem müsse die Frage erlaubt sein, inwieweit die frühe Schliessung effektiv weniger problematisch sei. Diese würde Gruppen allenfalls veranlassen, im eher weniger geschützten Rahmen privat beisammenzusitzen.

Berechnung der Härtefallregelung in Frage gestellt

Schliesslich monieren die Gastrounternehmer auch den Umstand, dass all jene Wirte, die im Sommer den Einschränkungen innovativ, etwa mit einem erweiterten Freiluft-Angebot oder Take-away, begegnet seien, jetzt betrogen würden. «Sie versuchten den Ausfall vom Frühling wettzumachen und fallen jetzt durch den Raster der Härtefallregel, weil die Umsatzeinbusse nicht mindestens 40 Prozent beträgt», klärt Rhiner auf.

Der offene Brief soll gemäss Initianten Bundes- und Regierungsrat dazu bringen, die neuen Verordnungen zu überdenken und in eine praktikable und akzeptable umzuwandeln. «Denn letztlich wäre für uns ein Lockdown mit der finanziellen Unterstützung einfacher zu handhaben als ein Betrieb unter den nun drohenden künftigen Bedingungen», sagt Rhiner.

Aktuelle Nachrichten