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Cybermobbing – Wie man sich am besten dagegen schützen kann

Immer mehr Jugendliche sind von Cybermobbing betroffen. Für die Betroffenen ist dies meistens schlimmer als «normales Mobbing». Wie kann man sich eigentlich am Besten dagegen schützen?

Lars Zurbriggen
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Cybermobbing kann weitreichendere Folgen haben als herkömmliches Mobbing. Denn die Verletzung der Intimsphäre findet vor einem grösseren Publikum statt.

Cybermobbing kann weitreichendere Folgen haben als herkömmliches Mobbing. Denn die Verletzung der Intimsphäre findet vor einem grösseren Publikum statt.

Istockphoto

Die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen hat heute Zugang zum Internet. Viele von ihnen tragen das Internet in Form ihres Smartphones mit sich herum. Keine frühere Generation hat sich so vertraut mit der digitalen Welt befasst, trotzdem müssen Eltern und Lehrpersonen Jugendliche auf die Gefahren des Internets hinweisen. Cybermobbing ist eine solche Gefahr.

Definition

Wenn mehrere Täter eine Person via Internet oder Handy über einen längeren Zeitraum hinweg beleidigen, bedrohen oder blossstellen, dann spricht man von Cybermobbing.

Im Einzelnen geht es dabei um:

  • Verbreitung von falschen Informationen
  • Verbreitung und hochladen von peinlichen, verfälschten, freizügigen oder pornografischen Fotos und Videos
  • Erstellen von Fake-Profilen
  • Beschimpfen, Belästigen, Bedrohen und Erpressen via E-Mail, SMS etc.
  • Erstellung von Gruppen, in denen negative Äusserungen über Einzelpersonen gemacht werden können.

Das Verhältnis von Opfer und Täter

Cybermobbing betrifft vor allem Kinder und Jugendliche und hat seinen Ursprung oft in der Schule, respektiv in der Offline-Welt. Obwohl die Täter manchmal die Anonymität des Internets nutzen, um ihre Identität zu verschleiern, stammen sie in der Regel aus dem Bekanntenkreis des Opfers.

Was tut die Polizei?

Falls Cybermobbing in einem konkreten Fall mit Erpressung oder Nötigung einhergeht, werden die entsprechenden Taten von der Polizei von Amtes wegen verfolgt, sobald sie Kenntnis davon hat. Denn diese Delikte sind so genannte Offizialdelikte.

Andere, «leichtere» Straftaten, die in Zusammenhang mit Cybermobbing begangen werden (z.B. Beschimpfung nach Art. 177 StGB), werden nur verfolgt, wenn das Opfer einen Strafantrag bei der Polizei stellt.

9 Tipps zum Schutz gegen Cybermobbing

Tipp 1: Persönliche Daten schützen

Um Mobbern keine Angriffsfläche zu bieten, sollten sie sehr zurückhaltend mit der Veröffentlichung persönlicher Daten im Internet sein. Alles, was online steht, kann ein anderer kopieren und ausnutzen.

Tipp 2: Vorsicht bei Bildern

Besonders sensibel sollten sie mit Bildern sowie mit Videos umgehen. Tabu sollten persönliche, freizügige oder peinliche Aufnahmen sein. Denn sind solche einmal im Umlauf, hat niemand mehr die Kontrolle, was damit passiert.

Tipp 3: Privatsphäre einstellen

Machen sie Statusmeldungen und Bilder nie allen zugänglich. Überprüfen sie regelmässig, wer welche Inhalte sehen kann.

Tipp 4: Nicht auf Attacke reagieren

Täter haben keinen Spass, wenn Opfer nicht reagieren. Ist die Beleidigung öffentlich zu sehen oder hört das Mobbing nicht auf, reagieren sie nicht im gleichen Tonfall. Fordern Sie den Mobber sachlich und unmissverständlich auf, die Inhalte zu entfernen.

Tipp 5: Hassposts melden

Statusmeldungen mit Beleidigungen und Mobbing sollten Sie in jedem Fall bei den Plattformen melden, auf denen sie verbreitet wurden. Gleichzeitig beantragen Sie so, dass die Inhalte gelöscht werden.

Tipp 6: Screenshots machen, Link sichern

Sammeln Sie unbedingt Beweise zu Mobbing-Vorfällen: Nehmen Sie Screenshots von den beleidigenden Nachrichten auf und sichern auch die Links zum Profil des Täters. Notieren Sie Daten und genaue Uhrzeiten sowie Namen des Absenders.

Tipp 7: Angreifer blockieren

Werden Sie gemobbt, sollten Sie die Person sofort blockieren. Diese kann Sie nicht kontaktieren oder markieren, sie sehen deren Inhalte nicht und umgekehrt.

Tipp 8: Vorsicht vor Identitätsklau

Bei Social Media kann sich jeder mit einem beliebigen Namen anmelden, ein Profilfoto klauen und über das Fake-Profil andere in Ihrem Namen beleidigen. Suchen Sie deshalb ab und zu nach Ihrem Namen auf der Plattform und prüfen die Ergebnisse.

Tipp 9: Hilfe suchen und anderen helfen

Wenn Sie gemobbt werden, suchen Sie Personen, denen Sie vertrauen. Bitten Sie diese um Hilfe. Bei Bedrohungen oder anhaltendem Mobbing schalten Sie einen Anwalt ein und erstatten Anzeige bei der Polizei. Schauen Sie bei Mobbing nicht weg und unterstützen andere, die beleidigt werden.

Warum Cybermobbing noch fieser ist als Mobbing

Beim Cybermobbing lässt die Anonymität in sozialen Netzwerken die Hemmschwelle sinken. Ausserdem haben Cybermobbing-Opfer keine Rückzugsorte, an denen sie vor den Beleidigungen geschützt sind. Durch das Internet kann Mobbing zu jeder Zeit und überall stattfinden. Von mehreren Menschen angegriffen zu werden und nicht zu wissen, wer beteiligt ist, ist eine besonders starke Belastung.

Wie häufig kommt es vor?

Cybermobbing wird anhand unterschiedlicher Kriterien gemessen, weshalb die Zahlen, wie häufig Cybermobbing vorkommt, mit Vorsicht zu bewerten sind. 21 Prozent der Schweizer Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren gaben in der repräsentativen JAMES-Studie an, dass sie im Internet schon einmal gemobbt wurden. 12 Prozent der Jugendlichen haben erlebt, dass im Internet Falsches oder Beleidigendes öffentlich über sie verbreitet wurde. Dass Fotos oder Videos ohne ihre Zustimmung ins Internet gestellt wurden, gaben 33 Prozent der Jugendlichen an. Gemäss der Schweizer Studie von EU Kids Online sind fünf Prozent der 9- bis 16-Jährigen online gemobbt worden. Den meisten Eltern war das nicht bewusst.

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