Unter Druck
CVP verliert Wahl auf Wahl – das «wurmt» die Präsidentin

Die CVP verliert und verliert. Kantonalparteipräsidentin Sandra Kolly sieht die Partei unter Druck. «Es wäre schön, wenn wir den Abwärtstrend stoppen könnten. Dafür braucht es einen engagierten Wahlkampf», sagt sie.

Lucien Fluri
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Um die Wahlen nicht zu verlieren, will CVP-Präsidentin Sandra Kolly «mobilisieren, wo wir können».

Um die Wahlen nicht zu verlieren, will CVP-Präsidentin Sandra Kolly «mobilisieren, wo wir können».

HANS ULRICH MUELCHI

Basel, Aargau, Freiburg. Die CVP verliert Wahl auf Wahl.

Sandra Kolly: Das stimmt nicht ganz. In den Majorzwahlen waren wir sensationell. In allen Kantonen haben wir unsere Regierungsräte – bisherige oder neue – im ersten Wahlgang in die Regierung gebracht. Das ist ein typisches Bild: Bei den Majorzwahlen gewinnt die CVP. Bei den Proporzwahlen aber hatten wir Verluste. Das wurmt mich.

Wo liegen die Gründe?

Die genaue Analyse fehlt mir noch. In Freiburg bin ich erstaunt. Da war die CVP vor einem Jahr bei den Nationalratswahlen Wahlsieger. Im Aargau gewann die SP sämtliche Sitze zulasten der Mitte. Ich denke, dass dies mit der Altersreform zu tun hatte. Da ist das nationale Parlament überbordet. Das Volk wollte Gegensteuer geben. Und im Aargau wurden die Bürgerlichen für empfindliche Sparpakete abgestraft.

Solothurn wählt im März. Macht Ihnen der Abwärtstrend Angst?

Er gibt mir zu denken. Wir haben jetzt in sieben Kantonen verloren, das schleckt keine Geiss weg. Für mich ist das eine ganz klare Aufforderung, dass wir «dran» müssen. Die CVP ist unter Druck. Nach wie vor.

Gerhard Pfister sagte in einem Interview: «Spätestens 2017 müssen wir einzelne kantonale Wahlen gewinnen.» Sie sind also gefordert.

Ja, Solothurn und das Wallis wählen 2017 zuerst. Es wäre schön, wenn wir den Abwärtstrend stoppen könnten. Dafür braucht es einen engagierten Wahlkampf. Wir müssen mobilisieren, wo wir nur können. Wir haben den Vorteil, mit zwei bisherigen Regierungsräten antreten zu können. Aber gerade das könnte auch ein Nachteil bei der Mobilisierung sein. Wir erhalten medial weniger Aufmerksamkeit.

Es scheint derzeit, dass der neue, wertkonservative Kurs von Gerhard Pfister eher schadet als hilft.

Gerhard Pfister wird jetzt zu früh als Verlierer abgestempelt. Er ist ein halbes Jahr im Amt. Wenn wir ehrlich sind: Die CVP hat seit Jahren Wähleranteile verloren. In einem halben Jahr ändert das nicht. Es wird sich zeigen, inwieweit die Wertedebatte hilft. Was ich feststelle ist, dass die Frage die Leute beschäftigt. Vor drei Wochen gab es wegen uns eine Arena. Es gab sehr viele Zuschauer, die ins Studio wollten.

Auch wenn Gerhard Pfister sagt, er wolle übers Christentum diskutieren. Am Ende redet er – mit der SVP – über oder gar gegen den Islam, wie die Arena gezeigt hat.

Jetzt wird er in eine rechte Ecke gestellt, als ob er auf den Zug der SVP aufspringen möchte. Das ist nicht die Absicht. Ich bin nicht extrem konservativ. Aber wir haben unsere christlichen Werte, die wir verteidigen wollen. 80 Prozent der Schweizer sehen sich als christlich geprägt. Ich habe Mühe, wenn man in der Schule kein Krippenspiel machen kann. Es geht darum, genauer herauszufinden, wie wir mit fremden Kulturen umgehen wollen. Wir fordern kein Burkaverbot.

Kann die CVP ein konservatives Milieu zurückholen?

Es sieht so aus, als ob die ganz konservativen Wähler zur SVP abgewandert sind. Ob sie zurückkommen, weiss ich nicht. Es ist zu hoffen.

Die CVP hat sich in den vergangenen Jahren auch gegen urbane Kreise geöffnet. Jetzt ändert das. Gerade die der CVP nahe katholische Kirche gibt Homosexuellen und Frauen nicht die gleichen Rechte.

Wir sind nicht katholisch-konservativ. Bei der CVP kannst Du katholisch oder reformiert sein. Wir haben auch gar nichts gegen Homosexuelle. Unsere damalige Bundesrätin Ruth Metzler hatte das Gleichstellungsgesetz durchgebracht. Ebenso die Fristenlösung. Ich habe Mühe, wenn man uns als verknöchert sieht. Dass Frauen nicht Priester werden können, das stört mich persönlich. Das könnten wir Frauen auch.

Was ist dann das Christliche, das die CVP betont?

Für mich sind das Toleranz, Respekt oder Nächstenliebe.

Früher war die CVP Familienpartei.

Das sind wir immer noch. Die Familie ist uns nach wie vor sehr wichtig.

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