«Es ist bekannt, dass wir für die Kantonsratswahlen vom 3. März eine Listenverbindung mit der CVP eingehen möchten», sagt Markus Dietschi, Präsident der BDP Kanton Solothurn. Aber alles, was darüber hinaus gehe, sei entweder Wunschdenken der CVP oder zu früh zum Entscheiden. Dietschi scheint froh, auch einmal etwas zur Sache sagen zu können, nachdem die CVP nach dem pragmatischen Ja der Solothurner BDP auf allen Kanälen die Wahlallianz mit der Juniorpartnerin zelebrierte.

Vor allem auf nationaler Ebene stellen CVP-Exponenten die Konstellation so dar, als sei nur die BDP auf die CVP angewiesen. Dies stimmt insofern, als es dort um den BDP-Bundesratssitz geht, der ohne Support durch einen starken Partner eine Episode bleiben wird. Doch die nächsten Bundesratswahlen sind erst in drei Jahren. «Bis dahin kann sich noch vieles ändern», betont der Solothurner BDP-Präsident.

CVP braucht ebenfalls Partner

Dass gerade der Solothurner CVP-Präsident auf dem nationalen Parkett die Allianz verkündet, zeigt, dass die Musik zuerst einmal anderswo spielt. «Die CVP hat im nächsten Frühjahr zwei Regierungsratssitze zu verteidigen», sagt Dietschi. «Und darüber haben wir noch gar nicht gesprochen.»

Der BDP-Chef ist sich bewusst, dass er nicht nur Bittsteller ist. Er gedenkt im kommenden Wahlkampf einen wichtigen Part im Orchester zu spielen. Zur Listenverbindung für die Kantonsratswahlen könne er voll und ganz stehen, betont Dietschi allerdings. «Es geht darum, unsere Anliegen durchzubringen und die Mitte zu stärken.» Und da sei eine Listenverbindung im aktuell gültigen Wahlsystem noch immer das Beste. «Es ist auch im Sinne des Wählers, auch wenn man es immer wieder erklären muss.»

Auch der Deitinger Bauer und BDP-Kantonsratskandidat Martin Flury ist dieser Meinung. «Nur gemeinsam können wir etwas bewirken», betont er. Er kandidiere für die Partei, weil er als Landwirt «mit der FDP wenig am Hut» habe und ihm die SVP zu extrem sei. Zur CVP als Partnerin könne er ja sagen.

Weder Union noch Holding

Die BDP habe mit der CVP eine grosse Schnittmenge an gemeinsamen politischen Zielen, erklärt Präsident Dietschi weiter. Dies rechtfertige allerdings noch keine «Union» oder «Holding», wie dies von CVP-Vertretern postuliert werde. Vielmehr gehe es darum, bei grösseren Themen eine Zusammenarbeit zu prüfen und gegebenenfalls einzuleiten. «Wir müssen die Zusammenarbeit in der bürgerlichen Mitte verbessern. Dazu ist es nicht nötig, dass die Parteien ihre Identität aufgeben. Aber etwas weniger Profilierungssucht wäre manchmal gut.»

Da es die ersten kantonalen Wahlen der BDP sind, gehe es auch darum, dass Potenzial der Partei, die bisher 13 Kandidaten präsentierte, auszuloten. Das Resultat der Nationalratswahlen – die BDP machte 4,4 Prozent der Stimmen – habe diesbezüglich ermutigt.

Kakofonie droht

Doch der Listenverbindungs-Sack ist noch nicht zu. Auch die Grünliberalen (GLP) und die EVP stimmen ihre Geigen für das CVP-Orchester. Für Dietschi würde das allerdings Misstöne heissen. Er lässt klar durchblicken, dass man am liebsten ein Duett mit der CVP spielen würde. Die EVP ist für Dietschi nicht das Problem. Aber insbesondere die GLP-Landwirtschaftspolitik ist nicht BDP-kompatibel.

Bei den anderen potenziellen CVP-Juniorpartnern hat man ihrerseits bereits signalisiert, dass man nicht so scharf auf die BDP ist. Nur: Die CVP hat die Hochzeitsanzeige bereits verschickt. Ihre erste Liebe scheint die BDP zu bleiben. «Wenn es darum geht, die Mitte grundsätzlich zu einen, werden alle Seiten Konzessionen machen müssen», sagt Dietschi dazu.