Parteitag «CVP 60+»
CVP 60+: «Nur Wertschätzung schafft Solidarität»

Am Parteitag von «CVP 60+» in Solothurn wurde vor allem über die Rentensicherung diskutiert. Abt Martin Werlen gab allerdings zuvor zu bedenken, dass Solidarität nicht mit Anspruchshaltung, sondern mit Wertschätzung erreicht wird.

Andreas Toggweiler
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«Ich habe die Ämter im Kloster an Leute vergeben, die alle jünger sind als ich»: Abt Martin Werlen.

«Ich habe die Ämter im Kloster an Leute vergeben, die alle jünger sind als ich»: Abt Martin Werlen.

Isabel Mäder

Martin Werlen (50), Abt des Benediktinerklosters Einsiedeln hat sich in der Schweiz als kommunikativer Querdenker einen Namen gemacht, seit er 2001 im Alter von 39 Jahren Leiter der Kommunität wurde – zu der übrigens auch das Frauenkloster Fahr gehört. «Ich bin also nicht nur Abt, sondern auch Äbtissin», witzelte Werlen.

In seinen Gedanken zum Thema «Jung und alt – eine Frage der Solidarität» richtete er den Fokus weniger auf das biologische Alter von Menschen, sondern auf ihre Einstellung. «Junge Menschen können beängstigend alt wirken, wenn sie eng und festgefahren sind», erklärte er, während es gleichzeitig Menschen gebe, die auch im hohen Alter offen für Neues sind. «Ein gutes Beispiel war unsere Ordensfrau Silja Walter: Sie hat sich im Alter von 80 Jahren einen PC gewünscht und mit 90 einen Internetanschluss.»

Den Umgang Mit und die Einstellung gegenüber Social Media (Facebook, Twitter etc.) benutzte er zur Illustration. «Es sind teilweise Kinder im Vorschulalter, welche den heutigen Führungspersonen zeigen, wie man damit umgeht.» Werlen ist selber ein bekannter «Twitterer», der regelmässig Sinnsprüche und kleine Weisheiten unter dem Titel «Bahngleichnisse» auf dem Kurznachrichtendienst absetzt. Den Senioren legte er nah, offen zu sein für diese neuen Medien. «Lassen Sie sich von ihren Enkeln zeigen, wie es geht.» Wenn man hingegen negativ urteile über Dinge, die man nicht kenne, verrate man, dass man alt geworden sei.

Wer sich angesichts der am Nachmittag anberaumten Podiumsdiskussion zum Thema Rentensicherheit erhofft hatte, dass Werlen einer Anspruchshaltung der Rentnergeneration das Wort reden würde, sah sich gründlich getäuscht. Anhand der über tausend Jahre alten Benediktusregel zeigte er auf, dass bei wichtigen Entscheidungen einer Gemeinschaft auch und vor allem die Jüngeren anzuhören seien, «weil der Herr oft einem Jungen offenbart, was das Bessere sei», wie Benediktus geistlich begründet. «Bei weniger wichtigen Fragen kann man die älteren allein um Rat fragen.»

Das ist starker Tobak, insbesondere, als Werlen auch noch die Parallele zog zur Kirche und zum Papst, der doch eher dazu neigt, ältere Berater um sich zu scharen. «Im Sinne des gesagten kann dies somit für die Kirche zweierlei heissen», meinte Werlen verschmitzt.

Werlen selbst richtete seine Personalpolitik im Kloster so aus. «Ich habe die Ämter im Kloster nach diesem Vorbild vergeben, an Leute, die alle jünger sind als ich.» Nach anfänglichen Irritationen musste er seinen Brüdern die Formulierungen des Benedikt in Erinnerung rufen. «Heute haben wir im Kloster keinen Generationenkonflikt. Der jüngste Bruder ist 27, der älteste 92.»

Harmonisches Zusammenleben

Das Entscheidende für ein harmonisches Zusammenleben der Generationen sei menschliche Wertschätzung. «Hauptaufgabe der CVP überhaupt ist es, die Wertschätzung jedes Menschen zu leben. Nur so kann Solidarität entstehen», appellierte Werlen an die zahlreichen Politikerinnen und Politiker im Saal des Alten Spitals Solothurn.

Norbert Hochreutener, Berner Alt-Nationalrat und Präsident der Vereinigung CVP 60+, betonte, dass die Senioren die grösste Gruppierung in der Partei stellen. Mit der Vereinigung wolle man diejenigen Senioren ansprechen, «die im Sinne der Gedanken von Martin Werlen auch jung geblieben sind». Mit interessanten Vorträgen und Inputs versuche man sie als Zielpublikum anzusprechen.

Dazu gehöre auch das Thema Rentensicherheit und Solidarität. Dieses Thema sollte allerdings nicht nur von Senioren unter sich behandelt werden, sonder zusammen mit der aktiven Bevölkerung, räumte er ein.