Konjunktur
Credit-Suisse-Ökonomin: «2018 wird ein sehr gutes Wirtschaftsjahr»

An einem Anlass in Solothurn zeichnete die Credit-Suisse-Ökonomin Anja Hochberg einen insgesamt positiven Konjunkturausblick. Sorgen machen ihr zwei Entwicklungen, die auch für Solothurn relevant sind: weniger industrielle Arbeitsplätze und ein Überangebot an Mietwohnungen.

Franz Schaible
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Anja Hochberg von Credit Suisse referierte im Landhaus.

Anja Hochberg von Credit Suisse referierte im Landhaus.

Hanspeter Bärtschi

«Ich habe fast nur gute Nachrichten mit nach Solothurn gebracht.» So eröffnete Anja Hochberg, Leiterin globale Anlagenlösungen der Credit Suisse, den traditionellen Anlass «Wirtschafts-Perspektiven» der Grossbank im Landhaus zu Solothurn. «2018 wird für die Schweizer Wirtschaft ein sehr, sehr gutes Jahr.» Nach einem verhaltenen Wachstum des Bruttoinlandproduktes von 1 Prozent im laufenden Jahr soll die Konjunktur im kommenden Jahr mit 1,7 Prozent deutlich zulegen.

Ihre positive Einschätzung untermauerte die Ökonomin mit einem breiten Datenkranz. Basis für den Treiber der hiesigen Volkswirtschaft sei der steigende Welthandel. «Das ist fundamental wichtig für die kommenden Jahre.» Hochberg zeigte, wie sich die globalen Einkaufsmanager-Indizes, ein wichtiger Indikator, fast ohne Ausnahme deutlich nach oben bewegten. Das bedeute, die Auftragsbücher der Firmen seien gut gefüllt. Zudem herrsche in der Eurozone und in den USA, den wichtigsten Absatzmärkten der Schweiz, eine gute Konsumentenstimmung. Für China wird ein Wirtschaftswachstum von «nur» noch 7 Prozent statt 10 bis 12 Prozent in den Vorjahren erwartet. Das sei aber nicht negativ, sondern verspreche eine nachhaltigere Entwicklung. «Das sind alles positive Signale für die Schweizer Exportwirtschaft», so Hochberg.

«Keine Fluchtwährung mehr»

Auch an der für die Exporteure wichtigen Währungsfront sieht Hochberg eine Entspannung. «Der Schweizer Franken ist keine Fluchtwährung mehr.» Dank der guten Konjunkturstimmung in der Eurozone werde sich der Euro weiter erholen. Über die nächsten zwölf Monate dürfte sich der Kurs gegenüber dem Euro zwischen 1.15 bis 1.20 Franken einpendeln. «In fünf Jahren kostet der Euro vielleicht wieder 1.25 Franken.» Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung einher sieht Hochberg auch einen steigenden, aber nicht überbordenden Inflationsdruck. Die US-Notenbank werde zwar die Zinsen weiter anheben, aber dadurch werde das Wirtschaftswachstum nicht abgewürgt. Auch die Schweizerische Nationalbank werde nicht in Panik verfallen.

Einen gemischten Ausblick präsentierte die CS-Ökonomin für drei wichtige Branchen im Kanton Solothurn. So hätten die Exporte der Medtech-Industrie an Dynamik verloren. Erfreulicher sei das Bild für die Uhrenindustrie. Zwar sei die Stimmung unter den Uhrenfirmen noch eher gedämpft, aber die Exporte würden wieder wachsen. Ganz direkt vom globalen Aufschwung profitierten die zyklischen Branchen Metallindustrie, Elektrotechnik und Maschinenbau. «Alle Sparten der MEM-Industrie sind auf Wachstumskurs.»

Zwei Tolggen im Reinheft

Die insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung schlägt noch nicht voll durch auf die Beschäftigung. «Es ist nicht gelungen, neue Industriearbeitsplätze zu schaffen», sorgt sich Anja Hochberg. Noch immer nehme deren Anzahl ab. «Wir müssen aufpassen, das wir keine weitere Deindustrialisierung erleben.» Ebenso kritisch beurteilt sie die Entwicklung auf dem Mietwohnungsmarkt und sprach von einem Überangebot an Mietwohnungen. Das Problem werde nicht verschwinden, denn – basierend auf den Baugesuchen – bleibe die Wohnungsproduktion stark. In der Folge steige der Leerwohnungsbestand. Gerade im Grossraum Solothurn wird ein weiterer Anstieg erwartet. Schon heute weist der Kanton Solothurn mit 2,9 Prozent die landesweit höchste Leerwohnungsziffer auf.

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