Covid-Zertifikat
EVP-Kantonsrat fordert, dass der Kanton Tests bezahlt – dabei will der doch die Impfquote erhöhen

Aus der Sicht der Impfkampagne wirke seine Forderung vielleicht paradox, räumt EVP-Kantonsrat André Wyss ein. Er fordert in einem Vorstoss, dass der Kanton für die Testkosten für das Covid-Zertifikat von unter 21-Jährigen aufkommt, die sich nicht impfen lassen.

Urs Moser
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Viele Junge setzen lieber auf den Test für das Zertifikat als sich impfen zu lassen.

Viele Junge setzen lieber auf den Test für das Zertifikat als sich impfen zu lassen.

Bruno Kissling

Der Kanton lässt einen Impfbus touren, organisiert Konzerte mit Impfgelegenheit, 10000 Erstimpfungen im November hat Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner als ehrgeiziges Ziel ausgerufen. Gleichzeitig soll der Kanton die Kosten der Antigentests für das Covid-Zertifikat für unter 21-Jährige übernehmen, die Altersgruppe mit der tiefsten Impfquote, fordert EVP-Kantonsrat André Wyss in einem dringlichen Auftrag. Ist das nicht paradox?

«Aus Sicht der Impfkampagne vielleicht schon», räumt Wyss ein. Aus seiner Sicht aber nicht. Impfen lassen solle man sich aus Überzeugung, aber er wehre sich gegen einen indirekten Impfzwang. Und die kostenpflichtigen Tests für das Zertifikat würden einen solchen bedeuten, denn viele Junge in Ausbildung könnten sich das auf Dauer nicht leisten und würden so vom öffentlichen Leben ausgeschlossen, wenn sie sich nicht impfen lassen.

Die Jungen leiden besonders

Und das wäre fatal. Wyss zitiert die Statistik des Bundes zu den Lebensbedingungen: Die aktuelle Situation schlage besonders auf das Gemüt der Jugendlichen, über die Hälfte gab im ersten Halbjahr 2021 an, psychisch unter den Coronamassnahmen zu leiden. Die HESO, die Heimspiele des EHC Olten und der Saisonstart in der Solothurner Kulturfabrik Kofmehl hätten gezeigt, dass bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein grosses Bedürfnis nach sozialen Kontakten und Events vorhanden ist, schreibt Wyss in der Begründung seines Auftrags, über dessen dringliche Behandlung der Kantonsrat kommenden Mittwoch entscheiden wird. Materiell würde er dann erst im Dezember behandelt. Der Regierungsrat hätte ja aber auch die Möglichkeit, von sich aus sofort zu reagieren, «das wäre im Sinn der Sache natürlich besser», sagt Wyss.

Andre Wyss, EVP Olten, Kantonsrat.

Andre Wyss, EVP Olten, Kantonsrat.

Zvg / Solothurner Zeitung

Aber warum sollte der Regierungsrat das tun, wo das erklärte Ziel doch eine deutliche Steigerung der Impfquote ist und diese gerade bei den jungen Erwachsenen noch sehr tief liegt? In seinem Auftrag verlange er, dass der Kanton die Testkosten von 37 Franken weitgehend übernimmt und die Jugendlichen einen Restbetrag, genannt werden 10 Franken, nach wie vor selber übernehmen müssen, führt Wyss ins Feld. Dadurch sollen sie angeregt werden, sich mit der Impfung auseinanderzusetzen, ohne aus finanziellen Gründen faktisch dazu gezwungen zu werden.

Die Risikoabwägung den Jungen selber überlassen

Die Impfquote bei den Jungen auf Biegen und Brechen erhöhen zu wollen, hält der (selber impfskeptische) EVP-Kantonsrat aber weder für angebracht noch für angezeigt. Covid-19 stelle für die Altersgruppe kein sehr hohes gesundheitliches Risiko dar. Darum sei es auch zu akzeptieren, wenn sich Jugendliche und junge Erwachsene aufgrund der kleinen Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs dagegen entscheiden, das Risiko einer Ansteckung gegen das Risiko allfälliger Spätfolgen einer Impfung einzutauschen.

Und schliesslich führt die Begründung des Auftrags auch ein wirtschaftliches Argument ins Feld: Die Reduktion der Testkosten für Jugendliche und junge Erwachsene wäre auch eine Unterstützung für die Wirtschaft, denn es sei anzunehmen, dass sie dann viel eher Kinos, Bars, Clubs etc. besuchen würden

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