Covid-19
Volle Spitäler in Solothurn: Wie kam es so weit? Und was sind die Folgen? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Vergangene Woche waren für eine kurze Zeit sämtliche Intensivbetten im Kanton belegt. Mittlerweile hat sich die Lage wieder leicht entspannt. Aber was bedeutet das überhaupt, wenn der Platz im Spital so knapp wird?

Raphael Karpf
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Covid-19-Patienten werden auf einer Intensivstation behandelt.

Covid-19-Patienten werden auf einer Intensivstation behandelt.

Bild: Alex Spichale

Vergangenen Mittwoch war zwischenzeitlich jedes der 17 Intensivpflegebetten im Kanton Solothurn belegt. Mehrheitlich mit Coronapatienten. Einen Tag später waren wieder zwei Betten frei.

Was genau ist die Intensivpflegestation (IPS)?

Auf den Intensivpflegestationen werden Patienten in lebensbedrohlichen Phasen überwacht und versorgt. Die wichtigsten Körperfunktionen werden permanent überwacht und wenn nötig unterstützt oder gar ersetzt. So werden zum Beispiel schwerkranke Coronapatienten oftmals künstlich beatmet.

Wieso gibt es «nur» 17 solche Betten im ganzen Kanton?

Die Dichte an Intensivpflegeplätzen im Kanton sei vergleichbar mit anderen Schweizer Regionen, schreiben die Solothurner Spitäler AG (soH) auf Anfrage. Die 17 zertifizierten Intensivplätze in Olten und Solothurn können nicht kurzfristig erhöht werden, da die Zertifizierung mindestens ein Jahr dauert. Braucht es zusätzliche Betten, weil mehr Menschen einen Intensivpflegeplatz benötigen, dann werden vorübergehend weitere Intensivplätze geschaffen.

Im Frühling waren noch 25 IPS-Betten verfügbar. Wieso wurden Betten abgebaut?

Die soH schreiben: «Diese 25 Betten waren ein Sondereffort unter Einbezug grosser zusätzlicher Ressourcen und unter Einschränkung anderer Spitalbereiche, etwa der Operationstätigkeit.» Dass ständig 25 Plätze betrieben werden, das sei mit den regulären Mitteln nicht möglich. Dazu fehle das spezialisierte Personal. Auch im Kanton Solothurn ist Gesundheitspersonal aufgrund der hohen Belastung aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen. Und auch im Kanton Solothurn hat Personal gekündigt. Darum müsse das Gesundheitspersonal nun unbedingt geschützt werden, sagte Martin Häusermann, CEO der soH, Anfang Monat. Und Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner sagte: «Wir müssen Sorge tragen zu den Gesundheitsfachpersonen. Von diesen hängt eine funktionierende Gesundheitsversorgung ab.» Trotzdem: Noch mehr Betten in Betrieb zu nehmen, das sei bis zu einem gewissen Grad und für eine befristete Dauer noch möglich.

Was sind die Schwierigkeiten, mehr Personal zu finden?

Die soH: «Tatsache ist: Auch im jüngst gestarteten Lehrgang für die Ausbildung zum Experten Intensivpflege NDS HF konnten nicht alle freien Studienplätze gefüllt werden.» Ausserdem kämpfen auch andere Spitäler mit denselben Problemen.

Sollte ich einen Notfall haben: Kann ich noch behandelt werden?

Die soH betonen: «Die notfallmässigen medizinischen Behandlungen nach Unfällen oder bei akuten Erkrankungen sind innerhalb der Spitäler der soH jederzeit gewährleistet.» Auch dringliche Operationen wie beispielsweise Tumoroperationen könnten uneingeschränkt durchgeführt werden. Allerdings: Es kann sein, dass nicht dringliche Wahleingriffe verschoben werden müssen, weil die beiden Intensivstationen permanent stark ausgelastet sind. Mit dieser Massnahme soll die Versorgung aller Notfallpatienten sichergestellt werden.

Sind die Coronapatienten geimpft oder ungeimpft?

Von den 85 Covid-Patienten, die in den vergangenen vier Wochen ins Spital eingeliefert wurden (die Zahl bezieht sich auf alle Hospitalisierungen, nicht nur die der IPS-Patienten), waren 10 geimpft und 75 ungeimpft.

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