Coronavirus
So schätzt der Kanton Solothurn die aktuelle Lage ein – Handelskammer nicht zufrieden mit Bundesrats-Plan

Der Trend zeigt nach unten: Die Fallzahlen sinken, die Belastung der Spitäler hat stark abgenommen. Trotzdem befürwortet der Kanton Solothurn den vorsichtigen Kurs des Bundesrats.

Rebekka Balzarini
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Die Läden könnten im März möglicherweise wieder öffnen.

Die Läden könnten im März möglicherweise wieder öffnen.

Hanspeter Bärtschi

Schritt für Schritt soll die Schweiz wieder aus dem Lockdown finden. Am Mittwoch hat der Bundesrat an einer Medienkonferenz die Ideen präsentiert, die er den Kantonen dafür vorlegen will. Die Landesregierung will unter anderem die Läden und Museen ab dem 1. März wieder öffnen und private Veranstaltungen mit maximal 15 Personen im Freien wieder erlauben.

Die epidemiologische Lage in der Schweiz hat sich in den vergangenen Wochen verbessert, auch im Kanton Solothurn: Die 7-Tage-Inzidenz, also die Summer alle gemeldeten Fälle innerhalb von 7 Tagen, ist laut den aktuellsten Zahlen des Gesundheitsamts erneut gesunken. Am Montag betrug die 7-Tage-Inzidenz pro 100000 Personen im Kanton 67,3, in der Vorwoche lag die Zahl bei 86,1.

Positivitätsrate unter 5 Prozent

Ebenfalls gesunken ist die Reproduktionszahl, die angibt, wie viele Personen von einer infizierten Person angesteckt werden. Am Montag lag der R-Wert bei 0,82, in der Vorwoche bei 0,91. Die Positivitätsrate, die anzeigt, wie viele getestete Personen schliesslich tatsächlich positiv auf das Coronavirus getestet werden, lag diese Woche zum zweiten mal unter 5 Prozent. Eine Positivitätsrate unter 5 Prozent bedeutet laut der Weltgesundheitsorganisation WHO, dass das Infektionsgeschehen in dem berücksichtigen Bereich unter Kontrolle ist.

Diese Entwicklungen schlagen sich auch auf die Zahl der Personen in den Spitälern nieder: Stand Mittwoch mussten noch 21 Personen im Spital gepflegt werden, 5 davon auf der Intensivstation. Noch vor einem Monat sah das ganz anders aus: Am 18. Januar waren noch 49 Personen auf Spitalpflege angewiesen, 14 davon benötigten Intensivpflege.

Vorsichtiger Optimismus von Seite des Kantons

«Die Situation im Kanton Solothurn ist wie in der ganzen Schweiz immer noch sehr instabil», schreibt die Regierung in einem Statement zur aktuellen Situation. Positiv ist laut der Regierung, dass sich die Fallzahlen in die «richtige Richtung» bewegen. Ausserdem nehme die Zahl der geimpften Personen zu, und die Teststrategie werde ausgeweitet. Damit könnten mehr Fälle entdeckt werden und nachverfolgt werden.

Für Unsicherheit sorgen laut der Regierung dagegen die ansteckenderen, neuen Virusvarianten, die sich im Kanton ausbreiteten. Zudem sei nach wie vor unklar, ob geimpfte Personen das Virus weiterverbreiten können oder nicht.

Zu rasche Öffnung in der 1.Welle

Dass der Bund sich mit der Lockerung der Schutzmassnahmen Zeit lässt, scheint beim Kanton deshalb auf Verständnis zu stossen. Zwar nimmt die Regierung keine Stellung zu den am Mittwoch vom Bundesrat bekanntgegebenen Lockerungsvorschlägen, schreibt aber:

«Im Rückblick lässt sich sagen, dass die Öffnung nach der ersten Welle wohl zu rasch und zu undifferenziert erfolgte.»

Zwar sei es mit einschneidenden Massnahmen gelungen, eine Überlastung der Intensivpflegestationen zu verhindern. So mussten etwa elektive Eingriffe verschoben werden, und Personal aus den Privatspitälern im Kanton half in den Kantonsspitälern aus. «Das alles spricht für ein zurückhaltendes Vorgehen», heisst es in dem Statement weiter.

Handelskammer wünscht sich stärkere Lockerungen

Nicht zufrieden mit den Vorschlägen des Bundesrats ist man bei der Solothurner Handelskammer. Zwar begrüsse man grundsätzlich, dass der Bundesrat eine «schrittweise Rückkehr zur Normalität angekündigt habe», schreibt Daniel Probst, der Direktor der Handelskammer. Besonders positiv ist laut ihm unter anderem, dass der Bund weitere 10 Millionen Franken für Härtefälle sprechen will. «Absolut kein Verständnis» habe man dagegen dafür, dass der Bundesrat die Homeoffice-Pflicht aktuell noch nicht in eine Empfehlung umwandeln will.

Ebenso kritisch sieht man bei der Handelskammer die Entscheidung, dass die Restaurants im März ihre Aussenbereiche laut den aktuellen Vorschlägen des Bundes im März noch nicht öffnen dürfen. «Damit verdüstern sich die Aussichten für die ohnehin stark gebeutelte Gastrobranche weiter», schreibt Probst.

Die Solothurner Handelskammer erwarte von der Kantonsregierung, dass diese sich beim Bund «mit Nachdruck» für ein Ende der Homeoffice-Pflicht einsetzt. Ausserdem solle sie sich dafür einsetzen, dass die Restaurants ihre Aussenbereiche schon im März öffnen dürfen.

«Zudem erwartet die Solothurner Handelskammer vom Regierungsrat, dass der Kanton Solothurn dieses Mal den Lockerungen des Bundes folgt und nicht wieder strengere kantonale Massnahmen beschliesst, wie dies letztmals vor Weihnachten passiert ist.»

Strengere Massnahmen im Kanton würden für Verwirrung sorgen, so die Handelskammer, und «schlussendlich zu mangelnder Akzeptanz und Einhaltung führen.»