Coronavirus
Solothurner Kantonsarzt: «Wichtig ist im Moment insbesondere, dass wir die aktuelle Situation nicht unterschätzen»

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an, die Todeszahlen und die Belegung der Intensivbetten bleibt aktuell aber noch tief. Im Interview erklärt der Solothurner Kantonsarzt Lukas Fenner, was in den nächsten Wochen wichtig ist.

Rebekka Balzarini
Merken
Drucken
Teilen
Kantonsarzt und Epidemiologe Lukas Fenner an einer Medienkonferenz im Januar.

Kantonsarzt und Epidemiologe Lukas Fenner an einer Medienkonferenz im Januar.

Hanspeter Bärtschi

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation im Kanton Solothurn ein?

Seit einigen Wochen beobachten wir wieder einen Anstieg der Corona-Fallzahlen, so steigt beispielsweise der Indikator 14-Tages-Inzidenz wieder an. Alleine am Dienstag wurden insgesamt 67 Neuinfektionen im Kanton Solothurn gemeldet. Die Positivitätsrate verharrt bei 5 Prozent, trotz einer Zunahme der Anzahl durchgeführten Tests. Zu beobachten ist auch eine Zunahme der neuen Virusvarianten (VOC). Bei den Hospitalisierungen und IPS-Belegungen zeigt sich ein Seitwärtstrend. Die Corona-bedingten Todesfälle sind in den vergangenen Wochen stark gesunken und bleiben auf tiefem Niveau.

Was ist für die Bevölkerung mit Blick auf die aktuellen Zahlen im Lagebericht besonders wichtig?

Wichtig ist im Moment insbesondere, dass wir die aktuelle Situation nicht unterschätzen: die epidemiologische Lage ist instabil. Das heisst, auch wenn die Corona-Fallzahlen noch nicht überexponentiell steigen, sollten wir uns nicht in Sicherheit wiegen. Gerade die neuen Virusvarianten wie jene aus Grossbritannien machen uns Sorgen. Einerseits weil sie ansteckender sind als das «herkömmliche» Coronavirus und andererseits, weil sie möglicherweise schwere Krankheitsverläufe verursachen können, was die Hospitalisationen beeinflussen würde. Vor diesem Hintergrund ist es schwierig, verlässliche Prognosen zu machen. Deshalb gilt: Schützen wir uns, lassen wir uns regelmässig testen und jene, die sich impfen lassen dürfen und wollen, sollten sich so schnell wie möglich für eine Impfung registrieren lassen. Das Zusammenspielt dieser drei Massnahmen ist der wirksamste Weg, die Pandemie einzudämmen.

Die Zahlen sinken aktuell nicht mehr, was sind mögliche Erklärungen dafür?

Das hat sicherlich mit unserem eigenem Verhalten zu tun, aber auch mit der Zunahme der neuen Virusvarianten, die sich schneller ausbreiten.

Was ist mit Blick auf Ostern wichtig, damit es zu keinem Anstieg der Fallzahlen kommt?

Wie schon vorhin erwähnt, ist es in erster Linie wichtig, dass wir uns an die geltenden Hygiene- und Verhaltensregeln halten. Das heisst: Kontakte reduzieren, Maske tragen, Abstand halten und Hände waschen respektive desinfizieren. Zu vermeiden sind insbesondere geschlossene Räume, überfüllte Plätze und zu enge Kontakte. Im Englischen spricht man von den 3Cs, die man meiden sollte: Closed spaces, Crowded places, Close-contact settings. Selbstverständlich kann man sich vor solchen Treffen testen lassen, beispielsweise in den kantonalen Screening-Zentren wie etwa im Kofmehl in Solothurn und im Screening-Zentrum Olten. Das bietet zumindest am selben Tag Sicherheit.

Viele Menschen hoffen, dass die wärmeren Temperaturen in den kommenden Wochen helfen, die Fallzahlen zu senken. Ist diese Hoffnung berechtigt?

Sommerliche Temperaturen führen nicht zwingend zu tiefen Fallzahlen, auch wenn das Ansteckungsrisiko im Freien im Vergleich zu geschlossenen Innenräumen geringer ist. Aber auch hier spielen die Rahmenbedingungen eine grosse Rolle. Das heisst, wenn viele Personen dicht gedrängt im Park zusammen reden, hilft auch die Aussenluft nicht, sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Mehr Informationen: corona.so.ch