Solothurn

«Coronavirus ist nicht aus China!»: Das Plakat einer Privatperson wirft Fragen auf

Plakat vor dem Bahnhof in Solothurn: Privatperson hinterfragt Ursprung des Coronavirus.

Plakat vor dem Bahnhof in Solothurn: Privatperson hinterfragt Ursprung des Coronavirus.

Die Behauptung einer Privatperson zum Ursprung des Coronavirus löst die Frage aus, was auf einem Plakat stehen darf.

Das Coronavirus sei nicht aus China, sondern ein himmlischer Anschlag auf unsere Moral. Diese Botschaft befindet sich auf einem Plakat in der Nähe des Solothurner Hauptbahnhofes. Eine solche Behauptung wirft Fragen auf. Genau deswegen bleiben wohl viele Menschen vor dem Plakat stehen. Was genau ist jedoch mit einer solchen Aussage gemeint? Auffallend ist zudem die darunter vermerkte Telefonnummer. Eine Privatnummer, wie sich herausstellt.

Am anderen Ende ist Hans-Peter Zbinden. Das Evangelisieren ist Hobby des Burgdorfers. Ihm zufolge soll das Plakat dazu anregen, bestimmte Normen zu überdenken. «Es geht bei dieser Aussage absolut um den Glauben an Jesus Christus», meint er dazu. Er sagt über sich er wolle sich in dieser schwierigen Zeit um die Menschen kümmern. «Ich evangelisiere regelmässig in Solothurn und anderen Städten wie Olten, Bern und Biel». Es gehe ihm um randständige Menschen wie Drogenabhängige oder Alkoholiker. Durch die Ausnahmesituation tue er dies nun über das Plakat. «Da wir momentan Abstand halten sollten, habe ich diese Telefonnummer auf dem Plakat platziert». So sollen ihn die Menschen erreichen können.

Die Frage, ob eine Organisation hinter der Botschaft auf dem Plakat stehe, verneint er. «Genau von solchen Institutionen oder Gemeinschaften sollte die Gesellschaft wegkommen». Was genau will Zbinden jedoch bewirken? «Die Menschen sollen diese Situation als Chance sehen, ihr Leben neu auszurichten», findet er. Auf seine Aussage zum Ursprung des Coronavirus geht er nicht weiter ein.

Die Wirkung solcher Botschaften

Es stellt sich die Frage, ob Krisen wie die Corona-Pandemie ausgenutzt werden, um Menschen zu beeinflussen und was auf Plakaten überhaupt erlaubt ist. Geht die Behauptung, der Coronavirus sei nicht aus China, bereits zu weit?

Plakate mit derartigen Aussagen können schnell verwirren. Trotzdem gilt in erster Linie die Meinungsäusserungsfreiheit. Die Nachfrage bei der Stadtpolizei Solothurn zeigt: Solange ein Plakat keine ehrverletzenden Aussagen beinhaltet oder anderweitig rechtsverletzend ist, steht nichts im Wege. Einfluss haben zusätzlich Kriterien der Institutionen, welche Plakatwände in der Öffentlichkeit bereitstellen.

Obwohl es sich hier um eine private Aktion handelt, ist das Plakat in Solothurn nicht das Einzige. Gemäss der Fachstelle infoSekta gab es bereits ein ähnliches Plakat in Emmenbrücke mit derselben Botschaft. InfoSekta bestätigt zudem, dass derartige Krisen als Aufhänger zur Verbreitung biblischer Botschaften genutzt werden. Die Fachstelle verordnet die auf dem Plakat angegebenen Autoren, dem christlich-evangelikalen Umfeld. Was die Aussage auf dem Plakat betrifft: Die Viruserkrankung werde nicht virologisch gedeutet. In dieser Behauptung werde das Coronavirus in den Kontext von Glaubensferne und Unmoral gestellt.

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