Coronavirus
«Der Bundesrat hat versagt»: Wie Gastro Solothurn und Restaurants auf die Lockerungspläne reagieren

Der Bundesrat hat seine Lockerungspläne für den März bekanntgegeben: Läden sollen öffnen, Restaurants hingegen geschlossen bleiben. Der Präsident von Gastro Solothurn spart nicht mit Kritik. Auch einzelne Restaurants nehmen zu den vorgesehenen Lockerungen Stellung.

Drucken
Teilen
Restaurants sollen auch im März nicht öffnen dürfen. (Archiv)

Restaurants sollen auch im März nicht öffnen dürfen. (Archiv)

Pius Amrein

Zaghafte Lockerungen hat der Bundesrat am Mittwoch vorgeschlagen: Läden sollen im März wieder öffnen dürfen. Auch für Veranstaltungen an der frischen Luft sollen etwas weniger strenge Regeln gelten. Weil die Zahlen der Corona-Ansteckungen kontinuierlich sinken, könne man dieses Risiko eingehen, sagte Gesundheitsminister Alain Berset. Ein Risiko sei es aber: Noch weiss niemand so ganz genau, wie die mutierten Virusvarianten den weiteren Verlauf der Pandemie beeinflussen werden.

Die Kantone haben nun eine Woche Zeit, zu den Vorschlägen des Bundes Stellung zu nehmen. Nächsten Mittwoch wird der Bundesrat definitiv entscheiden. Der Kanton Solothurn liess durchblicken, dass er mit der vorsichtigen Lockerung einverstanden ist.

Was jetzt schon klar ist: Restaurants werden definitiv bis Ende März geschlossen bleiben. Peter Oesch, Präsident von Gastro Solothurn ist am Ende; mit seiner Geduld und auch mit der Energie. «Ich hatte eine schlaflose Nacht.» Was am Mittwoch kommuniziert wurde, habe ihm «den Hut ‹glüpft›», sagt er hörbar aufgebracht.

«Ich bin sehr enttäuscht von Bern. Es ist ein Affront und eine absolute Schweinerei.»
Peter Oesch, Präsident Gastro Solothurn

Peter Oesch, Präsident Gastro Solothurn

Patrick Lüthy

Bei diesem Plan bleibe keine Perspektive für die Branche. Allenfalls auf April den Aussenbereich der Restaurants öffnen zu dürfen, sei «keine Antwort. Was machen wir, wenn es schlechtes Wetter ist im April?» Dann könne nichts verkauft werden. Lebensmittel könnten nicht so einfach aufbewahrt werden.

Der Bundesrat habe versagt, sagt Oesch klipp und klar. Im Frühling habe dieser noch gesagt, dass für die Gastronomie geschaut werde. Dem sei absolut nicht der Fall. «Der Bundesrat hat keine Ahnung, wie die Branche funktioniert.» Die Politik würde die Gastronomie nicht wertschätzen. Anders die Gäste.

Oesch kritisiert auch, dass der Kanton es nicht schaffe, die Gesuche abzuarbeiten. Alleine aus der Gastronomie kämen da 500 zusammen. Bei einem Gespräch mit Regierungsrätin Brigit Wyss im Januar sei ihm versichert worden, dass das Geld rasch fliessen werde. Oesch meint aber:

«Solothurn hat per se bis heute noch nichts bezahlt.»

Stets strecke er seine Fühler aus. Bisher habe er von anderen Gastronomen im Kanton nicht mitbekommen, dass Zahlungen erfolgt seien. Andere Kantone hätten das schon geschafft.

«Mühsam, dass es wieder hinausgezögert wird»

Wie Tamara Rawlins, Geschäftsleiterin der Aarebar Solothurn bestätigt, haben die Betreiber von Seiten des Kantons noch keine Zahlung erhalten. Auf die Frage, wie sie zu den vorgesehen Massnahmen steht, antwortet sie: «Es ist sehr schade, dass wir nicht öffnen können. Wir plangen nur darauf, wieder Leute zu bewirten. Trotzdem haben wir gespürt, dass es so kommen wird». Die aktuelle Lage sei sehr nervenzerrend und brauche viel Geduld, fügt die Geschäftsleiterin hinzu.

Für Tamara Rawlins ist jedoch bereits klar: Wenn es möglich ist, ab dem 1. April den Aussenbereich zu bewirten, wird die Aarebar öffnen.

Lieber komplett als nur halbbatzig

Das Restaurant zum alten Stephan in Solothurn wird nicht öffnen, wenn nur der Aussenbereich bewirtet werden kann. «Wir machen da nicht mit», so der Inhaber Stefan Bader. «Bei -2 Grad möchte ich selbst auch kein 4-Gänge-Menu essen».

Darauf, dass die Restaurants im März weiterhin geschlossen bleiben, reagiert der Inhaber jedoch gefasst. «Was soll ich sagen, wir können nicht viel bewirken. Wir können es nur so nehmen, wie es ist». Wie Stefan Bader noch hinzufügt, sei es jedoch besser, einen ganzen Monat komplett geschlossen zu haben, als das Restaurant täglich um 19 Uhr zu schliessen. «Diese Massnahme ist kontraproduktiv».

Externe Hilfe für Gesuchsprüfung

Der Kanton rechnet mit 2'000 bis 3'000 Gesuchen bis Mitte Jahr. Weil derzeit das Prüfprogramm sowie das Online-Gesuchsformular und die Infos auf der Website an die neuen Verordnungsbestimmungen angepasst werden, ist die Gesuchseinreichung erst wieder ab Freitag, 19. Februar, 12 Uhr, möglich.

Ab 22. Februar soll die Fachstelle Standortförderung von der Ernst & Young AG bei der Gesuchsprüfung und -abwicklung unterstützt werden. (ldu/hol/rka)