Coronamassnahmen
Das Solothurner Verwaltungsgericht hält fest: Ein negativer Test kann die Quarantäne verkürzen

Die Geschichte, die der Ehemann einer positiv auf Covid-19 getesteten Frau erzählte, um sich der Quarantäne zu entziehen, nahm ihm das Gericht zwar nicht ab. Aber es hält fest: Was im Kanton Solothurn bezüglich negativem Test und Quarantänezeit als Regel gilt, entspricht auch nicht wirklich den Regeln.

Urs Moser
Merken
Drucken
Teilen
Corona-Teststation am Kantonsspital Olten.

Corona-Teststation am Kantonsspital Olten.

Bruno Kissling

Wer sich im Spital auf Covid-19 testen lässt, erhält bei negativem Resultat zusammen mit dem Ergebnis per SMS die mahnende Nachricht: «Zu beachten für Personen unter Quarantäne: Ein negatives Testresultat verkürzt die Quarantänezeit nicht.»

So wurde es auch einem Mann vom kantonsärztlichen Dienst beschieden, der für zehn Tage in Quarantäne geschickt wurde, nachdem seine Ehefrau positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Der Mann führte gegen die Quarantäneverfügung Beschwerde, und das Verwaltungsgericht stellt nun in teilweiser Gutheissung dieser Beschwerde klar: Das mit der sich nicht verkürzenden Quarantänezeit ist nur die halbe Wahrheit.

Auf dem Sofa übernachtet und im Büro gewohnt

Die Geschichte beginnt am 20. März: An diesem Tag wurde die Frau des Beschwerdeführers positiv getestet. Sie gab an, bis zum 17. März engen Kontakt zu ihrem Ehemann gehabt zu haben, worauf der Kantonsarzt verfügte, dieser habe sich ab sofort bis und mit 27. März in Quarantäne zu begeben, die Quarantänezeit werde mit einem negativen Testergebnis nicht verkürzt.

Der Mann verlangte aber die Aufhebung der Quarantäne. Seine Geschichte: Seine Frau sei am 16. März von ihrer Mutter angesteckt worden. Er sei an diesem Tag erst um 23 Uhr nach Hause gekommen und habe auf dem Sofa geschlafen, weil ihn seine Frau schon informiert habe, dass da in Sachen Covid-19 «etwas im Busch» sein könnte. Am nächsten Morgen sei er dann wie immer, ohne Ehefrau und Kind zu wecken, zur Arbeit gegangen und habe dort geduscht. Die weiteren Tage habe er ohne Kontakt zu Ehefrau und Kind verbracht und im Büro im Geschäft gewohnt.

Kurzum: Er ersuchte darum, seine Quarantäne zu beenden, da er weder Kontakt zu seiner coronapositiven Frau noch Symptome habe.

Quarantäne rechtens, aber Verkürzung möglich

Das Verwaltungsgericht, das nun die entsprechende Beschwerde (angesichts der besonderen Umstände wurde übrigens eine Eingabe per E-Mail als formgerecht akzeptiert) zu beurteilen hatte, mochte die Geschichte nicht so ganz glauben. Er versuche aus seinen Angaben, seine kranke Ehefrau und das Kleinkind allein gelassen und keinen physischen Kontakt mehr zu diesen gehabt zu haben, Vorteile für sich zu ziehen und die Quarantäne zu umgehen, so die Richter.

Die Ehefrau hingegen habe aus ihren Angaben keine Vorteile, deshalb sei auf diese abzustellen, wonach der letzte Kontakt am 17. März stattgefunden habe. Das heisst: Symptombeginn bei der Ehefrau am 19. März, letzter Kontakt innerhalb von 48 Stunden davor, die bis zum 27. März verfügte Quarantäne ist nicht zu beanstanden. Auch wenn verständlich sei, dass die Quarantäne für den Beschwerdeführer eine grosse berufliche Einschränkung bedeutet, könne doch eine Ansteckung nicht ausgeschlossen werden, weshalb die Quarantäne rechtmässig angeordnet wurde, so die Richter.

Doch nun das Aber: Nicht richtig sei die Ausführung in der kantonsärztlichen Verfügung gewesen, wonach ein negativer Covid-19-Test die Quarantäne nicht verkürzt. Laut Covid-19-Verordnung kann man sich ab dem siebten Tag der Quarantäne, im vorliegenden Fall war das der 24. März, testen lassen und die Quarantäne kann mit Zustimmung der zuständigen Behörde beendet werden.

Das Urteil erging fix exakt am 24. März. Ob sich der Beschwerdeführer dadurch mit einem subito erfolgten negativen Test zwei oder drei Tage Quarantäne sparen konnte, geht daraus natürlich nicht hervor. Auf jeden Fall klärt das Urteil die Lage. Das Verwaltungsgericht hat verfügt, dass die Regelung, wonach die Quarantänezeit bei einem negativen PCR-Testergebnis nicht verkürzt wird, aufgehoben und durch eine neue Regelung ersetzt wird: «Sie können diese Dauer verkürzen, indem Sie sich frühestens am 7. Tag der Quarantäne testen lassen (PCR-Test oder Antigen-Schnelltest). Bei einem negativen Ergebnis kann die Quarantäne nach Zustimmung der Behörde aufgehoben werden. Das negative Ergebnis muss den zuständigen kantonalen Behörden weitergeleitet werden.» Bis zum effektiven Ablauf der zehntägigen Quarantäne ist man aber in so einem Fall verpflichtet, ausserhalb seiner Wohnstätte eine Maske zu tragen und einen Abstand von 1 Metern zu anderen Personen einzuhalten.