Auf eine Kaffee mit...

Corona als Herausforderung für Regional-TV: «Wir hatten Glück, dass wir die Fasnacht filmen konnten»

Chantale und Yves Hauenstein in ihrem Studio in Solothurn.

Chantale und Yves Hauenstein in ihrem Studio in Solothurn.

Auf einen Kaffee mit... Chantale und Yves Hauenstein, den Geschäftsführern des Solothurner Regionalfernsehens jump-tv.

«Normalerweise stehen wir hinter der Kamera und befragen die Leute», sagt Yves Hauenstein schmunzelnd. Seit über 10 Jahren leitet er gemeinsam mit seiner Schwester Chantale Hauenstein den Regionalsender jump-tv und die Produktionsfirma jump productions GmbH.

Gegründet wurde jump-tv im Jahre 2004 vom Vater der beiden und einem Geschäftspartner. Damals war es als Schulprojekt gedacht. «Zwei bis drei Jahre später waren Chan­tale und ich als Praktikanten dabei», erzählt der 29-Jährige. Aus dem Schulprojekt entwickelte sich schnell mehr. «Wir haben gemerkt, dass wir zwar junge Leute sind, aber eigentlich Fernsehen für Jung und Alt machen», resümiert Yves.

Heute teilen sie sich die Aufgaben rund um Konzeption und Redaktion. Chantale kümmert sich zudem um die Betreuung der Lehrlinge und Praktikanten, sowie die Administration und Social Media. «Zu meinem Teil gehören eher technische Angelegenheiten und alles, was mit Zahlen zu tun hat», so Yves.

Stolz zeigen die Geschwister das «so-talk»-Fernsehstudio und gewähren uns einen Blick hinter die Kulissen. Ein Paradies für alle Kamera- und Technikliebhaber, denn von Greenscreen über Kameras, Mikrofone und Schnittpult ist hier alles zu finden. So fröhlich die beiden uns jedoch empfangen: Wie viele andere Unternehmen hatte auch der Regionalsender seit dem Lockdown mit einigen Her­ausforderungen zu kämpfen. Normalerweise sind sie gemeinsam mit ihrer Fernsehcrew an jedem grossen Solothurner Event mit dabei. «Wir hatten grosses Glück, dass wir dieses Jahr noch die Fasnacht filmen konnten», sagt Yves nachdenklich.

Mehr Zeit für jede Sendung

Kurz vor dem Lockdown seien fehlende Events jedoch nicht die grösste Sorge gewesen. «Wie viele andere Geschäftsleiter mussten wir uns überlegen, wie wir weiterarbeiten und gleichzeitig unsere Mitarbeiter schützen können», berichtet Yves. Dazumal sei es schwieriger gewesen, an Desinfektionsmittel heranzukommen, als eine Kamera zu bestellen. «Seither müssen wir für jede Sendung etwas mehr Zeit einberechnen», fügt Chantale an. Der Grund: Mikrofone, Kameramaterial und Arbeitsplätze werden täglich desinfiziert und die Interviewpartner müssen sich die Ansteckmikrofone selbst anbringen.

Auch das Einhalten der Abstandsregeln sei beim Dreh nicht immer einfach gewesen. «Unsere Moderatoren mussten sich daran gewöhnen, mit der Tonangel Stadtumfragen durchzuführen», bemerkt sie. Heute seien die Schutzmassnahmen Routine. «Im Frühling hatten wir das Gefühl, einen neuen Job zu haben», schildert Yves rückblickend.

Homeoffice war nicht möglich

Trotz der Massnahmen konnten sie auch während des Lockdowns mit dem Team vor Ort arbeiten. Was wichtig gewesen sei, denn beim Fernsehen sei Homeoffice nicht möglich. «Unsere 4K- und HD-Videodaten sind zu gross, um sie übers Internet zu verschicken», erklärt Yves.

Gemäss den Geschäftsleitern war der Lockdown jedoch nicht nur negativ: «Wir konnten Interviews mit Persönlichkeiten führen, die sonst sicher keine Zeit gehabt hätten», sagt Chantale. Dazu gehörten Personen aus der Gastronomie, Industrie und auch Künstler, die sonst auf Tournee gewesen wären. «Wir haben gezielt Personen interviewt, welche stark vom Lockdown betroffen waren», so Yves.

«So-Talk» mit Damian Meier

Die sonst üblichen Events fehlten

Während die Talkshows gut liefen, war die Planung in anderen Bereichen umso schwieriger. «Die Solothurner haben sich so gut an die Anweisungen vom Bundesrat gehalten, dass wir ein paar Wochen lang keine Stadtumfragen machen konnten», sagt Yves.

Später waren es die fehlenden Events, welche die Programmgestaltung erschwerten. «Ein Event wie das Open Air Etziken bedeutet für uns nicht einfach zwei Tage Festival, sondern bis zu zwei Wochen Arbeit», erklärt Yves. Das Highlight dabei: Wenn sie mit ihrer 14- bis 16-köpfigen Crew am Start seien. «Bei solchen Events unterstützen uns ehemalige Praktikanten und Freunde», ergänzt Chantale.

Auch die HESO, eines ihrer Herzensprojekte, habe dieses Jahr gefehlt. Im Moment arbeite das Team aber unter anderem an Vereinsporträts und einzelnen Reportagen. Trotzdem bedauert Yves: «Dadurch, dass die meisten Events fehlten, konnten wir nicht die gewünschte Vielfalt ins Fernsehen einbringen.»

Der Jahresrückblick werde dieses Jahr sicher kürzer sein, schliesst Chantale daraus. Nichtsdestotrotz sind sie zuversichtlich und hoffen, dass bald Normalität einkehrt. Der krönende Abschluss werde eine spezielle Neujahrssendung. «Es werden alle unsere Moderatoren dabei sein», berichtet Yves. Zu viel verraten wollen die beiden jedoch noch nicht.

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