Velolieferdienst

«Collectors» sind für kleine und grosse Geschäfte unterwegs – nur nicht für Coop

«Collectors» sind unterwegs – nur nicht für Coop.

Der Velokurierdienst «Collectors» ist in der Region Solothurn gut vernetzt. Doch an einem wesentlichen Detailhändler beissen sie sich schon lange die Zähne aus. Coop ist nicht interessiert. Nur die Zuchwiler Coop-Filiale macht mit.

Täglich sieht man die Collectors mit ihren Fahrrädern durch die Stadt flitzen. Ob sie nun auf dem Weg zu Abgabestellen sind, um Recyclinggut zu entsorgen, oder die Einkäufe ihrer Kunden nach Hause liefern. Seit der Gründung des Velolieferdienstes und Vereins im Juli 2016 wurden von den Fahrern rund 70'000 Kilometer zurückgelegt.

Die Mitarbeiter von Collectors machen ihre täglichen Fahrten im Rahmen eines Arbeitsintegrationsprogrammes. Seither ist Collectors stetig gewachsen. «Wir haben überall Werbung für unser Produkt gemacht», sagt Philipp Keel, Gründer und Geschäftsleiter des Velokuriers. Sei es auf dem Märet, an den Bike-Days, an öffentlichen Veranstaltungen. «Heute sind wir gut vernetzt in Politik und Wirtschaft.»

Kleine wie grosse Geschäfte

Collectors bietet verschiedene Produkte an – eins davon ist der Hauslieferdienst. Kunden müssen ihre Einkäufe nicht mehr selber nach Hause bringen, sondern sie können direkt im Geschäft, wo die Einkäufe getätigt wurden, abgegeben werden. Von dort aus werden diese von einem Fahrer der Collectors abgeholt und nach Hause geliefert.

Viele kleine Detailhandelsgeschäfte wie der Spielhimmel, Grüeni Chuchi und die Bäckerei Müller sind dabei, aber auch grosse Brocken wie Migros und Manor. Hauptzielgruppe für diese Dienstleistung sind Leute, die gerne selber einkaufen, aber nicht in der Lage sind, die Waren nach Hause zu bringen. Personen oder Familien ohne Auto, Verletzte und Rentner.

So wie beispielsweise Hanna Schneider aus Solothurn. Die Rentnerin aus Solothurn kauft gerne bei Coop ein, doch genau dieser Detailhändler ist in der Liste der Partnergeschäfte von Collectors nicht zu finden. «Ich schleppe jedes Mal die Einkäufe vom Coop Westring in das nahe gelegene Migros», sagt Scheider. Dort würde sie noch ein paar Sachen einkaufen und dann bei der Abgabestelle abgeben. Sie kaufe aber lieber bei Coop ein. «Für mich wäre das Mitmachen von Coop eine grosse Hilfe», sagt die Rentnerin zu ihrer Situation. Mit einem Leserbrief, der in dieser Zeitung erschienen ist, hat sie auf das Problem aufmerksam machen wollen. «Ich habe beim jungen Filialleiter vom Coop Westring nachgefragt, doch der Entscheid für eine Zusammenarbeit wurde von den oberen Strukturen abgelehnt.»

Coop Zuchwil als Ausreisser

«Coop wäre sehr gut für unsere Entwicklung», sagt Philipp Keel zu dieser Situation. Bei ihm trifft die fehlende Kooperation auf Unverständnis. Bei einer Anfrage bei den jeweiligen Filialleitern der Coop-Geschäfte im Raum Solothurn hätten sie sich zuerst interessiert gezeigt. Doch diese mussten dann später eine Absage erteilen. «Es schien alles an der Verkaufsleitung der Region Bern zu scheitern», interpretiert Keel die Absagen. Die Coop-Filialen im Raum Solothurn fallen unter diese Verkaufsregion.

Ausnahme ist das Coop in Zuchwil, das als einzige Coop-Filiale im Raum Solothurn mitmacht. Dort habe laut der Interpretation von Philipp Keel der Filialleiter zugesagt, ohne dies mit der Verkaufsleitung abzusprechen. Nun könne die Zusage nicht mehr zurückgezogen werden. «Dabei hätte Coop nur Vorteile», sagt Keel. Die Dienstleitung würde die Kundenzufriedenheit stärken, es müssten eventuell weniger Parkplätze verwaltet werden, da so viele auch zu Fuss einkaufen gehen könnten, und das Unternehmen kann ein soziales, ökologisches Projekt unterstützen. «Wir haben hier eine 4-win-Situation», sagt Keel. «Das Geschäft, der Kunde, der Fahrer und die Umwelt profitieren.»

Nachfrage nicht ausreichend

Zu dieser Ausgangslage sagt Désirée Hofer, Mediensprecherin der Coop-Verkaufsregion Bern: «Eine Ausweitung des Velolieferdienst-Angebotes im Raum Solothurn ist seitens der Verkaufsregion Bern nicht angedacht. Das Kundenbedürfnis in Solothurn sowie in diversen anderen Regionen der Coop-Verkaufsregion Bern scheint nicht ausreichend zu sein.» Anders sieht das die Migros Aare in Solothurn. Seit Juli 2016 arbeitet die Migros-Filiale mit Collectors zusammen. «Unsere Motivation für die Zusammenarbeit war das Kundenbedürfnis. Wir wollen das anbieten, was sich unsere Kunden wünschen», sagt Andrea Bauer, Mediensprecherin der Migros Aare. Trotz der zurzeit eher schwachen Nachfrage werde die Dienstleistung dennoch zur Verfügung gestellt. «Wir können so unseren Kunden einen ökologischen Zusatzservice anbieten, was ganz in unserem Sinne ist», sagt Bauer.

Trotz der bisher fehlenden Zusammenarbeit lässt sich Coop die Möglichkeit offen. «Coop wird die Nachfrage nach einer erweiterten Dienstleistung im Bereich Velolieferdienst im Raum Solothurn im Auge behalten», sagt Désirée Hofer von Coop.

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