Krankenkassenprämien

Claudia Hänzi zu teureren Prämien: «Kanton Solothurn ist immer noch günstig»

«Angebotsniveau ist angemessen und vernünftig»: Claudia Hänzi, Chefin des kantonalen Amts für soziale Sicherheit (ASO) in Solothurn

«Angebotsniveau ist angemessen und vernünftig»: Claudia Hänzi, Chefin des kantonalen Amts für soziale Sicherheit (ASO) in Solothurn

Die Solothurner Krankenkassenprämien steigen um durchschnittlich 5,4 Prozent, liegen aber noch unter dem Landesmittel. Das soll laut Claudia Hänzi, Chefin des kantonalen Amts für soziale Sicherheit, auch so bleiben.

Frau Hänzi, warum steigen die Prämien im Kanton Solothurn (+ 5,4 Prozent) stärker als im schweizerischen Durchschnitt (+4,0 Prozent)? 

Claudia Hänzi: Grundsätzlich liegt die Prämie im Kanton Solothurn immer noch unter dem Schweizer Durchschnitt. Aktuell beträgt die Differenz 14 Franken. In Kantonen mit tieferen Prämien gibt es einen gewissen Nachholbedarf. Bekannt ist, dass im Kanton Solothurn tendenziell zu tiefe Prämien bezahlt wurden, weshalb das Bundesparlament kürzlich einen Ausgleichsmechanismus beschlossen hat. Weiter gibt es gesamtschweizerisch eine Verschiebung vom stationären zum ambulanten Bereich, wo die Krankenkassen einen höheren Anteil tragen.

Bekommen die Prämienzahler jetzt zu spüren, dass der Kanton Solothurn das Kantonsspital Olten ausgebaut und den Neubau des Bürgerspitals Solothurn beschlossen hat?

Nein, die Prämien beziehen sich auf die medizinischen Leistungen. Eine so direkte Kausalität von Infrastrukturkosten zur Prämienhöhe gibt es nicht.

Ist der starke Anstieg die Folge der Schwierigkeiten der Solothurner Spitäler AG (soH)?

Auch das trifft nicht zu. Letztes Jahr lag der Prämienanstieg im Kanton Solothurn noch unter 3 Prozent.

Zwar liegt die Prämienhöhe im Kanton Solothurn leicht unter dem gesamtschweizerischen Mittelwert, doch gibt es 15 Kantone (wie etwa AG, LU, FR, SG, TG) mit tieferen Prämien als Solothurn. Hat der Kanton ein teures Gesundheitswesen?

Nein, das Angebotsniveau ist durchschnittlich, angemessen und vernünftig, und das in einem eher teureren Umfeld: Im Aargau sind die Prämien zwar leicht tiefer (um 12 Franken bei den Erwachsenen), in den Kantonen Bern und Baselland aber deutlich höher (um 41 beziehungsweise um 44 Franken).

Was kann der Kanton Solothurn dazu beitragen, dass die Prämien für die Bevölkerung weniger steigen?

Zum Teil hängen die Prämien von der Gesundheits-Infrastruktur ab, die der Kanton zur Verfügung stellt. Indem die Prämien nach wie vor unterdurchschnittlich sind, hat er bewiesen, dass er in diesem Bereich Mass gehalten hat. Nicht beeinflussbar ist aber, welche Leistungen die Bevölkerung bezieht, also die individuelle Anspruchshaltung.

Welche Entwicklung der Solothurner Krankenkassenprämien erwarten Sie für die nächsten Jahre?

Wir gehen davon aus, dass die solothurnischen Prämien weiterhin unter dem schweizerischen Durchschnitt bleiben. Ein rasches Angleichen an den Landesdurchschnitt sollte nach unserer Beurteilung nicht eintreten.

Der Kantonsrat hat soeben die Senkung des Kantonsbeitrags an die Prämienverbilligung um etwa 7 Mio. Franken für das Jahr 2015 beschlossen. Wenn nun die Prämien für 2015 deutlich steigen, verstärkt das doch noch den negativen Effekt für die Bevölkerung?

Die schwächsten Bezugsgruppen der Prämienverbilligung sind von der Senkung nicht betroffen: Für Empfänger von Ergänzungsleistungen (auch Familien-EL) und Sozialhilfe wird die Prämie weiterhin in jedem Fall vollständig gedeckt. Gespart wird, indem nur noch Einkommen unter 50 000 Franken Prämienverbilligung erhalten. Es sind weniger Personen anspruchsberechtigt, aber für diejenigen, die es bleiben, sinken die Mittel nicht. Die Massnahme trifft also den unteren Mittelstand, die Mittel werden auf die schwächsten Bezugsgruppen konzentriert. Und: Weil der Bundesbeitrag steigt, beträgt die Abnahme weniger als 7 Mio. Franken.

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