Print-Preis
Christof Ramser erhält Medienpreis für Serie zu den Parteihochburgen

Im Stadttheater in Olten wurden die besten Journalisten aus der Region ausgezeichnet. Der Preis in der Sparte Print geht an Christof Ramser von der Solothurner Zeitung. Auch Video-Redaktorin Simone Morger und AZ-Fotografin Sandra Ardizzone sind unter den Gewinnerinnen.

Noemi Lea Landolt
Merken
Drucken
Teilen
Medienpreis Aargau / Solothurn 2018

Medienpreis Aargau / Solothurn 2018

Claudio Thoma

In Hollywood werden die Besten der Besten mit einem goldenen Oscar ausgezeichnet. In Olten gibt es für die fünf Besten immerhin einen Pflasterstein. Die Ausgezeichneten sind in diesem Fall auch keine Schauspielerinnen oder Regisseure, sondern Journalistinnen und Journalisten, die im letzten Jahr hartnäckig recherchiert, sensibel fotografiert oder auf eine erfrischend überraschende Art und Weise Geschichten erzählt haben.

Am Montagabend wurden sie im Stadttheater Olten mit dem Medienpreis Aargau/Solothurn geehrt. Die Jury unter der Leitung von Hans Schneeberger hat die Preisträger aus 84 eingereichten Beiträgen ermittelt. Die Preissumme beträgt insgesamt 15'000 Franken.

Medienpreis Aargau / Solothurn 2018 Hans Schneeberger (Jury Präsident) begrüsst die anwesenden Gäste. Medienpreis Aargau / Solothurn 2018 im Stadttheater Olten. (30. April 2018)
26 Bilder
 Hans Schneeberger (Jury Präsident) begrüsst die anwesenden Gäste. Medienpreis Aargau / Solothurn 2018 im Stadttheater Olten. (30. April 2018)
 Roland Heim (Landamman Solothurn) bei seinem Grusswort. Medienpreis Aargau / Solothurn 2018 im Stadttheater Olten. (30. April 2018)
 Catherine Duttweiler (Fachjury-Leiterin Print) stellt den Gewinner in der Kategorie "Print" vor.
 Hans Schneeberger (Jury Präsident) übergibt den Preis in der Kategorie "Print" an Christof Ramser.
 Christof Ramser während der Preisverleihung.
 während der Preisverleihung.
 Marius Egger (Fachjury-Leiter Online) während der Preisverleihung.
 Simone Morger, die Gewinnerin in der Sparte Online
 Jürgen Sahli (Fachjury-Leiter Radio)
 Alex Moser, der Gewinner in der Sparte Radio
 Alex Moser, der Gewinner in der Sparte Radio
 Fiona Endres erhält den Preis von Hans Schneeberger während der Preisverleihung.
 Fiona Endres während der Preisverleihung.
 Emanuel Freudiger (Fachjury Foto) während der Preisverleihung.
 Sandra Ardizzone, Gewinnerin Foto
Die strahlenden Gewinner: (v.l.n.r) Simone Morger, Christof Ramser, Sandra Ardizzone, Alex Moserund und Fiona Endres.
 Vier der fünf Gewinner des Medienpreises: Christof Ramser, Simone Morger, Alex Moser und Fiona Endres (v.l.). Es fehlt Sandra Ardizzone.
 Eintreffen der Gäste
 Stimmung beim Apéro
 Stimmung beim Apéro
Medienpreis Aargau / Solothurn 2018
 Die zu vergebenden Preise

Medienpreis Aargau / Solothurn 2018 Hans Schneeberger (Jury Präsident) begrüsst die anwesenden Gäste. Medienpreis Aargau / Solothurn 2018 im Stadttheater Olten. (30. April 2018)

Claudio Thoma

Preis für «besten Regionaljournalismus»

Gleich drei der fünf Pflastersteine gingen an Journalisten der «Nordwestschweiz».

In der Kategorie Print ging der Preis an Christof Ramser. Der Journalist reiste für die Solothurner Zeitung, die zu den AZ Medien gehört, vor den Wahlen quer durch den Kanton. Besuchte etwa das SP-Nest Gerlafingen und die SVP-Hochburg Gretzenbach. Die fünf Gemeindeporträts würden aufzeigen, wie die einzelnen Regionen und Talschaften ticken und Ramser habe zudem hervorragend geschrieben, sagte Catherine Duttweiler, Leiterin Fachjury Print. Das sei bester Regionaljournalismus.

Videoredaktorin Simone Morger wurde für ihre Serie «Lüt us em Aargau» ausgezeichnet. Morger hat die unterschiedlichsten Aargauerinnen und Aargauer getroffen und ihnen allen die gleichen Fragen gestellt, etwa, was für sie Heimat sei. Dadurch sei es ihr gelungen, Aargauerinnen und Aargauern eine Stimme und dem Aargau so ein Gesicht zu geben, lobte Marius Egger, Leiter Fachjury Online.

Zwischen Tragik und Ästhetik

Auch AZ-Fotografin Sandra Ardizzone durfte sich über einen Pflasterstein freuen. Ihre Fotos zur Reportage über das Frauenhaus Aargau Solothurn haben die Jury überzeugt. "Es ist ihr gelungen, Tragik und Ästhetik zu verbinden", sagte Emanuel Freudiger, Leiter Fachjury Foto. Ihre Fotos würden leicht und würdig wirken – trotz schwerer Thematik.

Dunya (Name geändert) wurde von ihrem Mann geschlagen, flüchtete vor ihm in die Schweiz, wurde hier von ihrem Vater geschlagen und mit dem Tod bedroht.
59 Bilder
Heute sagt sie: «Es ist nicht in Worte zu fassen, wie sehr ich dem Frauenhaus dankbar bin.»
Dunya im Garten.
Wo das Frauenhaus Aargau Solothurn steht, ist geheim.
Kein rachsüchtiger Mann soll seine Frau oder Ex-Frau hier finden.
Wer ins Frauenhaus aufgenommen werden will, ruft die Nummer 062 823 86 00 an. Dann steht zuerst eine telefonische Beratung an.
Nur das Personal darf ins Büro.
Im Frauenhaus haben die Frauen Zeit, gesund kochen zu lernen.
Die Küche ist hell und modern.
Eine Klientin (Bewohnerin) bereitet das Mittagessen vor.
Zu Hause sind viele Frauen zu stark unter Druck, um richtig zu kochen.
Die Betreuerinnen planen die Mahlzeiten. Die Klientinnen kaufen ein und kochen.
Die Einkaufsliste.
Im Spielzimmer kümmern sich Betreuerinnen um die Kinder.
Blick in das Spielzimmer.
Züsi Born leitet das Frauenhaus.
Zeichnung mit Fensterfarbe.
Kinderwagen, Trottinett, Schneeschaufel: Das Frauenhaus ist gut ausgerüstet.
Viele Frauen sind nach dem Austritt unendlich dankbar und schicken Dankeskarten an das Frauenhaus.
Viele Kinder schenken den Betreuerinnen zum Abschied Zeichnungen.
Ihr eigenes Handy müssen die Frauen beim Eintritt abgeben. Zu gross ist die Gefahr, geortet zu werden.
Als Ersatz erhalten die Frauen ein einfaches Handy mit neuer Nummer, aber ohne Internetzugang.
Das eigene Smartphone darf nicht benutzt werden.
An diesem Computer dürfen die Frauen nach Jobs und Wohnungen suchen oder Mails abrufen.
Soziale Medien sind hingegen tabu.
Eindrücke aus dem Frauenhaus Aargau Solothurn – mit dieser Fotoserie gewinnt Sandra Ardizzone den Medienpreis
Im Garten steht ein Töggelikasten.
Gewisse Frauen dürfen nur in den Garten, nicht aber auf die Strasse. Sie könnten auf ihren Peiniger treffen.
Die Kinder dürfen sich im Spielzimmer Spielsachen ausleihen. Mit Lego und Duplo verarbeiten sie teilweise ihre Traumata.
Bücher und Spiele helfen ebenso bei der Verarbeitung verstörender Erlebnisse. Diese Bilderbücher thematisieren häusliche Gewalt.
Blick in ein Badezimmer.
Der Eingangsbereich.
Hier geht es zum Spielzimmer.
Für ältere Kinder gibt es den Jugendraum.
Auch eine kleine Bibliothek steht zur Verfügung.
«Meine Probleme weiss ich und meine Beraterin. Sonst niemand», sagt Hana (Name geändert), eine ehemalige Bewohnerin des Frauenhauses.
Damit der Garten von aussen nicht zu sehen ist, ist das Gelände umzäunt.
Gartenstühle zum Verweilen.
Eine Klientin telefoniert im Garten.
Das Telefon ist ein wichtiger Anker für die Frauen – ihr Bezug zur Aussenwelt.
Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, finden im Frauenhaus Unterschlupf.
Aufklärungsbmaterial zu Themen wie Sexualität liegt in mehreren Sprachen vor.
Eine Klientin richtet ihr Bett.
Auch der Aufenthaltsraum und Esssaal ist bunt eingerichtet.
Eine Klientin im Aufenthaltsraum und Esssaal.
Blick in ein Zimmer.
Jede Klientin erhält ihr eigenes Zimmer.
Weitere Impressionen aus dem Frauenhaus Aargau Solothurn.

Dunya (Name geändert) wurde von ihrem Mann geschlagen, flüchtete vor ihm in die Schweiz, wurde hier von ihrem Vater geschlagen und mit dem Tod bedroht.

Sandra Ardizzone

Solothurn-Redaktor fliegt nach New York

In der Kategorie TV gewann Fiona Endres. In ihrem Beitrag deckte sie auf, dass Azem Syla, ein kosovarischer Politiker, Sozialgelder aus dem Kanton Solothurn in den Aufbau seiner Mafia-Gang im Kosovo investiert haben soll. Endres gelinge es, mit klaren Worten und ohne Dramatisierung oder Emotionalisierung eine Geschichte zu erzählen. "Eine grosse Leistung", sagte Rolf Elsener, Leiter Fachjury TV.

Erstmals verlieh die Gottlieb und Hans Vogt Stiftung im Rahmen der Medienpreis-Verleihung auch ein Recherche-Stipendium an der Columbia University in New York. Lucien Fluri, Redaktor bei der Solothurner Zeitung, darf im Juni für drei Wochen ins Recherche-Camp nach Amerika fliegen.