In Hollywood werden die Besten der Besten mit einem goldenen Oscar ausgezeichnet. In Olten gibt es für die fünf Besten immerhin einen Pflasterstein. Die Ausgezeichneten sind in diesem Fall auch keine Schauspielerinnen oder Regisseure, sondern Journalistinnen und Journalisten, die im letzten Jahr hartnäckig recherchiert, sensibel fotografiert oder auf eine erfrischend überraschende Art und Weise Geschichten erzählt haben.

Am Montagabend wurden sie im Stadttheater Olten mit dem Medienpreis Aargau/Solothurn geehrt. Die Jury unter der Leitung von Hans Schneeberger hat die Preisträger aus 84 eingereichten Beiträgen ermittelt. Die Preissumme beträgt insgesamt 15'000 Franken.

Preis für «besten Regionaljournalismus»

Gleich drei der fünf Pflastersteine gingen an Journalisten der «Nordwestschweiz».

In der Kategorie Print ging der Preis an Christof Ramser. Der Journalist reiste für die Solothurner Zeitung, die zu den AZ Medien gehört, vor den Wahlen quer durch den Kanton. Besuchte etwa das SP-Nest Gerlafingen und die SVP-Hochburg Gretzenbach. Die fünf Gemeindeporträts würden aufzeigen, wie die einzelnen Regionen und Talschaften ticken und Ramser habe zudem hervorragend geschrieben, sagte Catherine Duttweiler, Leiterin Fachjury Print. Das sei bester Regionaljournalismus.

Videoredaktorin Simone Morger wurde für ihre Serie «Lüt us em Aargau» ausgezeichnet. Morger hat die unterschiedlichsten Aargauerinnen und Aargauer getroffen und ihnen allen die gleichen Fragen gestellt, etwa, was für sie Heimat sei. Dadurch sei es ihr gelungen, Aargauerinnen und Aargauern eine Stimme und dem Aargau so ein Gesicht zu geben, lobte Marius Egger, Leiter Fachjury Online. 

Antonino Vecchio: «Wenn ich mich als Ur-Lupfiger bezeichnet habe, ging ein Raunen die Leute»

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Wir wollen den Menschen im Aargau eine Stimme geben – und so dem Kanton ein Gesicht. Unter dem Titel «Lüt usem Aargau» sprechen wir mit möglichst vielen verschiedenen Aargauerinnen und Aargauern über ihr Leben und ihren Alltag. Hier gehts zum Dossier.

Zwischen Tragik und Ästhetik

Auch AZ-Fotografin Sandra Ardizzone durfte sich über einen Pflasterstein freuen. Ihre Fotos zur Reportage über das Frauenhaus Aargau Solothurn haben die Jury überzeugt. "Es ist ihr gelungen, Tragik und Ästhetik zu verbinden", sagte Emanuel Freudiger, Leiter Fachjury Foto. Ihre Fotos würden leicht und würdig wirken – trotz schwerer Thematik. 

Solothurn-Redaktor fliegt nach New York

In der Kategorie TV gewann Fiona Endres. In ihrem Beitrag deckte sie auf, dass Azem Syla, ein kosovarischer Politiker, Sozialgelder aus dem Kanton Solothurn in den Aufbau seiner Mafia-Gang im Kosovo investiert haben soll. Endres gelinge es, mit klaren Worten und ohne Dramatisierung oder Emotionalisierung eine Geschichte zu erzählen. "Eine grosse Leistung", sagte Rolf Elsener, Leiter Fachjury TV.

Erstmals verlieh die Gottlieb und Hans Vogt Stiftung im Rahmen der Medienpreis-Verleihung auch ein Recherche-Stipendium an der Columbia University in New York. Lucien Fluri, Redaktor bei der Solothurner Zeitung, darf im Juni für drei Wochen ins Recherche-Camp nach Amerika fliegen.