FDP-Präsident

Christian Scheuermeyer im Interview: «Acht Jahre sind eine gute Zeit»

Christian Scheuermeyer ist 46 Jahre alt und wohnt mit seiner Familie in Deitingen. Seit 2009 ist er Präsident der FDP Kanton Solothurn.

Christian Scheuermeyer ist 46 Jahre alt und wohnt mit seiner Familie in Deitingen. Seit 2009 ist er Präsident der FDP Kanton Solothurn.

Der FDP-Präsident Christian Scheuermeyer kündet per Ende August 2017 seinen Rücktritt an. Acht Jahre war er Präsident der Solothurner Freisinnigen. Ein Interview.

Im Frühling sind kantonale Wahlen – und Sie künden jetzt per August 2017 Ihren Rücktritt an. Nicht ein denkbar ungeschickter Zeitpunkt?

Christian Scheuermeyer: Nein. Ich halte das für einen sehr guten Zeitpunkt. Die Partei hat jetzt nämlich genügend Zeit, eine Findungskommission einzusetzen, die sich auf die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin macht.

Wenn ich den zweiten Regierungsratswahlgang und dann auch noch die Gemeinderatswahlen abgewartet hätte, wäre die Zeit zu knapp geworden. Ende August finden die Gesamterneuerungswahlen für die Parteigremien statt. Dann soll auch der neue Präsident oder die neue Präsidentin gewählt werden.

Und dennoch: Schwächen Sie damit nicht Ihre Partei mitten im Wahlkampf?

Es mag Leute geben, die so denken. Ich werde mich aber über die Wahlen hinaus bis zur Delegiertenversammlung vom 29. August 2017 weiterhin mit Vollgas für die Partei einsetzen. Es entspricht zudem meiner Art, mit offenen Karten zu spielen.

Ich habe mich bereits vor einiger Zeit dazu entschlossen, nach zwei Amtsperioden den Präsidentenstab abzugeben. Acht Jahre sind eine gute Zeit. Gemeinsam mit dem Parteivorstand habe ich dann den Zeitpunkt für die Rücktrittsankündigung festgelegt.

2009 haben Sie das Präsidium übernommen, 2017 geben Sie es wieder ab. Haben Sie ganz einfach genug?

Die Arbeit als Präsident der FDP macht mir immer noch sehr viel Spass. Mich Ende August erneut als Präsident zur Verfügung zu stellen, wäre für mich nur dann sinnvoll, wenn ich mich noch einmal für vier Jahre verpflichte.

Ein Nachfolger respektive eine Nachfolgerin hätte andernfalls keine Chance, sich seriös auf kommende Wahlen vorzubereiten. Zwölf Jahre an der Spitze einer Partei sind aber eine sehr lange Zeit. Im Vergleich mit anderen Kantonalpartei-Präsidenten der FDP sind schon acht Jahre eine lange Amtsdauer.

Bei den nationalen Wahlen im vergangenen Herbst konnte die FDP Kanton Solothurn erstmals seit 36 Jahren den Wähleranteil wieder steigern. Nach einem solchen Erfolg zurückzutreten, ist für mich ein guter Zeitpunkt.

Wird die FDP auch bei den kantonalen Wahlen im Frühling ihren Wähleranteil steigern können?

Wir sind zuversichtlich, dass uns das am 12. März gelingen wird. Im Übrigen möchte ich betonen, dass wir bei zurückliegenden Wahlen auf kantonaler Ebene trotz Verlusten immer die stärkste Partei geblieben sind. Wir konnten auch unsere beiden Regierungsratssitze halten. Das wird auch im kommenden Frühling so sein.

In den letzten Jahren hat die FDP auch wichtige Mandate verloren . . .

Der Solothurner Freisinn ist seit 2011 nicht mehr im Ständerat vertreten. Noch vor meiner Zeit, 2007, mussten wir den zweiten Nationalratssitz abgeben. Das waren bittere Niederlagen.

Sie haben im Sommer Ihr Blumengeschäft in Deitingen aufgegeben, jetzt kündigen Sie den Rücktritt als Parteipräsident an. Eine Neuorientierung auf allen Ebenen?

Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Beruflich habe ich mich bereits neu orientiert. Seit August arbeite ich bei der Luzerner Garten AG in Ebikon als Verkaufsleiter. Ab Januar werde ich dort die Geschäftsführung übernehmen. Meine neue berufliche Tätigkeit ist aber gut mit meinem politischen Engagement vereinbar. Zusammen mit meiner Familie wohne ich auch weiterhin in Deitingen.

Welche Pläne haben Sie für Ihre weitere politische Zukunft?

Zurzeit ist noch vieles offen. Vielleicht werde ich im Frühling für einen Sitz im Kantonsrat kandidieren, entschieden ist aber noch nichts. Zudem wurde ich auch angefragt, an den Gemeinderatswahlen in Deitingen teilzunehmen. Es könnte aber auch sein, dass ich mich zumindest vorübergehend aus der aktiven politischen Arbeit zurückziehe.

Sie haben zwei Mal für den Kantonsrat und einmal für den Nationalrat kandidiert, geklappt es nie. Eine Enttäuschung für Sie?

Wenn man als Politiker Karriere machen will, dann darf man nicht Parteipräsident werden. Als Parteipräsident muss man immer auch unpopuläre Entscheide treffen. Auf diese Weise macht man sich innerhalb der Partei nicht nur Freunde. Gerade weil ich keine politischen Mandate hatte, hatte ich zudem genügend Zeit, um im Vorstand der FDP Schweiz mitzuarbeiten.

Ist es nicht ein politischer Nachteil, dass Sie als Parteipräsident nicht im Kantonsrat vertreten sind?

Ich habe das nie so empfunden, auch wenn ich das immer wieder zu hören bekomme. Als Parteipräsident bin ich Teil des Fraktionsvorstandes. Ich habe mir zudem immer die Zeit genommen, an den Fraktionssitzungen teilzunehmen und mich dort auch aktiv einzubringen. Ich konnte mich einfach nicht an den Abstimmungen beteiligen.

In Ihre Amtszeit fällt die Umwandlung des Solothurner FDP in eine Mitgliederpartei. Eine Entscheidung, die etliche Freisinnige nicht gutheissen . . .

Ich bedaure es und es schmerzt mich auch sehr, dass einige prominente Parteifreunde nicht über ihren Schatten springen können. Der Solothurner Freisinn ist inhaltlich immer noch die gleiche Partei, auch wenn wir uns neue Strukturen gegeben haben. Diese neuen Strukturen haben einen wichtigen Anteil daran, dass wir finanziell wieder auf gesunden Beinen stehen. Das ist für mich innerhalb der Partei einer der wichtigsten Erfolge.

Die Suche nach einem Nachfolger dürfte nicht ganz einfach sein, schon 2009 war es schwierig . . .

Die Delegierten werden sicher nicht unter fünf Kandidierenden auswählen können, wie das jüngst bei den Regierungsratskandidaten der Fall war. Ich gehe aber davon aus, dass wir ein oder zwei valable Kandidierende finden werden. Das Parteipräsidium ist ein Hobby, das viel Verantwortung mit sich bringt. Das Parteisekretariat leistet dabei aber viel Unterstützung.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1