Halbzeitbilanz
Christian Imark: «Man kommt sich vor wie ein kleiner Napoleon»

Christian Imark ist der mit 30 Jahren jüngste Kantonsratspräsident der Solothurner Geschichte. Im Interview zieht er seine Halbzeitbilanz. In einem hat er sich schon entschieden: Er will nicht für den Regierungsrat kandidieren.

Bea Asper
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Christian Imark – ein stolzer Schwarzbube und ein stolzer Solothurner.

Christian Imark – ein stolzer Schwarzbube und ein stolzer Solothurner.

Hansruedi Aeschbacher

Wie sieht Ihre Agenda aus?

Christian Imark: Prall gefüllt. Neben der normalen Ausübung meines Berufes habe ich in diesem Jahr bereits über 120 Anlässe in der Funktion des Kantonsratspräsidenten besucht.

Wo sind Sie am meisten anzutreffen?

Gute Frage. Es kommt auf die Einladungen an. Selbstverständlich gehe ich in jede Region. Als Thiersteiner ist es mir aber ein Anliegen, dass die Schwarzbuben nicht zu kurz kommen.

Ihr eindrücklichstes Erlebnis?

Imark will nicht in den Regierungsrat

Christian Imark, amtierender Kantonsratspräsident und potenzieller Regierungsratskandidat der SVP für die Wahlen 2013, hat sich entschieden: «Ich werde nicht als Regierungsratskandidat zur Verfügung stehen.» Der 30-Jährige will in den nächsten Jahren weitere Erfahrungen in der Privatwirtschaft sammeln. Zudem sei es «gefährlich, zu schnell zu viel zu wollen», meint Imark. «Meine Erlebnisse als Kantonsratspräsident sollen sich erst einmal setzen.» Es sei aber durchaus möglich, dass er in der Zukunft als Regierungsrat kandidieren werde. Ebenfalls nicht als Regierungsratskandidatin der SVP antreten wird Kantonsrätin Colette Adam. «Ich will in den nächsten Jahren den Aufbau meiner Anwaltskanzlei vorantreiben», sagt sie gegenüber dieser Zeitung. Damit interessiert sich, bis jetzt, vonseiten der SVP einzig Kantonsrat Albert Studer für einen Sitz in der Regierung. (esf)

Sehr eindrücklich ist zu erleben, was für uns Schweizer im Grunde genommen pure Normalität und Selbstverständnis ist. Jedes Jahr wird eine neue Person des Volkes zum «höchsten Solothurner» gewählt und über die gesamte Dauer eines Kalenderjahres gewürdigt. Dieser eindringliche Akt der Demokratie wird in solch beispielloser Manier zelebriert, dass man sich bisweilen vorkommt wie ein kleiner Napoleon, obschon man nur der Kantonsratspräsident ist.

Der jüngste, höchste Solothurner in der Kantonsgeschichte zu sein, ist nochmals etwas Besonderes?

Für die erfolgreiche Führung des Amtes spielt das Alter genauso wenig eine Rolle wie die Parteizugehörigkeit. Die Anzahl der bisherigen Amtsjahre ist hingegen schon wichtiger. Bereits vor Jahren habe ich in einer Arbeit die wichtigsten Aufgaben und Tätigkeiten eines Kantonsratspräsidenten festgehalten. Es sind dies die korrekte Führung der Debatten und Abstimmungen und die Gleichbehandlung aller involvierten Räte, Parteien und Fraktionen. Natürlich kann ich mein junges Alter bestens nutzen, um Angelegenheiten der Solothurner Politik bekannt zu machen, und ganz allgemein, um Barrieren zu durchbrechen.

Wie ist die Reaktion der Leute?

Sehr positiv. Viele finden es gut, dass letzten Dezember zum ersten Mal in der Geschichte des Kantonsrats ein 29-Jähriger zum Präsidenten gewählt wurde. Ich selber versuche, stets die Institution Kantonsrat ins Zentrum zu rücken und zu stärken. Denn diese stand in der Vergangenheit, zu Unrecht, oft in der Kritik oder wurde nicht genügend ernst genommen. Dabei leistet man gute Arbeit und ist effizient. Anliegen werden aufgegriffen, kontrovers diskutiert und beurteilt. Die Kernaufgabe eines jeden Parlaments. Meine Person spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Was empfehlen Sie den Schwarzbuben?

Kommen Sie am 28./29. August oder 4./5. September nach Nunningen in die Hofackerhalle, wo die Kantonsratssession wegen des Umbaus im Rathaus Solothurn stattfindet, knüpfen Sie Kontakte und erzählen Sie vom Schwarzbubenland, von der Landschaft, von der Arbeit, von den Menschen. Dies ist unsere Hausaufgabe, wenn die Solothurner Politik bei uns im Schwarzbubenland zu Gast ist. So funktioniert die Politik.

Wie soll sich das Schwarzbubenland wirtschaftspolitisch ausrichten?

Ich sehe gute Möglichkeiten unserer Region als Wohnregion mit einem reichhaltigen Angebot an internationalen und regionalen Arbeitsplätzen sowie Angeboten zur Erholung und Freizeitgestaltung. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft liegt nach wie vor in der Anbindung an die Agglomeration Basel, durch welche wir stets eine der kleinsten Arbeitslosenraten des Kantons aufweisen. Die Verkehrsprobleme werden, zu Unrecht, oft als isolierte Probleme betrachtet. Richtig ist, dass sich Gebiete und Ortschaften von jeher vor allem durch optimale Verkehrswege entwickeln. Eine Verbesserung der Anbindung an Basel hat damit höchste Priorität. Leider verlieren wir diesen Fokus für unsere Region aufgrund vieler kleiner Nebenschauplätze und Visionen zu oft aus den Augen. «Wer alles will, bekommt am Ende nichts.» Wir müssen den Ausbau des privaten und öffentlichen Verkehrs nach Basel stärker fordern und es ist wichtig, dass wir Schwarzbübinnen und Schwarzbuben dabei mit geeinter Stimme sprechen.

Manche Gemeinden liegen im Streit mit dem Kanton. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen dem Schwarzbubenland und dem Kanton?

Ich teile die Feststellung, dass die Unzufriedenheit gegenüber dem Kanton immer grösser wird, nicht. Die meisten, denen ich begegne (das sind momentan viele), sind froh, dass sie im Kanton Solothurn wohnen, wo es keine zentralistische Tendenzen gibt und ausreichend Möglichkeiten zur politischen Einflussnahme existieren, von denen in anderen Halb- und Vollkantonen nur geträumt werden kann. Es ist eine Umgebung, in der man glücklicherweise für seine Rechte kämpfen kann, auch stur sein kann und gleichzeitig visionär, einen uferlosen Horizont für Ideen hat und doch realitätsnah ist und unverblümt. Von nichts kommt eben auch nichts.