Auf einen Kaffee mit ...
Chef von Radio 32: «Wir sind mehr als nur Beriesler»

Thomas Denzel ist der Chef von Radio 32. Was den «smarten Rocker, trotzt harter Zeiten» immer wieder nach Salzburg treibt, erzählt er bei einer Tasse Kaffee.

Theodor Eckert
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Thomas Denzel, der smarte Rocker, trotzt harten Zeiten.

Thomas Denzel, der smarte Rocker, trotzt harten Zeiten.

Hanspeter Baertschi

Der Geschäftsführer von Radio 32 reist in diesen Tagen zum wiederholten Male nach Salzburg. Nicht etwa, weil es ihm die Mozartkugeln besonders angetan hätten. Thomas Denzel besucht vielmehr zusammen mit Martin Ackle, seinem Leiter Unterhaltung, ein erprobtes Tonstudio. Spezialisten sollen dort die neuen Erkennungsmelodien für den Sender vom Jurasüdfuss erarbeiten.

Beim künftigen Soundlayout, wie es Denzel nennt, wird nichts dem Zufall überlassen. So kommen etwa bekannte Stimmen zum Einsatz: Engagiert wurden nämlich die Solothurner Sängerinnen Jane und Lesley Bogaert. Beide haben internationale Bühnenerfahrung und sind mehrfach mit bekannten Stars aufgetreten. «Die Zusammenarbeit funktioniert bestens. Es kann denn nach getaner Arbeit auch schon mal vorkommen, dass sich vier Solothurner in Österreich beim Inder zum Abendessen treffen», verrät der Radio-32-Chef.

Das Jubiläumsjahr

Und wofür der ganze Aufwand, bitteschön? Denzel strahlt und fügt an: «Wir feiern 2016 unser 25-jähriges Bestehen, und zu diesem Jubiläum ist doch im Laufe des Jahres eine Auffrischung unseres akustischen Auftritts durchaus angebracht.» Oh, pardon, in unserer Agenda fehlte dieser Eintrag.

Und, womit dürfen die Hörerinnen und Hörer sonst noch rechnen, was geht so ab? Am kommenden 24. Februar, also am eigentlichen Geburtstag, werde am Sender gefeiert. Dies mit Gästen im Solothurner Studio und Einspielungen von prominenten Gratulanten. Geplant seien zudem Programmanpassungen – «lasst euch überraschen», so Denzel – eine grosse Sommerparty im Juni mit bekannten Gesichtern aus der Musikszene auf dem Dornacherplatz sowie einem Tag der offenen Tür nach den Sommerferien, aber noch vor der HESO.

Wirtschaftlich gefordert

Der 53-jährige Denzel, Vater einer 9-jährigen Tochter und eines 4-jährigen Sohnes, war auch bei Radio 32 Geburtshelfer. Wenn einer den Sender und dessen Entwicklung überblicken kann, dann er. Entsprechend sprudelt es aus ihm heraus. Radiomachen sei wesentlich anspruchsvoller geworden, sowohl was das Programm anbelange als auch technisch und finanziell.

Die Region Solothurn-Olten-Oberaargau sei zu Beginn Privatradio-mässig ein weisser Fleck gewesen, und man habe primär versucht, anders zu sein als das damals biedere Schweizer Radio. «Die Szene hat sich inzwischen massiv verändert, die Konkurrenz wächst ständig, Stichwort Internet-Radios, und mit der Digitalisierung sind enorme Kosten auf uns zugekommen», fasst Thomas Denzel die aktuelle Situation zusammen. Das Ende der Fahnenstange sei noch längst nicht erreicht.

Er liefert ein Beispiel: «Die Leute wollen Sendungen zunehmend dann hören, wenn ihnen danach ist», erklärt er und spricht das Angebot Podcast an, also Radio zum «nachelose». Es ist herauszuhören: Einfacher werden die Zeiten nicht.

Auch nach 25 Jahren in Diensten von Radio 32 schwärmt der Porsche-Fahrer vom Medium Radio, seinem Radio: «Wir können die Menschen vom Aufstehen über ihre Fahrt im Auto, während der Arbeit bis tief in die Nachtstunden unterhalten und informieren. Dabei bilden wir unsere Region politisch, gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich audiomässig am besten ab. Wir haben viele treue und zufriedene Hörer.» Das tönt aber schwer nach Werbespruch, lieber Thomas Denzel.

Er lacht verschmitzt und antwortet auf die Frage, ob er denn keine kritischen Stimmen zu hören bekomme: «Bezüglich der Musikauswahl gibt es natürlich immer wieder Unzufriedene, das ist völlig normal. Die bevorzugten Stilrichtungen unterscheiden sich massiv.» Zudem gebe es Zuhörer, die ständig dieselben Stücke oder Interpreten zu hören glauben. Adele mit ihrem tollen Song «Hello» sei gegenwärtig so ein Fall. Die interne Statistik zeige aber meist, dass dem nicht so sei.

Was mag denn der Chef? Beruflich betrachtet stimme für ihn der Mix, aber privat bevorzuge er natürlich härtere Sachen, schliesslich sei er ein Rocker, und zusammen mit der Frau könne er durchaus auch klassische Musik geniessen. Wie bitte, Rocker? «Ja, ich bin Mitglied der Band Blues Rock Maschine. Darf ich gleich nochmals etwas Werbung machen? Wir spielen am Samstagabend im Pisonikeller Kriegstetten, da wird die Post abgehen.» Ja, ja, schon gut.

Weitere 25 Jahre

Letzte Frage: Das 50-Jahr-Jubiläum von Radio 32 werden Sie nicht mehr verantworten, sondern allenfalls als Ehrengast mitfeiern. Was wird sich bis dann verändert haben? Denzel denkt lange nach, wägt ab und sagt: «Das Medium Radio wird überleben. Wir sind schnell, informativ und unterhaltsam. Wohin sich der Umgang damit und die Technik weiterentwickeln werden, kann ich heute beim besten Willen nicht sagen. Zu turbulent waren bereits die vergangenen 25 Jahre.»

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