Auf einen Kaffee mit...

Chef des Berufsverbandes Swissmechanic: «Die Ansprüche steigen stetig an»

Swissmechanic-Geschäftsführer Enzo Armellino bei den Ausbildungs-Maschinen.

Swissmechanic-Geschäftsführer Enzo Armellino bei den Ausbildungs-Maschinen.

Auf einen Kaffee mit … Enzo Armellino, Geschäftsführer des kantonalen Berufsverbands Swissmechanic.

Seit eineinhalb Jahren ist Enzo Armellino als Geschäftsführer beim Berufsverband Swissmechanic Solothurn tätig. Seine Aufgabe ist es unter anderem, junge Menschen für mechanische und technische Berufe zu begeistern.

Für Armellino war dies eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Ursprünglich lernte er Mechaniker bei der Firma ETA in Grenchen, bildete sich dann zum Maschinen- und Wirtschaftsingenieur weiter und landete später in der Bankenbranche. «Das zeigt, dass Mechaniker eine solide Grundausbildung ist und man zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten hat.»

Ohne Mathematik geht nichts

Dies will er auch den Schülerinnen und Schülern vermitteln, die auf Lehrstellensuche sind. Um Nachwuchs für die Branche sicherzustellen und einem Fachkräftemangel vorzubeugen, führte Swissmechanic vergangene Woche erstmals ein sogenanntes Berufserkundungsschnuppern durch. Die Teilnehmenden bekamen in den Räumen des Verbandes Einblick in die Berufswelt der Mechaniker und lernten erste Handgriffe wie das Feilen. Drei Tage sollten zeigen, ob ein technischer Beruf für die Schüler infrage kommt und ob sie sich dafür eignen. Mathematische Fähigkeiten und gutes räumliches Vorstellungsvermögen sind dabei gemäss Armellino besonders wichtig.

«Mechaniker und Konstrukteur sind stark technisch geprägte Berufe, man muss Drehzahlen berechnen oder sich bestimmte Dimensionen vorstellen können», so der Geschäftsführer. Bei Swissmechanic, aber auch in den Berufsschulen, stelle man vermehrt fest, dass das Wissen bei den Lernenden zu tief sei. Das Flair für den Umgang mit Zahlen habe im Vergleich zu früher abgenommen, meint Armellino.

Dazu komme, dass die einfachen Verrichtungen heute grösstenteils automatisiert sind. «Die Ansprüche steigen stetig an, heute braucht man verschiedene Kompetenzen, während man früher noch eher der Handwerker war», so Armellino. Der Umgang mit dem Computer ist aber längst nicht alles. Polymechaniker zum Beispiel müssten heute im Alltag auch elektrisches Wissen und Können mitbringen und vermehrt zu Allroundern werden.

Quereinsteiger in die Branche holen

Die Teilnehmer des ersten Schnupper-Kurses besuchten am Mittwoch drei verschiedene Firmen. «Es sollen sich auch kleinere und mittlere Unternehmen präsentieren können, die tendenziell eher Mühe haben, Lehrstellen zu besetzen», so Armellino. Für grosse Firmen wie ETA oder Stryker, die ein gewisses Renommee haben, sei dies viel leichter.

Neben den Angeboten für Schüler und den überbetrieblichen Kursen für Solothurner Lernende bietet Swissmechanic auch Praktika für erwachsene Quereinsteiger an. Sie lernen Grundlagen der maschinellen Fertigung – wie das konventionelle Fräsen und Drehen. «So können wir Leute in die mechanisch-technische Welt holen», erzählt Armellino. Erwachsenenbildung wird bei Swissmechanic Solothurn in Zukunft vermehrt eine Rolle spielen, im Zuge der technologischen Entwicklung. «Hier müssen wir dranbleiben und Fachkräfte ausbilden, die auf dem Markt auch gefragt sind.» In der Medizinaltechnik, im Maschinenbau oder in der Décolletage – überall suche man händeringend nach guten Leuten.

Die Branche ist gemäss Armellino nach wie vor männerdominiert: «Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich mehr Frauen zu Mechanikerinnen ausbilden lassen würden, denn sie sind genauso geeignet dafür wie Männer.»

In den nächsten Jahren rechnet man jedoch zunächst mit einem Rückgang der Lernenden, da die Zahl der Schulabgänger leicht abnimmt. «Wir wissen nicht, welche Auswirkungen das auf unsere Branche haben wird», so Armellino. Auch sonst ist bei Swissmechanic noch einiges offen; unter anderem, wo die Ausbildungsräume künftig stehen werden. Im Firmengebäude in Gerlafingen fand bereits 1986 die erste Ausbildung statt, nun will man modernisieren, neue Räumlichkeiten suchen.

Für den Moment hofft Armellino jedoch, dass das Berufserkundungsschnuppern bei den Teilnehmern dieselbe Faszination geweckt hat, die er selbst nach Jahrzehnten noch verspürt.

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