Auf einen Kaffee mit...

Chef der «Solothurner Becke»: «Gutes Brot fordert mich täglich heraus»

Bruno Liebi aus Stüsslingen ist bis heute noch der «oberste» Solothurner Bäcker.

Bruno Liebi aus Stüsslingen ist bis heute noch der «oberste» Solothurner Bäcker.

Bruno Liebi (50) ist Präsident der «Solothurner Becke». Der Stüsslinger Bäcker- und Konditormeister weiss: Im Kanton gibt es momentan noch 45 Betriebe, die Backwaren herstellen.

Für den 50-jährigen Bäcker- und Konditormeister Bruno Liebi gibt es morgen um 8 Uhr wahrscheinlich nicht die erste Kaffeepause. Um diese Zeit hat er schon mehr als den halben Arbeitstag hinter sich, denn begonnen hat er mit seinem «Tagwerk» um halb zwei Uhr morgens. «Ich bin mir diesen Arbeitsrhythmus gewohnt», sagt Liebi schmunzelnd.

Um 13 Uhr gehe er dann für vier Stunden schlafen und dann, nach einem frühen Abendessen, nochmals vier Stunden. «Wer mit frühem Aufstehen Mühe hat, ist nicht der Richtige für den Bäckerberuf», setzt er hinzu. Für ihn selbst ist die frühe Tagwacht kein Problem. «Ich glaube, wenn dieser Rhythmus regelmässig ist, macht es nichts. Unterschiedliche Schichten zu arbeiten, finde ich viel schlimmer.»

Liebi ist seit 1996 Inhaber des «Landbeck» in Stüsslingen. Irritierenderweise spricht er aber Berndeutsch, so urchig wie ein Thuner. «Meine Familie stammt aus Steffisburg», erklärt er. Schon seine Eltern führten dort eine Bäckerei, suchten aber etwas Eigenes und kamen dann vor dreissig Jahren nach Stüsslingen.

Ein paar Jahre später trat Sohn Bruno in die Fussstapfen des Vaters. Hauptgeschäft des «Landbeck» ist der Verkaufsladen im Zentrum von Aarau, an der Casinostrasse 30. Im gut 1000-Seelen-Dorf Stüsslingen ist die Produktion angesiedelt sowie ein kleiner Bäcker-Laden zu finden. «Diesen haben auch meine Eltern eingerichtet.»

Bruno Liebi und seine Partnerin sowie die insgesamt 17 Mitarbeitenden erarbeiten sich ihren Lebensunterhalt aber nicht nur mit dem Laden in Aarau. «Wir sind auch der Brot- und Gebäcklieferant des Kantonsspitals Olten und täglich mit unserem Lieferservice unterwegs. Wir liefern in der Umgebung und bis nach Suhr, und dies schon viele Jahre», ist Liebi stolz und verrät, der Lieferdienst sei ein Bereich, in dem heute noch wirklich etwas zu verdienen sei.

Handschuhe oder nicht?

Dass es ein Dorfbäcker heute nicht mehr so einfach hat, ist kein Geheimnis. Liebi präsentiert Zahlen: «Gab es vor 18 Jahren noch 85 Backproduktionsbetriebe im Kanton Solothurn, sind es heute noch 45.

Er als Präsident der «Solothurner Becke» weiss Bescheid und prognostiziert, dass dieser Negativ-Trend weitergeht. Welche Bank gibt heute einem Bäcker Kredit für einen Laden? Es fehle an selbstständigem Nachwuchs.

Leute, die gewillt sind, Verantwortung zu übernehmen. Zudem machten die vielen hygienetechnischen und Lebensmittel-Vorschriften den Bäckern das Leben schwer. «Soll man nun ein Brot nur noch mit Handschuh dem Kunden reichen? Solche Diskussionen führen wir heute. Gerade gestern stand ein Kunde im Laden und beschwerte sich über die Mitarbeiterin, die sich die Hände desinfizierte. Dies mochte er nun gar nicht. Auch das gibt es. Was also ist richtig?»

Liebi weiss dennoch Positives zu berichten. «Momentan können wir uns nicht über fehlende Lehrlinge beklagen.» Und er weiss auch, warum sich junge Leute heute zum Bäcker ausbilden lassen. «Es ist die Krise. Sobald es etwas zu kriseln beginnt, überlegt man sich halt schon, ein Handwerk zu erlernen. Brot wird halt immer gegessen.»

Solothurner und Berner

Wären denn nicht neue Arbeitszeitmodelle die Zukunft für die Bäckereibetriebe? Zum Beispiel frisches Brot eher am Abend zu verkaufen als am Morgen? «Das kann funktionieren, kommt aber auf den Betrieb an», so Liebi. «Das Kantonsspital würde es sicher nicht schätzen, wenn es erst am Nachmittag frische Backwaren gäbe.» Doch er wisse, dass solche Modelle durchaus erfolgreich sein könnten.

Heute Abend findet in Solothurn die Generalversammlung der «Solothurner Becke» statt, wo beschlossen wird, den kantonalen Berufsverband mit demjenigen des Kantons Bern zusammenzulegen. Diese Fusion sei unter den Mitgliedern unbestritten und ein Gebot der Stunde, meint Liebi. «Wir haben immer weniger Mitglieder und finden auch immer weniger Leute, die bereit sind, im Verband aktiv mitzuarbeiten. Im Kanton Bern sieht es nicht besser aus, doch verfügt dieser Verband mit rund 250 Mitgliedern über einen grösseren Pool an Leuten. Mit uns Solothurnern sind es dann rund 300 Mitglieder im Verband Bern-Solothurn.»

Es sei auch nichts Neues, dass die beiden Kantonal-Verbände zusammenarbeiteten, so der Stüsslinger weiter. Seit rund acht Jahren führen beide Kantone gemeinsam in Langenthal die überbetrieblichen Kurse für ihre Lehrlinge durch. Vorher schon besuchten die Solothurner Lehrlinge die Berufsschule in Biel. «Der Kanton Bern ist uns Solothurnern also sehr nahe.» Liebi selbst übt seit zehn Jahren das Amt des solothurnischen Präsidenten aus, vorher amtete er acht Jahre als Sekretär. Damit ist dann auch heute Abend Schluss.

Was ist ihm denn an seinem Handwerk das Liebste? «Das Brot», sagt der Bäcker, ohne zu überlegen, und seine Augen leuchten. «Es ist jeden Tag eine Herausforderung, ein gutes, bekömmliches Brot zu backen. Im Sommer ist es anders als im Winter, wegen der Hefe.» Und dann die tägliche Frage, wie viel Stück es von jedem einzelnen Produkt braucht: «Das weiss man nie im Voraus.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1