Die Regiobank Solothurn, eines der wenigen noch unabhängigen Geldinstitute im Kanton, kann auf ein gutes Geschäftsjahr 2016 zurückblicken. Sowohl das Geschäftsvolumen wie auch der Geschäftserfolg haben sich gegenüber dem Vorjahr verbessert. Das sei im unverändert herausfordernden Umfeld nicht selbstverständlich, sagt Bankchef Markus Boss.
Die Kundenausleihungen haben sich um 2,3 Prozent erhöht. Allein die Hypothekarforderungen, das Hauptgeschäft der Regiobank, stiegen um 2,8 Prozent auf fast 2 Milliarden Franken. Damit haben wir unser Ziel übertroffen», so Boss.

Angesichts der erhöhten Mindestanforderungen an die Kreditnehmer habe man eigentlich mit einem tieferen Plus gerechnet. Er hält aber fest, dass man sämtliche Kreditvergabekriterien wie Belehnungshöhe, Tragbarkeit und Amortisationen strikte einhalte. «Wir haben die Schleusen nicht geöffnet.» Trotz Wachstum im Hypothekengeschäft habe man sogar Wertberichtigungen auflösen können.

Das Potenzial für Wohneigentumskredite bleibe vorhanden. Kein Wunder, bei den rekordtiefen Hypothekarzinsen. Auffallend sei, dass «kaum Anfragen mit abstrusen Vorstellungen auf der Bank eintreffen». Die Interessenten seien heute sehr gut informiert und sie seien im Bild über die geltenden Anforderungen, um einen Hypothekarkredit erhalten zu können. Trotz dem vorhandenen Wunsch nach den eigenen vier Wänden «sehen wir in unserer Region keine Gefahr für eine Immobilienblase», erklärt Boss. Die Immobilienpreise seien nie wie in anderen Regionen konstant massiv gestiegen. Er beobachtet: «Die bezahlten Preise entsprechend jeweils dem realen Wert.»

Gegen Lockerung der Kriterien

Angesichts des noch länger anhaltenden tiefen Zinsniveaus machen sich Institute wie Migrosbank oder Raiffeisen-Gruppe stark für eine Lockerung der Hypothekarvergabepraxis. So soll etwa im Bereich der Tragbarkeit mit einem tieferen kalkulatorischen Zinssatz gerechnet werden. Das sei bei der Regiobank kein Thema. Boss findet die Vorstösse «unnötig». Denn heute schon sei es jeder Bank möglich, Kredite zu vergeben, «auch wenn nicht alle Ampeln auf grün stehen». Entscheidend sei die Gesamtbeurteilung eines Kunden. Solche Ausnahmen – exception to policy genannt – müssten immer wohlbegründet sein. Bei der Regiobank gebe es nur ganz wenige dieser Ausnahmen.

Überraschend hoch ist der Zufluss an Kundengeldern. Obwohl die Sparzinsen im Keller sind und jene für Kassenobligationen nur wenig höher, sind die Einlagen insgesamt um 5,6 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Verzinsung lag bei 0,22 Prozent. Boss spricht von «einem Vertrauensbeweis» seitens der Kundschaft. Eine Garantie könne er nicht abgeben, aber «ein Überwälzen der Negativzinsen auf die Privatkunden ist derzeit kein Thema». Einzig institutionelle Anleger müssten in Einzelfällen in den sauren Apfel beissen.

Zinsengeschäft unter Druck

Das Tiefstzinsniveau bereitet der Bank auf der Ertragsseite Bauchweh. Nicht zuletzt drücken auslaufende Festhypotheken, die zu deutlich tieferen Zinssätzen verlängert werden, auf die Marge. Diese ist von 1,13 auf 1,10 Prozent gesunken. Der Rückgang habe aber durch das gewachsene Hypothekargeschäft kompensiert werden können. Am Margendruck werde sich 2017 nichts ändern. «Wir wollen aber dank der weiterhin positiven Grundstimmung im Hypothekarbereich weiter wachsen.» Gesamthaft rechnet Boss mit einem leicht besseren Ergebnis.

Ein Höhepunkt werde die Eröffnung der für mehrere Millionen Franken erbauten neuen Geschäftsstelle in Zuchwil sein. Sie soll im November öffnen und den jetzigen Standort ersetzen. Ein Rückzug aus Zuchwil sei nie ein Thema gewesen. Boss: «Die persönliche Beratung der Kunden vor Ort ist wichtiger denn je.»