Wenn sich der Verkehr auf der A1 zwischen den Verzweigungen Härkingen und Luterbach staut, leidet vor allem Oensingen darunter. Eine Autokolonne schleppt sich dann jeweils durch die Gemeinde. Wer weiter ins Thal will, braucht Geduld. Das soll aber nicht so bleiben.

Für den Ausbau der Autobahn 1 auf sechs Spuren hat der Bund 60 Millionen Franken für sogenannte Flankierende Massnahmen (Flama) reserviert.

Diese sollen den Kantonen Bern und Solothurn zugutekommen – um die negativen Auswirkungen des Spurenausbaus, wie etwa Stau und Ausweichverkehr in den Regionen, zu vermindern. Welche Summe dem Kanton Solothurn zufallen wird, ist derzeit noch unklar.

Die Chancen stehen aber gut, dass die Verkehrssituation in Oensingen entschärft wird, wenn 2022 die Bauarbeiten für die A1 starten. Markus Flury, Oensingens Gemeindepräsident, sagt: «Über kurz oder lang gibt es einen Verkehrskollaps, wenn keine Änderung kommt.»

«Wir wollen keine Umfahrung»

In Oensingen stehen drei Massnahmen zur Diskussion. Die Sanierung der Ortsdurchfahrt, einen A1-Direktanschluss der Oensinger Industrie und die Entlastungsstrasse Oensingen–Niederbipp.

Was davon realisiert wird, ist noch unklar. Für Flury steht aber fest: «Wir wollen keine Umfahrung, sondern Entlastung.» Der Verkehr soll weiterhin durch Dorf fliessen, denn davon profitiert das Gewerbe.

Aber: «Der Schwerverkehr muss raus», sagt Flury. Dann wäre schon viel erreicht. Das Problem: Wenn es auf der A1 Richtung Bern Stau gibt, nehmen viele Lastwagen die Ausfahrt Oensingen, fahren auf dem Zubringer weiter zur Ausfahrt Nord und landen dann mitten im Dorf.

2013 verabschiedete Oensingen ein Gesamtverkehrskonzept, das dem Kanton vorliegt. Und das bereits in die Planung eingeflossen sei. Der Ball liege nun beim Kanton, sagt Flury.

Kanton will eine Entlastung

Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Kantons Solothurn erarbeite nun Lösungen für die Umgestaltung des Anschlusses Oensingen, sagt Gabriele Crivelli, Sprecher beim Bundesamt für Strassen (Astra).

Zur Diskussion stehen laut Crivelli ebenfalls verkehrliche flankierende Massnahmen. Im Ausführungsprojekt werde dann auch bestimmt, welche Massnahmen der Bund durch Flama-Gelder finanziere.

Für den Kanton ist vor allem wichtig, dass die betroffenen Strassen entlastet werden. So wird auch der Anschluss Egerkingen umgestaltet. Wie das letztlich finanziert werde, sei nicht entscheidend, sagt Bernardo Albisetti, Sekretär des Solothurner Bau- und Justizdepartements (BJD).

Für den Ausbau der A1 auf sechs Spuren hat der Bund 818 Millionen projektiert, die für den Abschnitt zwischen den Verzweigungen Härkingen und Luterbach vorgesehen sind.

Bestimmt werden muss nun, welche Strassenabschnitte zur Autobahn zählen und welche zur Kantonsstrasse. Jene der Autobahn werden wohl mit den vorgesehenen 18 Millionen für den Ausbau finanziert, die anderen mit den vorgesehenen 60 Millionen für flankierende Massnahmen.

Albisetti betont, dass die Aufteilung der Flama-Gelder zwischen den Kantonen Solothurn und Bern nicht zu Konkurrenz führe. Bern sei durch einen Ausbau der A1 stärker belastet. Etwa durch den Autobahnzubringer Emmental und Oberaargau in Niederbipp.