Wenn Matthias Meier-Moreno mit seiner Familie am Samstag in Brasília landen wird, dann darf er mit einem stahlblauen Himmel und bald darauf mit einem Sonnenuntergang der Sonderklasse rechnen.

Ein feuerroter Abendhimmel steht im Juni während der Trockenzeit auf der zentralen Hochebene Brasiliens auf der Tagesordnung. Ob aber die Grenchner Familie das Naturspektakel am Ufer des Stausees in Brasília wirklich geniessen kann, ist nicht ganz sicher.

Das wird davon abhängen, ob die Zeit beim Zwischenhalt in São Paulo reicht, damit Matthias Meier-Moreno seine Tickets für den Fansektor des ersten Spiels der Schweiz gegen Ecuador bereits beziehen kann. Wenn das nicht gelingt, werden die Meiers gleich nach der Landung zur Ausgabestelle in Brasilia eilen müssen, um dort noch auf den letzten Drücker zu ihren Tickets zu kommen.

Immerhin: Fifa bestätigt den Kauf

«Beim Bestellen der Tickets über den Schweizer Fussballverband war nicht klar, wie das Ganze ablaufen würde», sagt Meier. «Als ich dann vom SFV erfuhr, dass ich die Tickets erst in Brasilien vor Ort beziehen kann, machte mich das etwas stutzig und vor allem unsicher. Erst als ich von der Fifa ein Schreiben mit einer ‹official Ticket confirmation› erhielt, beruhigte mich das ein wenig.»

Trotzdem werden Matthias Meier-Moreno, seine Frau und seine Tochter die lange Reise mit Bauchweh antreten: «Ich fühle mich etwas hilflos, denn ich buchte eine teure Reise und ein Arrangement, um an der WM dabei zu sein, und erst vor Ort in Brasilien erfahre ich, ob es dann wirklich auch mit den Tickets klappt. Etwas paradox. Und hoffentlich heisst es dann nicht, ausser Spesen nichts gewesen.» Andererseits verstehe er auch die Fifa, die mit diesem Vorgehen dem Schwarzmarkt den Spielraum nimmt.

Etwas Entwarnung können da nur die Erfahrungen anderer Schweizer Fans liefern, die bei der Ausgabestelle in Brasília ihre Tickets bezogen haben: «Die Leute, die hier arbeiten, sind sehr kompetent und effizient. In weniger als 20 Minuten hatte ich die frisch ausgedruckten Tickets in der Hand», sagte Joice Ribeiro, die sich mit Mann und Söhnchen Joey den Match gegen Ecuador ebenfalls im Schweizer Fansektor anschauen wird.

Wenn der Kurierdienst versagt

Noch mehr Kopfzerbrechen als den Meiers bereitet die Situation derzeit Guido Schläfli. Er hat seine Tickets direkt über die Homepage der Fifa bestellt und den Hauslieferdienst per Kurier auch gleich mit der Kaufsumme beglichen. Doch die Tickets sind nie bei ihm in Deitingen eingetroffen. Auf Nachfrage bei der Fifa hiess es, über die Lieferung müsse er sich direkt beim Kurierdienst informieren. «Darauf habe ich die DHL angerufen. Die sagen, sie hätten keinen Lieferauftrag für meine Adresse erhalten», so Schläfli.

Ein zweites Nachfassen bei der Fifa ergab folgende Antwort: «Die Zustellung Ihrer Tickets an die angegebene Adresse war nicht möglich. Ihre Tickets werden daher zur Abholung in den Fifa-Ticket-Ausgabestellen in Brasilien bereitgestellt.» Nun ist Schläfli ziemlich verunsichert, da er erst knapp vor seinem ersten Match zwischen Portugal und Ghana eintreffen wird. «Ich verstehe das nicht, hoffe aber, dass ein Kollege, der bereits in Brasilien ist, für mich die Tickets abholen kann.»

Ein erster Versuch ist allerdings gescheitert. Die Tickets waren im Computer bereits als «ausgedruckt» registriert. Ein zweiter Versuch wird in ein paar Tagen zeigen, ob die Fifa den Status zurückgestellt hat und ob die Tickets an der Ausgabestelle dann auch tatsächlich ausgedruckt werden können. Die Fifa hat Guido Schläfli übrigens bereits angekündigt, dass er das Geld für den Lieferauftrag – den es laut Kurierdienst gar nie gab – wieder auf seine Kreditkarte zurückgebucht erhält.