Interview
CEO der Solothurner Spitäler: «Es ist keine Strategie, auf eine zweite Welle zu warten»

Martin Häusermann, CEO der Solothurner Spitäler AG, über Bettenstationen, Schutzkittel, Personal und den Neubau in Krisenzeiten.

Rebekka Balzarini
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Martin Häusermann: «Wir wollten so viele Fähigkeiten und Ressourcen wie möglich bündeln.»

Martin Häusermann: «Wir wollten so viele Fähigkeiten und Ressourcen wie möglich bündeln.»

Hanspeter Bärtschi

Sagen Sie uns, wie geht es den Solothurner Spitälern?

Martin Häusermann: Es geht uns den Umständen entsprechend gut. Von einem Abwärtstrend bei den Coronazahlen will ich noch nicht sprechen. Aber wenn ich die Entwicklung der Patientenzahlen in Olten und Solothurn anschaue, dann sind sie stabil. Ich bin trotzdem froh, dass wir Reservekapazitäten geschaffen haben. Auch wenn es jetzt so aussieht, als würden wir diese nicht brauchen.

22 Patienten sind hospitalisiert. Sind das weniger als erwartet?

Ja, wir haben die Entwicklung im Tessin gesehen und sind davon ausgegangen, dass es sich bei uns ähnlich verhalten wird.

Es wurde Fachpersonal aus den Privatkliniken abgezogen. War das nötig?

Wir wollten so viele Ressourcen und Fähigkeiten wie möglich bündeln. Wir wollten also zum einen möglichst viele Beatmungs- und Isolationsplätze schaffen, zum anderen möglichst viele Fachleute für einen Einsatz in unseren Spitälern ausbilden. Wir wussten vor der Pandemie nicht, was auf uns zukommt. Wir wussten nicht, wie viele Patienten zu uns kommen, und mussten damit rechnen, dass auch unser Personal erkrankt. Bisher ist das zum Glück nur sehr selten vorgekommen.

Es war in vielen Spitälern von einem Engpass bei Masken, Handschuhen, Brillen oder Schutzkleidung die Rede. War das auch in den Solothurner Spitälern ein Problem?

Bis vor zwei Wochen haben wir immer wie geplant Nachschub bekommen. Vor zwei Wochen hat sich die Situation aber zugespitzt, nicht nur bei uns, sondern in der ganzen Schweiz. Exportbeschränkungen aus anderen Ländern haben uns zugesetzt. Tatsächlich ist es passiert, dass einmal ein Flugzeug mit Material nicht starten konnte. Das Material wird jetzt per Schiff geliefert, aber das dauert natürlich viel länger.

Und wie ist die Situation jetzt?

Stand heute kann ich sagen: Bei den Masken, der Schutzkleidung, den Handschuhen und den Brillen sind wir gut ausgerüstet. Einen Engpass gibt es bei langen Handschuhen, und unser üblicher Schutzkittel ist nicht mehr lieferbar. Das erste Ersatzprodukt genügte unseren Anforderungen nicht, obwohl alle Kriterien für die Behandlung von Covid-19-Patienten erfüllt waren. Dieser Kittel wurde daher umgehend durch ein drittes Modell ersetzt, das bereits im Einsatz ist und bezüglich Reissfestigkeit und Infektionsschutz dem
ursprünglich in der soH eingesetzten Produkt entspricht.

Und was ist mit der Infrastruktur?

Wir haben zwei Bettenstationen im Neubau des Bürgerspitals früher aktiviert, um möglichst viele Kapazitäten zu schaffen. Im Bettenhochhaus werden Covid-19-Patienten versorgt. So arbeiten wir noch immer.

Kann der Neubau des BSS wie geplant in Betrieb genommen werden?

Ursprünglich wollten wir den Neubau Ende Juni in Betrieb nehmen. Wir haben aber festgestellt, dass die Voraussetzungen für einen Umzug momentan nicht gegeben sind. Das Personal ist momentan sehr unterschiedlich ausgelastet. Einige haben sehr viel zu tun, andere eher wenig. Unter diesen Umständen wollen wir das Personal nicht zusätzlich mit dem Umzug belasten. Die Fertigstellungsarbeiten laufen aber weiter.

Wie lange wird der Neubau noch als Reservestation für Covid-19-Patienten gebraucht?

Wir haben uns überlegt, ob wir die Infrastruktur, die wir jetzt geschaffen haben, für eine zweite Welle aufrechterhalten wollen. Wir wissen aber nicht, wann diese Welle kommt, wie schlimm sie wird und ob sie überhaupt kommt. Es kann deshalb keine Strategie sein, auf eine zweite Welle zu warten. Ich gehe davon aus, dass wir die Infrastruktur nicht noch ein Jahr so aufrechterhalten werden.

Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit mit dem Bruderholzspital?

Wir haben eine Lösung gefunden, die für alle einleuchtend ist und mit der alle gut leben: Patienten werden in Dornach getestet und isoliert, sobald ein Test positiv ist, gehen die Patienten ins
Bruderholzspital. Das funktioniert einwandfrei.

Was ist mit dem Pool von Fachleuten aus dem Gesundheitsbereich, welche die soH rekrutiert hat? Und mit Militär und Zivilschutz?

Wir sind sehr froh um die Unterstützung. Die Fachleute aus dem Pool leisten ebenso gute Arbeit wie Militär und Zivilschutz. Das klappt sehr gut. Wir haben auch sehr gutes Feedback von den eingesetzten Personen erhalten. Das ist nicht selbstverständlich in einer derart herausfordernden und anstrengenden Situation.

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