Jetzt ist es definitiv: Der Bellacher Busbauer Hess hat sich einen bedeutenden Prestigeauftrag gesichert. Die Genfer Verkehrsbetriebe (TPG) haben zwölf neuartige Elektro-Busse namens Tosa bestellt. Den Grundsatzentscheid für den Ersatz bestehender Dieselbusse durch den Tosa hat der Genfer Kantonsrat zwar bereits im vergangenen Dezember gefällt. Aber erst am vergangenen Freitag wurden in Genf nun die entsprechenden Verträge unterzeichnet. Die Genfer werden die Dieselbusse auf der Linie 23 zwischen dem Flughafen und Carouge durch den neuen Grossraumbus ersetzen.

Der Tosa wurde in fünfjähriger Zusammenarbeit mit der ABB erforscht und entwickelt. Die Energie bezieht der Bus von einer auf dem Dach installierten Batterie, welche an bestimmten Haltestellen mittels einer von ABB entwickelten Ladetechnologie unter dem Namen «Flash» geladen wird. Der Vorgang dauert bloss 15 Sekunden, während die Passagiere ein- und aussteigen. An den Endhaltestellen und im Depot werden die Akkus jeweils voll nachgeladen. Dort dauert der Vorgang mehrere Minuten.

«Meilenstein» für die Bellacher

Die zwölf Busse werden 24 Millionen Franken kosten. «Unser Auftragsvolumen beträgt 14 Millionen Franken», erklärt Alex Naef, Chef der Carrosserie Hess AG. Die restlichen 10 Millionen Franken sind für die Infrastruktur bestimmt, das heisst für 13 Flash-Schnellladestationen, 3 Ladestationen für Endhaltestellen und deren 4 für das Depot. Diese werden von ABB geliefert. In Bellach werden das Chassis und die Carrosserie gebaut und die Infrastruktur von ABB eingebaut. «So gesehen werden die zwölf Tosa in Bellach gefertigt und montiert und wir treten als Lieferant für die Genfer Verkehrsbetriebe auf», hält Naef fest.
«Für uns ist der Auftrag ein Meilenstein», freut sich Naef. Weltweit erstmals werde diese Technologie mit Nachladestationen auf einer Buslinie komplett eingesetzt. Ein Prototyp sei während mehr als zwei Jahren in der Rhonestadt auf Herz und Nieren getestet worden. «Die jetzige Bestellung kommt einem Durchbruch gleich.»

Trend zu Elektrobussen

Naef ist überzeugt, dass der Trend von Dieselbussen hin zu Elektrobussen nicht aufzuhalten sei. Das zeigt das Beispiel Genf. An der erwähnten Medienkonferenz wurde erklärt, dass geplant sei, die Genfer Flotte von Dieselbussen bis 2025 vollständig auszuwechseln. Inwieweit dies durch den Tosa-Elektrobus erfolgt, ist noch offen. Die Carrosserie Hess habe vorerst eine Option auf die Lieferung von weiteren Elektrobussen erhalten, falls auf der jetzt umgerüsteten Linie mehr Fahrzeuge benötigt würden. Aber das Interesse an der Technologie generell sei gross. «Wir haben bereits mehrere Anfragen von städtischen Verkehrsbetrieben im In- und Ausland erhalten», so Naef. Aus Wettbewerbsgründen will er aber vorerst noch keine Namen nennen.

Tosa steht für «Trolleybus Optimisation Systeme Alimentation», also für einen Elektrobus mit optimierter Energieversorgung und -nutzung. Elektrobusse sind eigentlich nichts bahnbrechendes, fahren doch in zahlreichen Städten die bekannten Trolleybusse zu fast 100 Prozent mit Strom. Aber im Unterschied dazu benötigt der Tosa keine oft optisch störenden Oberleitungen und Masten. Zudem wird beispielsweise beim Tosa die Bremsenergie zurückgewonnen und im Fahrzeug direkt gespeichert und verbraucht.

Werk Bellach gut ausgelastet

Hess wird den ersten Bus bis Ende 2017 in Genf abliefern, die letzten Fahrzeuge im Frühling 2018, skizziert Naef den Fahrplan. Insgesamt sei die Busproduktion in Bellach gut ausgelastet. Trotzdem bleibe die Massnahme der Arbeitszeitverlängerung für die 240 Beschäftigten vorerst bis Ende 2016 in Kraft. Sie müssen statt 41 Stunden 42,5 Stunden arbeiten. Naef begründet das mit dem gewaltigen Kostendruck. Der starke Franken mache nicht nur die Hess-Busse im Ausland teurer, sondern auch die ausländischen Konkurrenzfahrzeuge in der Schweiz günstiger.