Mit allen Landeskirchen
Cantars, das Kirchenmusik-Festival der Superlative

Was in der Region Aargau/Solothurn 2007 klein begann, wird nun zum landesweiten Grossanlass: Laien aus Kirchen-, Jodel- und Kinderchören, aber auch Profimusiker starten zur Zweitauflage von Cantars. Initiantin und Projektleiterin Sandra Rupp Fischer äussert sich dazu.

Drucken
Teilen
Singen unter der Kanzel: Abschlusskonzert des Cantars-Kirchenmusikfestivals 2011 in Bad Zurzach.

Singen unter der Kanzel: Abschlusskonzert des Cantars-Kirchenmusikfestivals 2011 in Bad Zurzach.

Emanuel Freudiger

Frau Rupp, rund 8000 Menschen wirkten beim letzten Kirchenklangfest Cantars 2011 mit. Lässt sich so ein Erfolg überhaupt wiederholen?

Sandra Rupp: Wir hoffen es, wissen es aber noch nicht. Was klar ist: Diesmal machen noch mehr Menschen mit – rund 12 000. Sie präsentieren 440 Veranstaltungen an 36 Austragungsorten. Von Gregorianik über Klassik zu Gospel bis Rap und Hip-Hop, von Kabarettveranstaltungen, Tanzperformances zu Lesungen und Ausstellungen.

Was für Leute machen hauptsächlich mit?

Es sind mehrheitlich Laien, also Sängerinnen und Sänger in Kirchen-, Konzert-, Gospel, Jodel- oder Männerchören, aber auch Instrumentalisten in Orchestern oder Blasmusikformationen. Dann gibt es rund 2000 professionelle Musikerinnen und Musiker, Autoren, Kabarettisten, Rapper, welche am Cantars eigene Konzerte geben oder die Chöre begleiten. Und es treten auch 2000 Kinder und Jugendliche auf.

Kirchenmusik liegt nicht gerade im Trend, wie erklären Sie sich das grosse Interesse?

Initiantin Sandra Rupp.

Initiantin Sandra Rupp.

zvg

Wie kam es überhaupt zu Cantars, und was ist das Hauptziel?

Im Kirchenmusikverband Olten-Gösgen fragten wir uns oft, wie sich die Kirchenchöre und Kirchenmusiker in der Öffentlichkeit anders präsentieren könnten. Da Kirchenchöre klare Aufgaben haben, bleibt oft wenig Zeit, das kulturelle Wirken auch ausserhalb der Kirchenräume zu zeigen. So entstand 2007 ein erster Konzerttag mit 12 Kurzkonzerten in der Region Olten-Gösgen, Daraus entwickelte sich 2011 Cantars, als der Kirchenmusikverband Bistum Basel sein 125-Jahr-Jubiläum feierte. Dieses Jahr ist insbesondere auch das kirchliche Kulturengagement ein Thema. Daher auch die Ergänzung mit anderen Kunstformen als der Musik.

Wie kann man Kinder und Jugendliche von der Kirchenmusik begeistern?

Die musikalische Bildung ist generell wichtig für die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen. Zudem erfüllen Singen und Musizieren mancherlei Aspekte des kirchlichen Gemeindelebens von alleine. Kinder und Jugendliche sollen alleine oder in Gruppen positive musikalische Erfahrungen an unterschiedlichsten Orten machen dürfen: im Klassenkonzert, beim Altersheimauftritt, beim Adventskonzert oder auch in Gottesdiensten. Das Kirchenjahr bietet Familien einen wunderbaren Rahmen durchs Jahr. Diesen in einer offenen, engagierten Pfarrei zu erleben und die vielen Feste in Gemeinschaft zu feiern, kann sehr bereichernd sein. Ehrlicherweise muss ich aber auch sagen, dass es diesbezüglich in manchen Pfarreien oder Kirchgemeinden Entwicklungsbedarf gäbe.

Cantars wird nicht nur von der katholischen Kirche unterstützt, sondern auch von der reformierten und christkatholischen Landeskirche. Warum ist Ökumene hier wichtig?

Bereits bei Cantars 2011 wurden wir darauf angesprochen, dass einige reformierte Kirchenchöre auch gerne mitgemacht hätten. Für mich als Initiantin und Projektleiterin und auch für den Verband war es von Beginn weg klar, dass eine weitere Cantars-Durchführung ökumenisch sein sollte.

Aber man beschränkt sich auf die christlichen Konfessionen.

Nein, andere Religionen sind bei Cantars ebenso willkommen, darum gibt es zum Beispiel interreligiöse Chorprojekte oder einen Weltreligionen-Tag. Wir leben in einer bunten Gesellschaft. Es ist ja erstaunlich, dass wir innerhalb der christlichen Kirchen bei ökumenischen Zusammenarbeiten manchmal immer noch das Gefühl haben, wir hätten jetzt was ganz Wahnsinniges getan, weil «alle» dabei waren. Dieses «alle» hat sich aber in den letzten Jahrzehnten sehr verändert und wir leben mit Nachbarn zusammen, welche einen anderen Glauben leben – oder keinen. Ich erhoffe mir, dass wir mittels Musik und Kulturaustausch Respekt und Achtsamkeit gegenüber anderen Religionen und Kulturen fördern können.

Am kommenden Samstag beginnt Cantars in Basel. Wie nervös sind Sie?

Die Nervosität steigt... Zum Glück gibt es bis zum 14. März noch viel zu tun, so bin ich etwas abgelenkt.

Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?

Wenn wir dann sagen können, Cantars ist gut angelaufen und wir merken, dass die Menschen unterwegs sind. Ein erstes Highlight ist sicher das Auftaktfestival am kommenden Samstag in Basel: Von 12 Uhr bis Mitternacht erklingen im Münster, in der St. Clarakirche, in der Predigerkirche, in der Offenen Kirche Elisabethen und in der Theodorskirche über 20 attraktive Konzerte.

Interview: Patrik Müller

Aktuelle Nachrichten