Auf einen Kaffee mit ...

Campingplatz-Leiter: Manager, Handwerker und Seelenklempner zugleich

Jürg Moor ist seit Oktober der Manager des TCS Campingplatzes in Solothurn.

Jürg Moor ist seit Oktober der Manager des TCS Campingplatzes in Solothurn.

Jürg Moor ist seit Oktober der neue Manager des TCS Campingplatzes in Solothurn. Bei einem Kaffee erzählt er, warum ihn diese Stelle reizte und was einen guten Campingplatz ausmacht.

Es ist ruhig. Nur das fröhliche Gezwitscher der Vögel durchbricht die Stille und das Knallen einzelner Autotüren. Es herrscht Morgenstimmung auf dem Campingplatz, als ich kurz vor 9 Uhr über das Areal schlendere. Eine Gruppe Teenager krabbelt schlaftrunken aus ihrer tunnelförmigen Unterkunft, das ältere Pärchen auf der anderen Seite wirkt da schon um einiges wacher. Die beiden sitzen auf ihren Campingstühlen vor ihrem Wohnmobil und lesen in Zeitschriften.

Im Restaurant «Pier 11» treffe ich mich mit Jürg Moor, dem Leiter des TCS Campingplatzes Solothurn. Die Luft ist noch kühl, trotzdem entscheiden wir uns für die Terrasse. «Ich habe es gerne frisch», sagt Moor, kippt Rahm in seine Tasse, und rührt den Kaffee mit dem Löffel um. Er blickt kurz auf die Aare, deren Wasser in der Sonne glitzert. Ferienstimmung.

Arbeitsplatz im Ferienparadies

«Ich bin jeden Tag von Menschen umgeben, die gerade die schönste Zeit des Jahres erleben», sagt der 42-Jährige. «Sie versprühen eine positive Atmosphäre, die zum Arbeiten sehr angenehm ist.» Für ihn und seine Partnerin, die ebenfalls auf dem Campingplatz arbeitet, ist im Sommer nicht an Ferien zu denken.

Es ist die arbeitsintensivste Zeit des Jahres. Die Tage sind lang. Nicht selten sind sie von 9 Uhr morgens bis 8 Uhr abends auf dem Platz. Wenn es einmal gar spät wird, fahren die beiden gar nicht erst nach Hause, sondern übernachten vor Ort – in ihrem Wohnmobil. «Es ist unser zweites Heim geworden.»

Dabei zählt Jürg Moor noch nicht lange zur Gemeinschaft der Camper. Erst vor einem Jahr legte er sich ein Wohnmobil zu, als klar war, dass er Anfang Oktober die Leitung des Campingplatzes übernehmen würde, als Nachfolger von Wolfgang Aeberhard. Die erste Reise führte ihn und seine Partnerin nach Sardinien. «Eine wunderschöne Insel», schwärmt er. «Alles passt. Die Landschaft, die Menschen, wie auch das Essen.» Auf seinen eigenen Camping-Reisen fand er zudem heraus, was ihm selber wichtig ist. So nervt ihn auf einer Anlage eins fürchterlich: «Wenn der Duschkopf tropft. Das geht gar nicht.»

Vor einem Jahr war der 42-Jährige noch der Marketingleiter einer grösseren internationalen Hotelkette mit Sitz in Bern. Dort fehlte ihm der Kontakt mit den Kunden. Diesen hat er als Leiter des TCS Campingplatzes in Solothurn jetzt tagtäglich. «Einerseits bin ich zwar der Manager, der Büroarbeiten verrichtet und das Personal führt, genauso bin ich Handwerker und Seelenklempner für unsere Gäste.» Motoren überbrücken, lose Schrauben anziehen, Heizungen reparieren. Viele Probleme könne er oder einer der anderen Mitarbeiter zumindest provisorisch lösen. Doch auch wenn nicht – «den Kunden ist vor allem wichtig, dass wir es versuchen und für sie da sind».

80 Prozent der Gäste sind Schweizer. Daneben sind es vor allem Deutsche und Engländer, die auf ihrer Reise in Solothurn Halt machen. Im Sommer sind es mehrheitlich Familien, in der Nebensaison Paare ab 40 Jahren. «Ein durchschnittlicher Gast übernachtet zwei Nächte auf unserer Anlage. Wir sind wegen der Nähe zur A1 eine beliebte Zwischenstation in Richtung Spanien», berichtet Moor.

200 Stellplätze hat der Campingplatz in Solothurn. Dazu kommen ganz verschiedene Mietunterkünfte, wie Safarizelte, kleine Holzhäuschen oder ein Zirkuswagen, die stetig an Beliebtheit gewinnen. Ein anderer Trend nennt sich «Glamping». Es beschreibt das Campen auf Luxus-Niveau. «Die Leute wollen ihre Ferien zwar draussen im Grünen verbringen, aber dennoch nicht auf Annehmlichkeiten verzichten», sagt Moor.

Der WC-Test

Drei Dinge seien Campern besonders wichtig: «Eine saubere Anlage, freundliches Personal und eine gute Lage.» Die Campinganlage in Solothurn liegt direkt am Ufer der Aare. Das passt zum Motorbötler Moor, der Wasser als sein Element bezeichnet. Das Restaurant des Campingplatzes widmet sich passend dazu ganz dem Thema Schiff – bis ins kleinste Detail. Es gebe einen einfachen Test, um herauszufinden, ob ein Konzept wirklich durchdacht sei, sagt Moor – einen Blick in die Toilette werfen. «Das WC ist für mich das Mass aller Dinge», sagt der 42-Jährige.

Moor beendet seine Kaffeepause und geht wieder zurück an die Arbeit. Und für mich bleibt eines zu tun, bevor ich den Campingplatz verlasse – ein Besuch auf der Toilette des «Pier 11». Drinnen verstehe ich, was Moor meint. Man wähnt sich in einem Hausboot. Links und rechts vom Spiegel hängt je eine Schiffslampe und in der Tür ist ein Schiffsguckloch eingebaut.

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

Meistgesehen

Artboard 1